Gewalt gegen Frauen IS-Chef al-Baghdadi soll US-Geisel vergewaltigt haben

Es gehört zur Strategie des "Islamischen Staats", Gewalt gegen Frauen einzusetzen. Anführer al-Baghdadi beteiligt sich offenbar an Vergewaltigungen, zu den Opfern gehörte wohl auch die US-Entwicklungshelferin Kayla Mueller.

IS-Chef Ibrahim al-Badri alias "Abu Bakr al-Baghdadi": Auftritt in Propagandavideo
AFP/HO/AL-FURQAN MEDIA

IS-Chef Ibrahim al-Badri alias "Abu Bakr al-Baghdadi": Auftritt in Propagandavideo


Die Terroristen der Organisation "Islamischer Staat" (IS) entführen Mädchen und Frauen, machen sie zu Sexsklavinnen. Sie werden verkauft oder Kämpfern als "Geschenk" übergeben. Wie die Gewalt gegen Frauen im engsten Umfeld des Chefs der Terrorgruppe, Abu Bakr al-Baghdadi, organisiert wird, geht jetzt aus Schilderungen hervor, die das Schicksal einer in IS-Gefangenschaft umgekommenen US-Geisel beschreiben.

Der selbst ernannte Kalif al-Baghdadi, der am 1. Juli 1971 im irakischen Samarra als Ibrahim Awad Ibrahim al-Badri geboren wurde, führt die Terrororganisation. Im Mai hatte der IS im Internet mittels einer angeblichen Botschaft von ihm zur Einwanderung ins "Kalifat" aufgerufen.

Systematische Vergewaltigungen gehören zur Strategie der Miliz, der IS sieht Frauen als seinen Kämpfern zustehende Kriegsbeute. In einem Propagandaheft wird die Wiedereinführung von Sklaverei auf besonders absurde Weise gerechtfertigt. Ein Mann, der sich noch keine Ehe mit einer Frau leisten könne, habe sonst schlichtweg keine Scharia-konforme Sexalternative, heißt es in dem Papier.

Das Schicksal von Kayla Jean Mueller

Auch al-Baghdadi selbst soll gegen Frauen, die sich in seiner Gefangenschaft befinden, brutalste Gewalt anwenden, wie zum Beispiel gegen die US-Geisel Kayla Jean Mueller, die in Gefangenschaft starb. Die Entwicklungshelferin, die in dieser Woche 27 Jahre alt geworden wäre, soll einem Bericht des US-Senders ABC zufolge zu den Vergewaltigungsopfern von al-Baghdadi gehört haben.

Muellers Familie hatte dem Sender bestätigt, US-Regierungsvertreter hätten ihnen dies mitgeteilt. "Uns wurde im Juni von der Regierung gesagt, dass Kayla gefoltert wurde und sich im Besitz von al-Baghdadi befand", sagten Muellers Eltern ABC News.

Mueller war im August 2013 in Syrien gekidnappt worden, als sie ein spanisches Krankenhaus der Ärzte ohne Grenzen in Aleppo verließ. Der IS hatte fünf Millionen Dollar Lösegeld für die Freilassung der Amerikanerin verlangt.

Vergewaltigung als "Belohnung" für Siege der IS-Miliz

Wie al-Baghdadi mit Frauen umgeht, wird auch durch die Schilderungen eines jesidischen Mädchens deutlich, dem im Oktober 2014 die Flucht aus der Gefangenschaft des IS gelang. Die 14-Jährige traf Mueller gemeinsam mit vier anderen jungen Jesidenmädchen im August des vergangenen Jahres, schreibt die britische Tageszeitung "The Independent". Sie sei zur gleichen Zeit wie Mueller zwei Monate lang in der syrischen Stadt al-Shadadiya gefangen gehalten worden.

Die Jesidin gibt an, dass Mueller oft von dem IS-Anführer "besucht" worden sei. Ihren Angaben zufolge betrachteten die Dschihadisten Vergewaltigung als "Belohnung" für Siege der Terrorgruppe. Die jesidischen Mädchen erzählen, dass der Frauenhandel zu dieser Zeit von Umm Sayyaf organisiert wurde, der irakischen Frau von Abu Sayyaf, der nach US-Angaben bei einem Feuergefecht im Mai 2015 getötet wurde.

Umm Sayyaf selbst wurde bei dem Einsatz eines US-Spezialkommandos gefangen genommen, sie soll seither in Verhören nützliches Wissen preisgegeben haben. Laut ABC wurde Umm Sayyaf nach US-Angaben in der vergangenen Woche den kurdischen Behörden in Irbil übergeben - US-Staatsanwälte hatten gehofft, sie in New York vor Gericht stellen zu können.

Den Soldaten des Spezialkommandos was es zudem gelungen, Laptops, Mobiltelefone und anderes Material zu erbeuten. Der Fund habe wertvolle Hinweise dazu geliefert, wie al-Baghdadi den IS führt: Der Datenschatz soll unter anderem auch belegen, dass die Ehefrauen der IS-Führer eine weitaus wichtigere Rolle spielen als bislang bekannt. Sie sollen untereinander Informationen weitergeben, die dadurch von Kommandeur zu Kommandeur gelangen, ohne dass diese direkt miteinander in Kontakt stehen.



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