Festnahme von Baghdadis Gattin Die Frauen der Dschihadisten

Eine Ehefrau und ein Kind von IS-Chef Baghdadi sollen im Libanon festgenommen worden sein. Für Geheimdienste sind die Frauen von Dschihad-Kommandanten ein lohnenswertes Ziel. Manche von ihnen sind selbst Top-Terroristinnen.

IS-Chef Ibrahim al-Badri alias "Abu Bakr al-Baghdadi": Seine Frau wurde im Libanon verhaftet
AFP/HO/AL-FURQAN MEDIA

IS-Chef Ibrahim al-Badri alias "Abu Bakr al-Baghdadi": Seine Frau wurde im Libanon verhaftet

Von und


Den libanesischen Sicherheitsbehörden ist möglicherweise ein Coup gelungen. In Abstimmung mit ausländischen Geheimdiensten haben sie eine Frau und ein Kind festgenommen mit gefälschten Papieren. Bei den beiden soll es sich um höchste Terror-Prominenz handeln - Frau und Kind von Ibrahim al-Badri, alias Abu Bakr al-Baghdadi, dem Anführer des "Islamischen Staates".

Wer ist die Unbekannte, die derzeit verhört wird? Bei der nun Festgenommenen soll es sich um eine syrische Staatsbürgerin handeln, die von Syrien aus in den Nordlibanon einreisen wollte, behauptet ein libanesischer Militär. Ihr Name wurde bisher nicht veröffentlicht.

Baghdadi hat mehrere Ehefrauen, eine davon heißt Saja al-Dulaimi. Sie soll bis zum März mit drei Kindern in Damaskus in Haft gewesen und dann in den Libanon abgeschoben worden sein - im Rahmen eines Gefangenenaustausches zwischen dem syrischen Regime und islamistischen Rebellen.

Über die Familie des IS-Anführers ist wenig bekannt. Baghdadi hält Details bewusst geheim. Denn die Ehefrauen der Top-Terroristen sind oft auch ihre Eingeweihten. Schließlich teilen sie ihr Leben auf der Flucht von Versteck zu Versteck. Daran scheiterte allerdings auch schon so manche Dschihad-Ehe.

In vielen Fällen, in denen das Bündnis bestehen blieb, waren die Gattinnen selbst berüchtigt.

  • Aiman al-Sawahiri: Der jetzige Chef von al-Qaida soll mindestens viermal geheiratet haben. Seine erste Ehefrau, Azza, soll anfangs nicht gewusst haben, dass ihr Mann, damals Arzt, sich heimlich für die Radikalen engagierte. Widerwillig soll sie ihm mit den Kindern von Ägypten nach Afghanistan gefolgt sein. Dort kam sie bei einem Luftangriff ums Leben. Sawahiris spätere Frau Umaima Hassan ist selbst fanatische Islamistin. 2012 schrieb sie in einem offenen Brief, jede Frau solle ihre Kinder im Geiste des Dschihads und Märtyrertums erziehen und ihnen "Liebe für die Religion und den Tod" beibringen.

  • Said Ali al-Shihri: Der Saudi-Araber und Dschihad-Veteran lernte nach seiner Freilassung aus Guantanamo in Saudi-Arabien die geschiedene Wafa kennen. Sie teilte seinen radikalen Islamismus. Ihr erster Mann hatte sie wegen ihrer Ansichten verlassen. Ihr zweiter Mann, ein Qaida-Mitglied, war von saudischen Sicherheitskräften getötet worden. In dritter Ehe heiratete sie Said al-Shihri. Als er in den Jemen zog, um den dortigen Qaida-Ableger aufzubauen, reiste Wafa hinterher. Als erste Frau schaffte Wafa es auf die Interpol-Liste der gesuchten Qaida-Mitglieder. 2010 soll sie Saudi-Arabiens Frauen dazu aufgerufen haben, sich dem Dschihad im Jemen anzuschließen. Sie soll noch immer am Leben sein. Said al-Shihri wurde dagegen 2013 im Jemen getötet.

  • Osama bin Laden: Der ehemalige Qaida-Chef heiratete insgesamt sechs Freuen, mit denen er teilweise parallel zusammenlebte. Seine erste Frau und Cousine, die Syrerin Najwa Ghanem, ließ ihn kurz vor den Anschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan sitzen. Sie hatte genug vom Dschihad-Leben. Die gemeinsame Zukunft hatte sie sich anders vorgestellt, als die damals 15-Jährige den 17-jährigen Milliardärssohn heiratete. Auch die Ehefrau Nummer zwei trennte sich von Bin Laden, als dieser sich immer weiter radikalisierte. 1994 vollzog Bin Laden eine Blitzehe im Sudan - nach nur 48 Stunden wurde die Verbindung wieder aufgehoben. Mit seinen anderen drei Frauen lief es besser. Sie blieben an Bin Ladens Seite bis zu seiner Ermordung 2011 im pakistanischen Abbottabad. Die letzte, Amal, lernte Bin Laden 1990 über einen Verkuppler kennen. Ihm trug er auf, eine gläubige, pflichtbewusste Teenagerin zu finden, die in der Lage sei, seine "besonderen Lebensumstände" zu ertragen: ein Leben im Versteck zu führen als Frau eines weltweit gesuchten Top-Terroristen.

Die libanesischen Sicherheitskräfte haben bisher nichts verlauten lassen, was sie nun mit Baghdadis mutmaßlicher Familie vorhaben. Eine Befragung kann sich hinziehen: Die Frauen und Kinder von Osama Bin Laden blieben fast ein Jahr lang in Pakistan unter Hausarrest, bevor sie nach Saudi-Arabien abgeschoben wurden. Dort sollen sie bei entfernten Verwandten des Qaida-Chefs untergekommen sein.

Denkbar ist auch, dass Baghdadis Familie im Libanon in Sippenhaft bleibt, um den IS-Anführer erpressen zu können - etwa um von Radikalislamisten festgehaltene libanesische Sicherheitskräfte freizubekommen.

Sippenhaft für die Frauen von Terroristen ist nicht ganz unüblich. Israels Militär etwa nahm 2012 Nawal al-Saadi fest, die Ehefrau eines ranghohen Mitglieds der Terrororganisation "Islamischer Dschihad". Sie befand sich insgesamt zwei Jahre ohne Anklage in sogenannter "Administrativhaft". Erst in diesem Jahr kam sie wieder frei, ohne dass je vor Gericht gegen sie verhandelt worden war.

insgesamt 30 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Atheist_Crusader 02.12.2014
1.
Irgendwie kriege ich Frauen und islamischen Terorismus nicht ganz unter einen Hut. Was wir denen dann eigentlich im Himmel versprochen? 72 Männer ganz sicher nicht. 72 Paar Schuhe sieht eh keiner unter der Vollverschleierung. Und 72 Kinder wären wohl eher eine Strafe. Außerdem begreife ich nicht ganz, was die sich erhoffen. Dass manche Frauen im islamischen Patriarchat ganz zufrieden sind, weil sie das vor der großen, bösen, verwirrenden Welt mit viel zu vielen Ideen und Möglichkeiten bewahrt (und weil man ihnen das auch von Kindesbeinen an eingeredet hat), das verstehe ich ja noch. Aber wer kommt denn aus der Küche hervor, nur um dafür zu kämpfen, dass künftig noch mehr Frauen genauso in der Küche stehen müssen? Die Logik verstehe ich nicht. In dem von IS propagierten Islam haben Frauen doch überhaupt nichts zu gewinnen. Oder übersehe ich da irgendwas? Wenn ja, dann korrigiere man mich bitte.
der_meier 02.12.2014
2. kleiner Irrtum ..
Herr Bin laden ist nicht ermordet worden. Er wurde als Kombattant in einer kriegerischen Auseinandersetzung getötet. Hat er Pech gehabt. Er hätte die weiße Flagge schwenken und seine Mannen zur Niederlegung der Waffen auffordern sollen.
ramsess 02.12.2014
3.
mit welcher Begründung wurden sie verhaftet? gibt es heute wieder Sippenhaft
habnemeinung 02.12.2014
4. gleichbehandlung!
vielleicht sollte man seine frau und sein kind genauso behandeln wie er und seine "orks" die familien von jesiden, kurden und christen zu tausenden behandelt haben. man sollte ihm vielleicht den gleichen schmerz zufügen. anscheinend verstehen diese geisteskranken idioten nur diese sprache.
sunrise560 02.12.2014
5. Ermordet?
Vereehrte SPON_Redaktion, Raniah Salloum und Christoph Sydow - Sie sollten schon Wert auf Ihre Formulierungen legen: Bin Laden ist nicht "ermordet" worden, sondern fiel in einer Kampfhandlung. Oder wollen Sie hier Symathien bei den Qaida-Anhängern und VTlern erheischen?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.