Streit mit IAEA: Iran unterstellt Atomwächtern Sabotage
"Terroristen und Saboteure könnten die Agentur unterwandert haben": Der iranische Atomchef unterstellt der Internationalen Atomenergiebehörde, Teherans Nuklearprogramm aktiv zu hintertreiben. Er bringt die Uno-Inspekteure gar in Zusammenhang mit einem Bombenanschlag.
Besuch in Buschehr: Der damalige Parlamentssprecher Haddad Adel (Mitte) inspiziert die Nuklearanlage (Foto von 2006)
Wien/Teheran - Iran hat die Internationale Atomenergiebehörde IAEA indirekt für Sabotage seiner Nuklearanlagen verantwortlich gemacht. "Terroristen und Saboteure könnten die Agentur unterwandert haben und versteckt die Fäden ziehen", sagte der iranische Atomchef Feridun Abbasi-Dawani am Montag vor der IAEA-Vollversammlung in Wien.
Er nannte als Beispiel einen Bombenanschlag auf die Atomanlage Fordo vom 17. August, bei dem Stromleitungen durchtrennt wurden. Dies sei ein Weg, um Zentrifugen zur Urananreicherung zu zerstören, so der Atomchef. Am nächsten Tag hätten die Atominspektoren eine unangekündigte Besichtigung der Anlage gefordert.
Kurz vor der ungewöhnlich scharfen Unterstellung in diesem internationalen Rahmen hatte der Chef der IAEA angekündigt, trotz fehlender Fortschritte weiter auf Gespräche im Atomstreit mit Iran zu setzen.
Yukiya Amano sagte zum Auftakt der IAEA-Vollversammlung mit 155 Staaten, die Atomwächter würden die Verhandlungen mit Teheran fortsetzen, um alle offenen Fragen zu klären. "Ich hoffe, wir werden uns ohne weitere Verzögerung auf eine Lösung einigen, die dann auch direkt umgesetzt wird", sagte der IAEA-Chef.
Seit der Resolution des IAEA-Gouverneursrats im November gegen das islamische Land hätten Gespräche zwischen der IAEA und Iran keine konkreten Ergebnisse gebracht, sagte Amano. Vergangenen Donnerstag hatte das aus 35 Staaten bestehende Leitungsgremium der Atombehörde erneut eine ähnliche Resolution gegen Iran beschlossen, die das Land zur Kooperation auffordert.
Die Europäische Union bestätigte am Mittag, dass neue Gespräche über das umstrittene Atomprogramm Teherans geplant sind. Es handele sich bei einem Treffen der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton mit dem iranischen Chefunterhändler Said Dschalili am Dienstagabend in Istanbul aber "nicht um eine offizielle Verhandlungsrunde", sagte eine Sprecherin Ashtons.
Das Treffen werde eine Gelegenheit sein, um Iran einen "bedeutsamen Schritt zur Vertrauensbildung deutlich zu machen". Man wolle Teheran zu mehr Flexibilität angesichts der Vorschläge der sechs anderen an den Verhandlungen beteiligten Staaten auffordern.
Der diplomatische Ausfall von Teherans Atomchef dürfte allerdings nicht zur Vertrauensbildung beitragen.
fab/dpa/Reuters
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