Reformer gegen Hardliner Warum Iran sich für die Ukraine interessiert

In Iran wird genau beobachtet, was sich in der Ukraine tut. Denn das Land glaubt, sich in dem Konflikt wiederzuerkennen: Die iranischen Reformer sind von den Umbrüchen begeistert - und der Regierung wird der Jubel langsam unheimlich.

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Grüne Bewegung (2009): Iraner, die sich Veränderungen wünschen, schauen gebannt auf die Ukraine
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Grüne Bewegung (2009): Iraner, die sich Veränderungen wünschen, schauen gebannt auf die Ukraine


Nicht nur Europa schaut gebannt auf das, was in der Ukraine passiert. Auch die Iraner fiebern mit. Denn manche von ihnen glauben darin ihren eigenen Konflikt wiederzuerkennen - zwischen denjenigen, die das Land aus der internationalen Isolation führen wollen, und den Hardlinern, die am außenpolitischen Konfrontationskurs festhalten. So interpretieren viele in Teheran die ukrainischen Proteste.

Irans Reformerlager ist vom vorläufigen Triumph der pro-europäischen Ukrainer völlig begeistert. "Timoschenko ist frei!", jubelte die Reformer-Zeitung "Shargh" nach den jüngsten Ereignissen. Ein Bild der freigelassenen Julija Timoschenko im Rollstuhl auf dem Maidan zierte groß die Titelseite. Dazu hieß es "Der Orange Tag" mit dem Wort gedruckt in der entsprechenden Farbe in Anspielung auf die sogenannte Orange Revolution in der Ukraine, mit der Timoschenko in Verbindung gebracht wird.

Auch wenn der Vergleich zwischen der Ukraine und Iran hinkt und Timoschenko keine Heilsfigur ist: Irans Reformer denken bei der ukrainischen Ex-Gefangenen automatisch an die prominenten Politiker, die im eigenen Land in Ungnade gefallen sind. Seit 2009 stehen die Reformer und Ex-Präsidentschaftskandidaten Mahdi Karrubi und Mir Hossein Mussawi, unter Hausarrest. Iraner, die den Reformern nahestehen, fordern ihre Freilassung.

"Orange ist das neue Grün"

Der 2013 gewählte moderate Präsident und Pragmatiker Hassan Rohani macht sich ebenfalls für die Freilassung der beiden stark. Allerdings konnte er bisher lediglich eine Erleichterung ihrer Haftbedingungen erreichen. Karrubi wurde kürzlich aus einem Haus des Geheimdienstes in sein eigenes verlegt.

Karrubi und Mussawi standen 2009 der sogenannten Grünen Bewegung vor, die gegen die umstrittene Wiederwahl von Mahmud Ahmadinedschad protestierten. "Orange is the new Green", Orange ist das neue Grün, spottete daher nun der amerikanische Iran-Experte Hanif Kashani auf Twitter, eine Anspielung auf die erfolgreiche US-Fernsehserie "Orange is the new Black".

Irans Nachrichtenagentur Irna, die Präsident Hassan Rohani nahe steht, stimmte auch in die Begeisterungsstürme der iranischen Reformer mit ein. Sie veröffentlichte ein Interview mit dem ukrainischen Botschafter in Iran, Alexander Samaskij. "Die ukrainischen Aufstände sind der Islamischen Revolution ähnlich", hieß es dort.

Einen ganz anderen Blick auf die Ukraine haben dagegen Irans Hardliner.

Regierung in Teheran mahnt zur Mäßigung des Ukraine-Jubels

Im iranischen Staatsfernsehen, das von ihnen kontrolliert wird, werden die ukrainischen Proteste als umstürzlerischer Aufruhr bezeichnet, eine Bezeichnung, mit der die Hardliner sonst die Reformer der Grünen Bewegung zu diskreditieren versuchen.

Die erzkonservative Zeitung "Vatan-e Emrooz", die dem Ex-Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad nahesteht, bezeichnet die Ereignisse in der Ukraine als pro-westliche Verschwörung.

Der Richtungsstreit in Iran zwischen den Hardlinern, die auf Konfrontation mit dem Westen setzen, und den Pragmatikern wie Hassan Rohani, die das Land aus der internationalen Isolation herausführen und eine Lockerung der Sanktionen erreichen wollen, hat zuletzt wieder an Fahrt aufgenommen. Während die Hardliner nach Rohanis Wahl 2013 erst einmal verstummten, nutzen sie inzwischen jede Gelegenheit, um die Atomverhandlungen des Präsidenten mit dem Westen zu kritisieren.

So langsam scheint selbst der Rohani-Regierung die iranische Ukraine-Begeisterung unheimlich zu werden.

Justizminister Mostafa Pour-Mohammadi warnte diese Woche sinngemäß: Was in der Ukraine passiert, passiert in der Ukraine. Die einheimischen Zeitungen sollten aufhören, darüber zu berichten, als sei es ein iranisches Innenpolitik-Thema. Und sie sollten vor allem das mit dem Orange auf ihren Titelseiten lassen.



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MultiMoral 26.02.2014
1. hier...
geht es nicht um Äpfel und Birnen Vergleich sondern Äpfel und Bananen Vergleich! Die Kaum zueinander passen! Halt Bananen-Vergleich!
tlhuerth 26.02.2014
2. Den Vergleich hat nicht SPON gemacht
Es waren die Reformkräfte im Iran, welche sich in Jubelstürme stürzen. Die islamischen Hardliner im Iran sehen die Ereignisse in der Ukraine als umstürzlerischen Aufruhr. Doch sie sollten selbst ihre Geschichte betrachten. Wie sind sie denn selbst an die Macht gekommen? War das nicht genau das gleiche? Ich verstehe den Drang der Menschen nach Freiheit und Demokratie und unterstütze ihn so weit wie möglich. Radikale Kräfte sollten in die Ecken verdrängt werden, wo sie hergekommen sind. Auch wenn ich mich unbeliebt mache, muss ich sagen, dass der Ayatollah Khomheini und seine lustigen Kumpane keine Ahnung hatten, wie ein Staat zu führen ist und das selbe gilt auch für seinen Nachfolger. Die Macht ist wichtig, das volk zählt nicht und Prunk und Protz gibt es nur für die genehmen Leute und einen selbst. Das ist das Motto sämtlicher Potentaten weltweit und es stört mich zutiefst, dass einige hier daran keinen Anstoß nehmen sondern die Leute auch noch verteidigen müssen.
cirkular 26.02.2014
3. Und jetzt noch Chaos in China
und die konsequente Privatisierung der Sicherheitskräfte. Dann geht der Spaß erst richtig los.
Bloomberg 27.02.2014
4.
Zitat von sysopAPIn Iran wird genau beobachtet, was sich in der Ukraine tut. Denn das Land glaubt, sich in dem Konflikt wiederzuerkennen: Die iranischen Reformer sind von den Umbrüchen begeistert - und der Regierung wird der Jubel langsam unheimlich. http://www.spiegel.de/politik/ausland/iraner-fiebern-mit-der-ukraine-mit-a-955717.html
Ja, ich schaue auch gebannt zu, … und kann nicht von eine seltsame Gefühl los sein, dass in Ukraine eine kleine Minderheit, die Nationalisten eine ganze Volk/Nation im Geiselhaft nehmen. Und alle schaut nur zu. Diese zehn-zwanzigtausend Mensch auf den Maidan entscheidet über die Zukunft diese Landes. Über 40-50 Mio Mensch. Wie kann es demokratisch sein? Aber ich ehrlich wünsche, dass die Ukrainer es schaffen können der Korruption in Griff zu kriegen.
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