Propagandavideo IS droht mit Ermordung eines Kroaten in Ägypten

Der "Islamische Staat" hat offenbar erstmals in Ägypten eine Geisel genommen. In einem Propagandavideo droht die Terrororganisation damit, den 31-jährigen Kroaten zu töten.


Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat in Ägypten einen Kroaten entführt und mit dessen Ermordung gedroht. In einem im Internet veröffentlichten Video eines ägyptischen IS-Ablegers kniet der Kroate Tomislav S. vor einem vermummten Mann mit einem Messer. Der 31-jährige Kroate liest von einem Papier ab, dass er binnen 48 Stunden hingerichtet werde, sollte die ägyptische Regierung nicht inhaftierte muslimische Frauen freilassen. Aus dem Video wird nicht klar, wann dieses Ultimatum ausläuft.

Der mit einem orangefarbenen Overall bekleidete Kroate sagt in dem Video, er arbeite für das französische Erdölunternehmen CGG und sei am 22. Juli von Kämpfern des ägyptischen IS-Arms verschleppt worden. Die ägyptische CGG-Tochter Ardiseis bestätigte, dass es sich bei der Geisel in dem Video um einen ihrer Mitarbeiter handele, der an Bodenanalysen beteiligt gewesen sei. Er sei in Kairo entführt worden. Nach Angaben aus Ermittlungskreisen war er auf dem Weg zur Arbeit in einem Vorort der ägyptischen Hauptstadt verschleppt worden.

Das kroatische Außenministerium erklärte in Zagreb, die Regierung tue "ihr Bestes, um die schwierige Situation so schnell wie möglich zu lösen". Außenministerin Vesna Pusic wollte demnach nach Absprache mit ihrem ägyptischen Kollegen am Donnerstag in das Land reisen. Die Entführung des Kroaten ist die erste Geiselnahme eines Ausländers seit dem Sturz des früheren ägyptischen Staatschefs Mohamed Morsi.

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Islamischer Staat: Jahr des Terrors
Der IS veröffentlicht regelmäßig Propagandavideos im Internet. Zuletzt hatte die Miliz erstmals deutschsprachige Aufnahmen verbreitet, in denen ein Österreicher unentschlossene Dschihad-Fans zur Reise nach Syrien auffordert. Bei dem Mann handelt sich offenbar um den 30-jährigen Mohamed Mahmoud, der für seine islamistische Propaganda bereits verurteilt und zuletzt 2013 auf dem Weg nach Syrien verhaftet worden war. Er gilt als Weggefährte des Deutschen Denis Cuspert, der inzwischen ebenfalls den IS unterstützt.

Insgesamt sind mehr als 720 Menschen aus Deutschland nach Syrien gereist, allerdings nicht alle, um sich dem IS anzuschließen. Rund ein Drittel soll bereits wieder in die Bundesrepublik zurückgekehrt sein: Bei vielen ist die Enttäuschung über den angeblichen "Dschihad-Urlaub" groß. "Wir waren alle nur Kanonenfutter", sagte in dieser Woche ein IS-Kämpfer vor Gericht in Celle.

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mxw/AFP

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