IS-Anschlag in Bagdad Opferzahl steigt auf mehr als 200 Tote

Die irakischen Behörden haben die Zahl der Toten deutlich korrigiert: Demnach kamen bei dem IS-Anschlag in Bagdad fast doppelt so viele Menschen ums Leben, wie zuletzt angenommen. Es war die blutigste Attacke in diesem Jahr.


Bei dem schweren Terroranschlag auf ein Einkaufsviertel in der irakischen Hauptstadt sind in der Nacht zu Sonntag offenbar viel mehr Menschen getötet worden, als bislang angenommen.

Irakische Behörden melden, bei dem Autobombenanschlag seien bislang 213 Menschen gestorben. Zuvor hatten die Behörden die Zahl der Todesopfer mit 119 angegeben, andere Quellen nannten bis zu 140 Tote. Hunderte Menschen wurden verletzt.

Wenige Tage vor Ende des islamischen Fastenmonats Ramadan waren kurz vor Mitternacht besonders viele Menschen auf den Straßen des mehrheitlich schiitischen Stadtteils Karrada unterwegs. Dort sprengte sich der Attentäter in einem mit Sprengstoff beladenen Kühlwagen in die Luft. Fernsehbilder irakischer Sender zeigten ausgebrannte Autowracks und stark beschädigte Gebäude.

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Anschlag im Irak: Terror in Bagdad

Es war der blutigste Anschlag in Bagdad in diesem Jahr. Zu der Tat bekannte sich die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Die sunnitische Terrormiliz sieht Schiiten als Ungläubige und damit Abtrünnige an, immer wieder verübt sie deshalb Anschläge auf schiitische Zivilisten.

Iraks Regierungschef Haider al-Abadi verkündete nach dem Anschlag eine dreitägige Staatstrauer und ordnete am Änderungen des Sicherheitskonzepts für die Hauptstadt an. So befahl er dem Innenministerium, Fahrzeuge an den Straßen in die irakische Hauptstadt schärfer zu kontrollieren.

Abadi hatte den Anschlagsort nur wenige Stunden nach der Tat besucht, verließ das Viertel aber auch schnell wieder. Videos zeigen, wie aufgebrachte und wütende Anwohner die weißen Jeeps des Regierungschef-Konvois mit Steinen bewerfen. Die Schiiten fühlen sich von ihrer Regierung unzureichend geschützt.

Das US-Außenministerium sprach von einem "Massenmord" an Unschuldigen, der die Menschenverachtung des IS belege. Die USA setzten weiter alles daran, "die Welt im Kampf gegen das Böse vereinen", den Terroristen die Zufluchtsorte in Syrien und im Irak zu nehmen und ihre globalen Netzwerke zu zerstören, wie Ministeriumssprecher John Kirby sagte. "Unsere Partnerschaft mit Irak und dessen Volk, die an den Frontlinien dieses globalen Kampfes dienen, bleibt standfest und unerschütterlich."

Schon vor Beginn des Fastenmonats, der ab Dienstag mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens endet, hatte der IS Attentate angekündigt. Der Anschlag in Bagdad folgte nur wenige Tage auf die Attacke radikaler Islamisten in Bangladesch mit 22 Todesopfern und dem Angriff auf den Flughafen in Istanbul, der ebenfalls IS-Extremisten zugeschrieben wird.

2014 hatte der IS die Kontrolle über weite Teile des Irak übernommen, zuletzt aber Gebiete wieder verloren. Die Regierung hatte im vergangenen Monat erklärt, irakische Truppen hätten das weiter westlich gelegene Falludscha von den IS-Terroristen zurückerobert. Die Extremisten kontrollieren nach wie vor Mossul, die zweitgrößte Stadt des Irak, sowie wichtige Landstriche im Norden und Westen des Landes.

cht/AFP/dpa

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