Sanktionen gegen Teheran Chamenei drängt Iraner zum Kauf einheimischer Waren

Irans religiöser Führer will die Sanktionen gegen sein Land abmildern, deshalb sollen Iraner nur noch einheimische Waren kaufen, forderte Chamenei in einer Neujahrsansprache. US-Präsident Obama schickte eine eigene Videobotschaft an das iranische Volk.  

Religionsführer Chamenei: Appell zum Kauf iranischer Güter
AP / Office of the Supreme Leader

Religionsführer Chamenei: Appell zum Kauf iranischer Güter


Dubai/Teheran - Die Sanktionen gegen Teheran scheinen zu wirken: Der oberste politische und religiöse Führer Irans hat seine Landsleute aufgefordert, angesichts der internationalen Strafmaßnahmen nur noch einheimische Produkte zu kaufen. So könnten die Auswirkungen der im Atomstreit verhängten Sanktionen abgemildert werden, sagte Ajatollah Ali Chamenei am Dienstag in einer Fernsehansprache zum iranischen Neujahrsfest Nowrus. "Mit einer solchen Herangehensweise wird die Nation die Verschwörung seiner Feinde überstehen."

Angesichts der "Aggression der USA und Israels" sei das Land auch zu Angriffen bereit, um sich zu verteidigen. Iran werde jede Attacke auf sein Territorium in gleicher Weise erwidern. Chamenei bekräftigte außerdem, Teheran verfüge nicht über eine Atombombe und versuche auch nicht, eine zu bauen.

Am Vortag hatte Präsident Mahmud Ahmadinedschad Europa angesichts der verschärften Sanktionen mit einem Handelsboykott gedroht. "Wir haben 24 Milliarden Dollar Handelsvolumen. Das können wir auch anderswo haben", sagte Ahmadinedschad in einem Interview mit dem ZDF. Die Folge könnten 300.000 zusätzliche Arbeitslose in Europa sein, so der Präsident.

Die Sanktionen haben in Iran zu massiven Preissteigerungen und einer Entwertung der Landeswährung Rial geführt. Mit einem Sparprogramm stoppte die Regierung Ahmadinedschads seit Jahrzehnten gewährte Subventionen auf Lebensmittel und Treibstoff. Die USA und ihre Verbündeten hatten die Sanktionen gegen den Iran in den vergangenen Monaten verschärft. Die Regierung in Teheran soll dadurch gezwungen werden, ihr umstrittenes Programm zur Urananreicherung aufzugeben.

EU will Sanktionen verschärfen

Die Europäische Union will wegen anhaltender Menschenrechtsverletzungen ihre Strafmaßnahmen gegen Iran noch einmal ausweiten. Die EU-Länder werden "18 Personen, die verantwortlich sind für schwere Menschenrechtsverletzungen", mit Einreiseverboten und Vermögenssperren belegen, wie der Rat der Europäischen Union am Dienstag in Brüssel mitteilte. Auf der Liste stehen bereits 61 Namen. Die offizielle Entscheidung soll auf einem zweitägigen Ministertreffen zur Außen- und Verteidigungspolitik fallen, das ab Donnerstag in Brüssel stattfindet.

Außerdem wollen die EU-Länder die Lieferung von Geräten und Computerprogrammen verbieten, mit denen die iranischen Behörden Telefongespräche und Internetkommunikation überwachen können. Die bereits wegen Menschenrechtsverletzungen gegen Iran beschlossenen EU-Strafmaßnahmen werden außerdem um ein Jahr verlängert.

US-Präsident Barack Obama schickte ebenfalls eine Videobotschaft zum Neujahrsfest an das iranische Volk. Er warf der Führung in Teheran vor, mit einem "elektronischen Vorhang" das Land vom freien Zugang zu Informationen abzusperren. US-Unternehmen solle es künftig erleichtert werden, mit Software und Diensten Iranern die freie Nutzung des Internets zu ermöglichen, sagte Obama.

fab/AFP/dapd/Reuters

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Heinz-und-Kunz 20.03.2012
1. gute Idee
Dann kauft mal schön iranische BMW oder iranische Smartphones oder iranische Technik für Raffinerien. Dass dürfte etwas problematisch werden, da der Iran all dass nicht selbst herstellt. :)))
kingston007 20.03.2012
2. Ach echt...
na 300.000 Stellen werden bei uns doch wieder über Kredite bezahlt und Arbeitslose gibt es dann in ein paar Jahren wenn auch der Rest Europas Pleite ist, somit alles wie gehabt.:)
herr_kowalski 20.03.2012
3. Sie machen sich lächerlich.
Zitat von Heinz-und-KunzDann kauft mal schön iranische BMW oder iranische Smartphones oder iranische Technik für Raffinerien. Dass dürfte etwas problematisch werden, da der Iran all dass nicht selbst herstellt. :)))
Es mag angehen, dass zu ihrem Ego der Besitz eines BMW oder Smartphone gehört. Merke: was irgendwo auf dieser Welt produziert wird, wird auch ver/gekauft. Wenn Michel doof eine Fake-Rolex will, wird sie irgendeiner ihm auch verkaufen. Egal ob legal oder illegal, oft auch schei$$egal. Pecunia non olet.
marion.marx 20.03.2012
4. Und wieder einmal gerät hier einiges durcheinander
Zitat von sysopAP / Office of the Supreme LeaderIrans religiöser Führer will die Sanktionen gegen sein Land abmildern, deshalb sollen Iraner nur noch einheimische Waren kaufen, forderte Chamenei in einer Neujahrsansprache. US-Präsident Obama schickte eine eigene Videobotschaft an das iranische Volk. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,822590,00.html
Natürlich wirken sich die Sanktionen in Iran aus. Z.B. kann das Land einige benötigte Medikamente nicht mehr kaufen. Glücklicherweise ist Iran auch hierin weitgehend unabhängig. Richtig so, denn auf internationale Geschäftspartner ist ja kein Verlass wie man sieht. Unrichtig ist aber, dass die Subventionen wegen der Sanktionen gestrichen wurden, sondern es wurde ein seit langem vorbereitets Reformprogramm ab 2010 umgesetzt, dass die Subventionen abbaut und dafür Direktzahlungen an über 90% der iranischen Bevölkerung eingeführt hat. Verluste haben dabei die Wohlhabenden gemacht und der IWF konstatiert mehr soziale Gerechtigkeit. Ein guter Teil der Inflationsrate dieses Jahres (heute ist ja Neujahr in Iran) ist darum auch auf die gestrichenen Subventionen für Treibstoff, Getreide usw. zurückzuführen. Während die Entwertung des Rial auch inneriranischen Spekulanten anzulasten ist - ja, auch dort gibt es kapitalistische Auswüchse. An Devisenmangel liegt es jedenfalls nicht, Iran hat reichlich Dollarreserven. Ansonsten ist es wohl für jedes Land ratsam und natürlich in einer solchen Situation besonders, das seine Bürger möglichst viele eigene Produkte kaufen. Wohin es führt, wenn man das nicht tut, sieht man ja an den USA, die ja praktisch an China verkauft sind. Die iranische Wirtschaft ist trotz aller Probleme auf einem guten Weg, angesichts des Chaos, das wir erleben, kann man direkt neidisch werden. Irananders: Iran steht nicht vor dem Kollaps (http://irananders.de/home/news/article/iran-steht-nicht-vor-dem-kollaps.html) Und schließlich: warum schreiben Sie, dass Iran "zu Angriffen bereit ist", wenn es doch um Verteidigung geht?
herr_kowalski 20.03.2012
5. Das gehört zu den unübersehbaren
Zitat von marion.marxNatürlich wirken sich die Sanktionen in Iran aus. Z.B. kann das Land einige benötigte Medikamente nicht mehr kaufen. Glücklicherweise ist Iran auch hierin weitgehend unabhängig. Richtig so, denn auf internationale Geschäftspartner ist ja kein Verlass wie man sieht. Unrichtig ist aber, dass die Subventionen wegen der Sanktionen gestrichen wurden, sondern es wurde ein seit langem vorbereitets Reformprogramm ab 2010 umgesetzt, dass die Subventionen abbaut und dafür Direktzahlungen an über 90% der iranischen Bevölkerung eingeführt hat. Verluste haben dabei die Wohlhabenden gemacht und der IWF konstatiert mehr soziale Gerechtigkeit. Ein guter Teil der Inflationsrate dieses Jahres (heute ist ja Neujahr in Iran) ist darum auch auf die gestrichenen Subventionen für Treibstoff, Getreide usw. zurückzuführen. Während die Entwertung des Rial auch inneriranischen Spekulanten anzulasten ist - ja, auch dort gibt es kapitalistische Auswüchse. An Devisenmangel liegt es jedenfalls nicht, Iran hat reichlich Dollarreserven. Ansonsten ist es wohl für jedes Land ratsam und natürlich in einer solchen Situation besonders, das seine Bürger möglichst viele eigene Produkte kaufen. Wohin es führt, wenn man das nicht tut, sieht man ja an den USA, die ja praktisch an China verkauft sind. Die iranische Wirtschaft ist trotz aller Probleme auf einem guten Weg, angesichts des Chaos, das wir erleben, kann man direkt neidisch werden. Irananders: Iran steht nicht vor dem Kollaps (http://irananders.de/home/news/article/iran-steht-nicht-vor-dem-kollaps.html) Und schließlich: warum schreiben Sie, dass Iran "zu Angriffen bereit ist", wenn es doch um Verteidigung geht?
verbalen Kriegsvorbereitungen der Mainstream-"Medien". Auch Goebbes´Sportpalast-Frage:" Wollt ihr den totalen Krieg" ? wurde mit Jubelstürmen beantwortet. Unwissen und Dummheit sind heute noch genauso vorhanden wie dunnemals. Eher mehr.
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