"Islamischer Staat" Japan prüft angebliches Enthauptungsvideo

Die Terrorgruppe "Islamischer Staat" hat womöglich eine von zwei japanischen Geiseln hingerichtet, dafür spricht ein im Internet veröffentlichtes Video. Die japanische Regierung prüft aktuell die Authentizität der Aufnahmen, doch es gibt Zweifel.


Sie haben ihre Drohung möglicherweise umgesetzt. Ein im Internet veröffentlichtes Video soll die Ermordung einer von zwei japanischen Geiseln durch den "Islamischen Staat" (IS) belegen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters prüft die japanische Regierung aktuell die Echtheit, der US-Nachrichtendienst soll sie dabei unterstützen.

Der japanische Regierungschef Shinzo Abe verurteilte die Aufnahmen als "abscheulich" und forderte die sofortige Freilassung der Geiseln. Gleichzeitig bekräftigte er, Japan werde sich dem Druck von Terroristen nicht beugen. Noch gibt es allerdings Zweifel an der Echtheit des Videos, die Betreiber einer mit dem "Islamischen Staat" verbundenen Webseite widersprachen laut AP der Authentizität. Für die Echtheit des Materials könnte sprechen, dass US-Präsident Barack Obama den Mord an der Geisel am Abend bereits aufs Schärfste verurteilte.

Auf den am Samstag veröffentlichten Aufnahmen ist ein Standbild einer der beiden Geiseln zu sehen. Der Mann hält demnach ein Foto seines mutmaßlich getöteten Kollegen Haruna Yukawa hoch. Eine Stimme ist zu hören - angeblich die der Geisel - die die japanische Regierung bittet, den Forderungen der Extremisten nachzukommen, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Milizionär mit britischem Akzent

Der IS wolle kein Geld mehr, sondern fordere die Freilassung einer in Jordanien inhaftierten radikalen Islamistin, heißt es. Bei der namentlich genannten Frau - Sadschida al-Rischawi - handelt es sich um eine Extremistin, die im Jahr 2005 mit einem Selbstmordattentat gescheitert war. Weitere grausame Einzelheiten der Hinrichtung wie in früheren Videos waren in dem neuem Video nicht zu sehen.

Die Terrormiliz IS hatte bereits am Dienstag ein Video veröffentlicht, in dem sie 200 Millionen Dollar Lösegeld für die beiden Gefangenen fordert. Die Summe sollte innerhalb von 72 Stunden beglichen werden. Die japanische Regierung lehnte die Zahlung des Geldes umgehend ab, sie geht davon aus, dass das Ultimatum am Freitag abgelaufen ist.

Das erste Video zeigte die beiden japanischen Geiseln in orangefarbenen Overalls. Der IS habe die Geiseln als Strafe für Japans Unterstützung im Kampf gegen die Dschihadisten genommen, erklärte der Milizionär. Sein britischer Akzent sowie seine Stimme deuten darauf hin, dass er schon in früheren Enthauptungsvideos des IS zu sehen war. Demnach könnte er sowohl die Amerikaner James Foley und Steven Sotloff als auch die Briten David Haines und Alan Henning enthauptet haben.

Bei dem getöteten Mann soll es sich um den Japaner Haruna Yukawa handeln, er soll schon im August entführt worden sein und ist offenbar psychisch krank. Nach Aussagen von Bekannten soll er im April 2014 nach Aleppo gereist sein - angeblich als Teil eines Selbstfindungstrips. Bei der anderen Geisel, die nach Angaben der japanischen Regierung noch am Leben ist, handelt es sich um Kenji Goto Jogo, einen Journalisten.

irb/AFP/dpa/Reuters



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