Ahmadinedschad im ZDF-Interview "Machen Sie sich keine Sorgen um uns"

Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat dem ZDF eines seiner seltenen Interviews gegeben. Iran strebe nicht nach der Atombombe, halte aber an seinem Nuklearprogramm fest. Von Kompromissbereitschaft zeigte der Politiker im Gespräch mit Claus Kleber keine Spur.  

Irans Präsident Ahmadinedschad: "Die Atombombe ist zwecklos und unmoralisch"
REUTERS

Irans Präsident Ahmadinedschad: "Die Atombombe ist zwecklos und unmoralisch"


Teheran/Hamburg - "Wir bauen keine Atombombe": In einem Interview mit dem ZDF hat Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad entschieden den Vorwurf zurückgewiesen, sein Regime entwickle Nuklearwaffen. Eine solches Vorhaben sei "zwecklos und unmoralisch", erklärte Ahmadinedschad am Sonntag in Teheran im Gespräch mit dem ZDF-Journalisten Claus Kleber.

"Die Atombombe hat die Sowjetunion nicht gerettet und Israel nicht vor der Hisbollah und der Hamas bewahrt", so der iranische Präsident. Er widersprach zugleich der Darstellung, das Land mache sein Atomprogramm nicht transparent. Vielmehr sei es die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), die sich nicht an Abkommen halte. Teheran habe der IAEA die Namen der am Nuklearprogramm beteiligten Wissenschaftler genannt - mit dem Ergebnis, dass diese später bei Anschlägen gezielt getötet wurden.

Interessantes Detail: "Wenn Ahmadinedschad eine Bombe bauen möchte oder will, wird er das bekanntgeben", sagte der Politiker. Im iranischen Machtgefüge liegt die oberste Entscheidungsgewalt jedoch nicht in den Händen des Präsidenten, sondern beim Obersten Führer des Landes, Ajatollah Ali Chamenei.

Die Atomfrage würde genauso wie die Menschenrechte instrumentalisiert um Iran zu unterdrücken, so Ahmadinedschad. Während der Schah-Ära habe sich keine westliche Regierung für die Menschenrechtslage interessiert. Die Haltung des Westens sei daher verlogen. Auch in Großbritannien seien Demonstranten von der Polizei verprügelt worden, der Westen solle also vor der eigenen Haustür kehren.

"Der Holocaust ist eine Lüge"

Auf keinen Fall werde sich Iran von den internationalen Sanktionen beeindrucken lassen. "Machen Sie sich um uns keine Sorgen", erklärte der Politiker. Sein Land werde die Strafaktionen überleben. Im Gegenteil könnte Iran bei einem Einfrieren der Handelsbeziehungen zur Europäischen Union die Wirtschaft in Europa empfindlich treffen. Dann stünden nach Ahmadinedschads Einschätzung bis zu 300.000 Arbeitsplätze in der EU auf dem Spiel. Dass es Teheran nicht darauf anlege, sei eine Geste des guten Willens.

Zum wiederholten Male bezeichnete Ahmadinedschad im Interview den Holocaust als Lüge, auf der Israel aufgebaut sei. Der jüdische Staat sei ein "koloniales Projekt" und "künstliches Land". Die in der Vergangenheit geäußerte Forderung, Israel müsse von der Landkarte getilgt werden, wollte Ahmadinedschad gegenüber Kleber nicht wiederholen.

Das Interview wurde am Sonntag im Präsidentenpalast in Teheran aufgezeichnet. Seit vier Jahren habe sich das ZDF um ein Gespräch mit Ahmadinedschad bemüht, sagte Kleber am Montag zu SPIEGEL ONLINE. Die Themen seien nicht vorab abgesprochen worden.

Der Iraner habe sich als "ernsthafter und entspannter Gesprächspartner" gezeigt. Anstatt der zuvor vereinbarten 20 Minuten habe Ahmadinedschad 45 Minuten lang Rede und Antwort gestanden. Dabei habe er jedoch "keinerlei Offenheit" für gegensätzliche Ansichten gezeigt, so Kleber. Teile des Interviews sollen am Montagabend im "heute-journal" des ZDF ausgestrahlt werden. Das komplette Gespräch soll dann auch auf der Internetseite des Fernsehsenders abrufbar sein.

syd



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meisterraro 19.03.2012
1. Ahmadinedschad sagt die Wahrheit über Atomwaffen
Für Ahmadineschad ist die ganze Welt eine einzige Verschwörung. Ohne seine Feindbilder, die er hagt und pflegt, könnte er wohl nicht. Er hält alle Wahrheiten des Westens für falsch und würde sogar widersprechen, wenn man das westliche Gras 'grün' nennte und hielte auch das für eine Verschwörung der westlichen Regierungen. Trotzdem ist er nicht gefährlich und vor allem kein Kriegstreiber. Er ist trotzig und stur aber neigt nicht zu Gewalt und ist auch ehrlich. Wenn er Atomwaffen verurteilt, sollte man ihm das glauben.
cour-age 19.03.2012
2. kleiner Mann
Zitat von sysopREUTERSIrans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat dem ZDF eines seiner seltenen Interviews gegeben. Iran strebe nicht nach der Atombombe, halte aber an seinem Nuklearprogramm fest. Von Kompromissbereitschaft zeigte der Politiker im Gespräch mit Claus Kleber keine Spur. Ahmadinedschad im ZDF-Interview: "Machen Sie sich keine Sorgen um uns" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,822278,00.html)
"Wenn Ahmadinedschad eine Bombe bauen möchte oder will, wird er das bekanntgeben": diese Aufschneiderei ist typisch für einen kleinen Mann: weder hat er die politische Befugnis, so etwas zu entscheiden, noch hat er die Intelligenz bzw. Ausbildung, "eine Bombe zu bauen". Ein kleiner Soldatenoffizier eben. Auch der Rest ist im Stile der früheren Interviews im Spiegel gehalten. Wie muss ein Volk unter Kontrolle sein, dass solche Einfalt bis in die Staatsführung gespült werden kann?
Netcube 19.03.2012
3. ...
Was für ein Artikel. Alleine diese Formulierung: "Die in der Vergangenheit geäußerte Forderung, Israel müsse von der Landkarte getilgt werden, wollte Ahmadinedschad gegenüber Kleber nicht wiederholen." ...zeigt wier SPON bei dem Thema tickt. Er kann diese Aussage nicht wiederholen, weil er sie so nie gemacht hat und das ist mittlerweile auch im Mainstream bekannt und wurde auch richtig gestellt. Zitat Süddeutsche: "Kein Satz wird so häufig mit dem amtierenden Präsidenten Irans, Mahmud Ahmadinedschad, assoziiert wie dieser: Israel muss von der Landkarte radiert werden. Das Problem ist nur - er hat diesen Satz nie gesagt." Umstrittenes Zitat von Ahmadinedschad - Der iranische Schlüsselsatz - Kultur - sueddeutsche.de (http://www.sueddeutsche.de/kultur/umstrittenes-zitat-von-ahmadinedschad-der-iranische-schluesselsatz-1.287333) Würde mich freuen, wenn ich durch die Zensur komme. ;-)
carahyba 19.03.2012
4. "grünes" Gras
Zitat von meisterraroFür Ahmadineschad ist die ganze Welt eine einzige Verschwörung. Ohne seine Feindbilder, die er hagt und pflegt, könnte er wohl nicht. Er hält alle Wahrheiten des Westens für falsch und würde sogar widersprechen, wenn man das westliche Gras 'grün' nennte und hielte auch das für eine Verschwörung der westlichen Regierungen. Trotzdem ist er nicht gefährlich und vor allem kein Kriegstreiber. Er ist trotzig und stur aber neigt nicht zu Gewalt und ist auch ehrlich. Wenn er Atomwaffen verurteilt, sollte man ihm das glauben.
Wenn Leute wie Netanjahu, Obama oder Sarkozy behaupten das westliche Gras wäre "grün", würde ich auch erstmal daran zweifeln. Würde erst dann wieder daran glauben, wenn ich es vor mir sehe. Israel und die USA behaupten seit ca. 15 Jahren, dass der Iran nach Atomwaffen strebe und beständig kurz vor dem Besitz stehe. In diesem Fall glaube ich eher Ahmadinedjad als Netanjahu und Obama dem Friedens-Nobelpreisler, der vor vier Jahren versprach Guantanamo zu schliessen, sollte er Präsident werden. Dieses Gras ist ziemlich "gelb" geworden.
kittekatz 19.03.2012
5.
Ich finde es nicht in Ordnung, dass das nachweislich falsche Zitat Israel müsse von der Landkarte getilgt werden, noch in diesem Artikel verwendet wird. Bei aller Abscheu vor diesem Herrn Ahmadinedschad, aber es ist nicht nötig Lügen über ihn zu verbreiten, um ihn zu diskreditieren. Dafür reicht bei solch einer Persönlichkeit auch die Wahrheit. Bleiben wir doch bitte also dabei. Ansonsten finde ich es höchst charmant wie gönnerhaft er uns 300.000 Arbeitsplätze erhält. Wahrhaftig eine Geste des guten Willens, von einem großen Staatsmann und Diplomaten. Und dann schon wieder das leidige Thema Holocaustverleugnung. Bin gespannt auf die entsprechenden Auszüge aus dem Interview. Ich bin mir sicher, dieser Teil wurde vom Interviewer ganz schnel abgewürgt, wie es sich gehört. Alles in allem gut, dass dieser Mann- anders als man im absichtlich falsch informierten/informierenden Westen glaubt- nichtmal die Befehlsgewalt einer hiesigen Kanzlerin im Staatsapparat hat. Würde es nach ihm gehen, wäre die Bombe gar nicht mal so unwahrscheinlich. Aber so wie es momentan läuft ist Deutschland der Atombombe um einiges näher als der Iran (wir haben hierzulande sowohl das Know-How, als auch die technischen Möglichkeiten in kurzer Zeit massive Mengen hochangereichertes Uran herzustellen, als auch bereits genug waffenfähiges Uran in Forschungsreaktoren wie etwa dem in Garching bei München)
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