Irans erstes AKW: Buschehr geht in Betrieb

Immer wieder kam es zu Verzögerungen beim Bau des Reaktors Buschehr im Süden Irans. Jetzt weihten iranische und russische Regierungsvertreter den umstrittenen Atommeiler ein. Damit ging das AKW offiziell in Betrieb - allerdings nicht für lange: Bald muss es wieder vom Netz.

Der umstrittene Atommeiler Buschehr: offiziell in Betrieb genommen Zur Großansicht
REUTERS

Der umstrittene Atommeiler Buschehr: offiziell in Betrieb genommen

Teheran - Iran ist in seinem Atomprogramm offenbar einen bedeutenden Schritt vorangekommen: Iranische und russische Regierungsvertreter haben am Montag Irans erstes Atomkraftwerk nahe Buschehr offiziell eingeweiht. Damit sei das Kraftwerk auch in Dienst genommen worden, berichtete der Nachrichtensender Chabar. Zur Einweihung kamen unter anderem Irans Außenminister Ali-Akbar Salehi und der russische Energieminister Sergej Schmatko.

Anfang September war der Meiler bereits ans Netz genommen worden.In einer ersten Phase werden 40 Prozent der möglichen Leistung des 1000-Megawatt-Reaktors in das Stromnetz eingespeist. Im November soll die gesamte Kapazität ausgeschöpft werden - das AKW hochgefahren werden.

Allerdings muss zuvor der Reaktor für mehrere Wochen wieder abgeschaltet werden. So soll er heruntergekühlt werden, um anschließend eine Generalinspektion zu ermöglichen, zitierte die Web-Seite des Staatsfernsehens Mohammed Ahmadian von der iranischen Atomenergie-Behörde.

Das Kraftwerk in der südiranischen Stadt Buschehr wird mit von Russland produziertem Kernbrennstoff betrieben. Moskau nimmt auch den Atommüll wieder zurück. Iran und Russland haben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) genehmigt, das Atomkraftwerk zu kontrollieren.

Der Probebetrieb des Meilers war im Mai angelaufen. Zuvor hatte es mehrfach Verschiebungen gegeben. Unter anderem hatte der mysteriöse Computervirus Stuxnetdie Rechensysteme des Reaktors befallen und damit vermutlich die Inbetriebnahme verzögert. Zuletzt mussten die Brennelemente entfernt werden, weil sie möglicherweise mit Metallpartikeln verschmutzt waren.

Iran steht im Verdacht, heimlich Atomwaffen zu entwickeln. Die IAEA zeigte sich am Montag zunehmend besorgt über eine mögliche militärische Dimension des iranischen Atomprogramms. IAEA-Chef Yukiya Amano sagte in Wien, die islamischen Republik arbeite nicht gut genug mit der Uno-Behörde zusammen, um Sorgen über das Programm auszuräumen. Er forderte die Regierung in Teheran zur Kooperation mit den IAEA-Inspekteuren auf.

Die Führung in Teheran beteuert, ihr Atomprogramm diene nur dem friedlichen Zweck der Stromgewinnung.

heb/dpa/AP/Reuters

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insgesamt 39 Beiträge
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1. ...
deus-Lo-vult 12.09.2011
Dann bin ich mal gespannt, wann der erste Atomtest folgt. Achso, nein, die wollen ja garkeine Atomwaffen....
2. Re
Alborz 12.09.2011
Zitat von sysopImmer wieder kam es zu Verzögerungen beim Bau des Reaktors Buschehr im Süden Irans - jetzt ist der umstrittene Atommeiler offiziell in Betrieb genommen worden. Iranische und russische Regierungsvertreter weihten das AKW ein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,785785,00.html
Fast auf Punkt genau zum 10te Jahres Tag von 9711 geht Iran AKW mit hilfe russland im Betrieb. eine Demütigung für (ex-) Großmacht USA.
3. Logisch?
endingway 12.09.2011
Zitat von deus-Lo-vultDann bin ich mal gespannt, wann der erste Atomtest folgt. Achso, nein, die wollen ja garkeine Atomwaffen....
Selbst wenn dem so wäre, was sie sagen, was ja noch nie nachgewiesen wurde (die westliche Medienpropaganda mal ausgeschlossen), würde ich es den Iranern auch dringend raten sich Atomwaffen zu beschaffen. Denn sobald man im Besitz von A-Waffen ist, besteht nicht mehr eine solch große Gefahr von den ewig Kriegs-hungrigen Amerikanern, die ja bekanntlich rund um den Iran dutzende Basen und hundertausende Soladten haben, angegriffen zu werden. Es wäre aus meiner Sicht ganz und gar eine Frage der Logik sich die Bombe zu beschaffen, denn auch wenn das in den Hohlköpfen vieler Foristen hier nicht reingehen will, die Iraner haben es nicht so gerne, wenn sie invasiert werden und dann eine Demokratie á la Irak implementiert bekommen. Die Politik der Amerikaner war schon seit Sie eine Rolle auf der Weltbühne spielen, andere Staaten kleinzuhalten, damit sie ja nicht wissenschaftlich oder technologisch aufsteigen und eventuell auch noch souverän und unabhängig werden (um Gottes Willen!!). Wobei Souveränität hierzulande auch schon seit Jahrzehnten ein Fremdwort ist.
4. asdac
spatenheimer 12.09.2011
Zitat von AlborzFast auf Punkt genau zum 10te Jahres Tag von 9711 geht Iran AKW mit hilfe russland im Betrieb. eine Demütigung für (ex-) Großmacht USA.
Ja, total unsensibel. Einfach ein Atomkraftwerk einzuweihen, wo doch heute vor 10 Jahren und einem Tag Flugzeuge in Hochhäuser geflogen sind.
5. Eigene Sicherheit auf Kosten der Nachbarn
peterhausdoerfer 12.09.2011
Zitat von sysopImmer wieder kam es zu Verzögerungen beim Bau des Reaktors Buschehr im Süden Irans - jetzt ist der umstrittene Atommeiler offiziell in Betrieb genommen worden. Iranische und russische Regierungsvertreter weihten das AKW ein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,785785,00.html
ist zum Scheitern verurteilt, denn diese werden stets bemüht sein die Bedrohung zu kompensieren. Der Orient braucht eine Sicherheit- Architektur wie wir sie in Europa haben, alles andere ist rückständig und unbeständig.
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Irans Atomprogramm
Streit
Iran unterzeichnete 1968 den Sperrvertrag für Atomwaffen . Dieser erlaubt die zivile Nutzung von Nuklearenergie und die dafür notwendige Forschung einschließlich der Urananreicherung .

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit Sitz in Wien kontrolliert die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags; sie erstellt regelmäßig Berichte über das iranische Atomprogramm .

Der Uno-Sicherheitsrat hat in seiner Resolution 1696 vom 31. Juli 2006 Iran erstmals aufgefordert, die Anreicherung von Uran einzustellen; Teheran weigert sich unter Berufung auf den Atomwaffensperrvertrag.

Als Vermittler tritt seit einigen Jahren auch die "EU-Troika" auf, bestehend aus Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Anlagen
Arak : geplanter Schwerwasserreaktor
Buschehr : Atomkraftwerk, im Mai 2011 nach mehrfachen Terminverschiebungen in Betrieb genommen - zunächst zu Testzwecken. Im September 2011 ging der Reaktor in Regelbetrieb, allerdings noch nicht auf voller Leistung
Isfahan : Forschungsreaktor
Jasd: Uranminen
Natans : Anlage zur Urananreicherung, angeblich mit 6000 Zentrifugen in Betrieb. Im Herbst 2009 gab Iran bekannt, nahe der Stadt Ghom eine zweite Anlage zur Urananreicherung zu besitzen.
Teheran : Forschungsreaktor
Geschichte
1974: Unter Beteiligung von Siemens beginnt bei Buschehr der Bau eines Kernkraftwerks.
1979: Nach der Revolution und der Ausrufung der Islamischen Republik wird das Atomprogramm nicht weiter betrieben.
1980-1988: Im Irak-Iran-Krieg wird der Atomreaktor in Buschehr mehrfach bombardiert und dabei schwer beschädigt.
Neunziger Jahre: Deals auf dem Schwarzmarkt mit Abdul Qadir Khan , Pakistans "Vater der Atombombe"
1995: Abkommen mit Russland zum Wiederaufbau des Atomreaktors von Buschehr
2002: Iranische Oppositionelle im Exil berichten über ein geheimes Atomprogramm.
2003: Iran unterzeichnet das Zusatzprotokoll zum Atomwaffensperrvertrag (bislang aber nicht vom Parlament ratifiziert).
2006: Der Uno-Sicherheitsrat verlangt in seiner Resolution 1696 erstmals den Stopp der Urananreicherung .
Juli 2008: Iran droht bei einem Angriff auf seine Atomanlagen mit militärischen Gegenschlägen. Das Regime testet Schahab-3-Raketen, die auch Ziele in Israel erreichen könnten.
November 2008: Iran hat nach eigenen Angaben die Zahl seiner für die Urananreicherung benötigten Zentrifugen auf 5000 erhöht.
Juni 2009: Iran hat laut Internationaler Atomenergiebehörde IAEA weitere tausend Gaszentrifugen im Atomzentrum Natans in Betrieb genommen und bisher knapp 1,4 Tonnen niedrig angereichertes Uran produziert.
Mai 2010: Nach Verhandlungen mit dem brasilianischen Präsidenten Lula und dem türkischen Regierungschef Erdogan erklärt sich Iran bereit, schwach angereichertes Uran im Ausland zu tauschen. Wenig später kündigt Teheran an, an der umstrittenen Urananreicherung auf 20 Prozent festhalten zu wollen.
Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat, die EU und die USA beschließen neue Sanktionen gegen Teheran. US-Präsident Obama spricht von den bisher härtesten Sanktionen überhaupt - doch Beobachter bleiben skeptisch, ob die Strafmaßnahmen Erfolg bringen.
Sanktionen
Uno-Sanktionen: Verbot von Waffen- und Nuklearhandel, Einfrieren von Konten, Reisebeschränkungen, verhängt in Resolution 1737 (23.12.2006), Resolution 1747 (24.03.2007), Resolution 1803 (03.03.2008)

Sanktionen der USA: Vollständiger Handels- und Investitionsboykott, beruhend auf Executive Order 12959 von 1995, neue Sanktionen im Juni 2010

Sanktionen der EU: Einschränkungen für Handel und Investitionen, Einfrieren von Vermögen, Reisebeschränkungen, beruhend auf Verordnung (EG) Nr. 423/2007 des Rates (19.04.2007)

Nahost
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärt, das israelische "Besatzungsregime" müsse "aus den Annalen der Geschichte verschwinden".
Israelische Politiker, darunter auch Kabinettsmitglieder, sprechen sich für präventive Militärschläge gegen Iran aus.
Personen
Said Dschalili , Atomunterhändler seit Oktober 2007
Yukiya Amano , Generaldirektor der IAEA
Der Verhandlungspoker um die Urananreicherung
Oktober 2009: Vertreter Irans, Deutschlands und der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat kommen zu Atom-Gesprächen in Genf zusammen.
November 2009: Die IAEA kritisiert in einer Resolution die jahrelang geheim gehaltene iranische Urananreicherungsanlage bei Ghom. Teheran reagiert mit der Ankündigung, zehn neue Uran-Anlagen zu bauen.
Dezember 2009: Iran testet die Mittelstreckenrakete Sedschil 2. Diese habe größere Zielgenauigkeit als das Vorgängermodell Schahab 3.
2. Februar 2010: Ahmadinedschad zeigt sich bereit, auf einen Vorschlag der IAEA einzugehen, der eine Anreicherung iranischen Urans auf 20 Prozent im Ausland vorsieht. Wenige Tage später rudert er wieder zurück.
7. Februar 2010: Iran verkündet, man habe niedrig angereichertes Uran von 3,5 auf 20 Prozent gebracht und sei in der Lage, es auf 80 Prozent anzureichern. Damit könnten Atomwaffen hergestellt werden.
11. Februar 2010: US-Präsident Barack Obama kündigt als Reaktion umfangreiche neue Sanktionen gegen Iran an.
1. April 2010: Nach langem Widerstand gegen neue Sanktionen ist China bereit, sich an den Verhandlungen über den Text einer verschärften Uno-Resolution zu beteiligen.
25. April 2010: Zur Abwehr neuer Sanktionen besucht Irans Außenminister Manutschehr Mottaki Österreich. Gespräche mit dem Chef der IAEA, Yukija Amano, und Österreichs Außenminister Michael Spindelegger bringen jedoch keinen Durchbruch.
17. Mai 2010: Nach Verhandlungen mit Brasilien und der Türkei lenkt Iran ein und will Uran im Ausland anreichern lassen. Doch die internationale Gemeinschaft reagiert skeptisch auf die Ankündigung.
9. Juni 2010: Der Uno-Sicherheitsrat beschließt schärfere Sanktionen gegen Iran. Sie beinhalten weitere Hürden für die iranische Finanzbranche und eine Ausweitung des Waffenembargos. Auch die USA und die EU setzen schärfere Maßnahmen gegen Iran in Kraft.
Januar 2011: Die Atomgespräche zwischen Iran und den westlichen Mächten in Istanbul scheitern. Teheran hatte weiterhin "ein Recht auf Urananreicherung" gefordert.

Fläche: 1.648.195 km²

Bevölkerung: 74,962 Mio.

Hauptstadt: Teheran

Staatsoberhaupt und Religionsführer:
Ajatollah Ali Chamenei

Staats- und Regierungschef:
Hassan Rohani

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