Homosexualität Erster irischer Minister outet sich als schwul

Irlands Gesundheitsminister Leo Varadkar hat sich als schwul geoutet. Der Politiker, der als möglicher künftiger Regierungschef gilt, ist damit der erste Minister in der irischen Geschichte, der sich zu seiner Homosexualität bekennt.

Irlands Gesundheitsminister Leo Varadkar: "Ich bin schwul"
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Irlands Gesundheitsminister Leo Varadkar: "Ich bin schwul"


Dublin - In vielen anderen Ländern wäre es wohl nur eine Randnotiz, im katholischen Irland ist es eine Top-Meldung: Ein Regierungsmitglied hat sich als homosexuell geoutet. "Ich bin schwul", sagte Gesundheitsminister Leo Varadkar am Sonntag im Radiosender RTE. "Es ist kein Geheimnis, aber vermutlich weiß es nicht jeder."

Dafür war die Wirkung beträchtlich. Auf praktisch jeder irischen Nachrichten-Webseite war Varadkars Outing unter den wichtigsten Themen. Insbesondere auf Facebook und Twitter wurde der Minister zum Teil überschwänglich gelobt. Politische Beobachter bezeichneten es als wahrscheinlich, dass das Outing einst als Meilenstein des gesellschaftlichen Wandels in Irland bewertet werde.

Varadkar ist das erste Regierungsmitglied in der Geschichte Irlands, das sich offen zu seiner Homosexualität bekennt. In dem stark vom Katholizismus geprägten Land war Homosexualität bis 1993 strafbar. Die Kirche war bis in die 1980er Jahre die politisch bestimmende Kraft, bis sie durch eine Serie von Pädophilie-Skandalen an Einfluss verlor. Seitdem ist die irische Gesellschaft in vielerlei Hinsicht liberaler geworden.

"Ich will ein gleichberechtigter Bürger sein"

Varadkar stellte sein Bekenntnis in einen Zusammenhang mit Regierungsinitiativen zur Stärkung der Rechte Homosexueller, die für dieses Jahr geplant sind. So sollen Ehen zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern legalisiert werden. Schwulen soll es erlaubt sein, Blut zu spenden, und zudem sollen Homosexuelle bei Leihmutterschaften mehr Elternrechte bekommen.

Varadkar nannte insbesondere die für Mai geplante Volksabstimmung über gleichgeschlechtliche Ehen als Grund für seinen Schritt. "Ich will in meinem eigenen Land - dem Land, dessen Regierung ich angehöre - ein gleichberechtigter Bürger sein", so der Minister. "Das bin ich im Moment nicht."

Varadkar, der am Sonntag seinen 36. Geburtstag feierte, gilt in Irlands Politik als harter Arbeiter und sogar als möglicher künftiger Regierungschef. Die Spekulationen über seine Homosexualität hatten in den vergangenen Monaten zugenommen, da er Familienmitgliedern, Freunden und einem immer größeren Kreis von Arbeitskollegen davon erzählt hatte.

Seine Eltern habe er vorab über sein Outing informiert, erklärte Varadkar - um zu verhindern, dass sie in der Kirche von Gemeindemitgliedern davon erfahren. Auch Premierminister Enda Kenny sei bereits am Samstag im Bilde gewesen. Der Regierungschef habe sehr positiv reagiert und ihm einen Besuch in der Pantibar, Dublins bekanntestem Schwulenklub, empfohlen, sagte Varadkar. Kenny selbst war im Dezember überraschend in der Pantibar aufgetaucht und hatte damit seinerseits für Schlagzeilen gesorgt.

mbe/AP/Reuters



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