Waffen nach Syrien Iraker überlassen IS wichtigen Grenzposten

Der IS kann zwischen dem Irak und Syrien jetzt problemlos Waffen und Kämpfer hin- und herschieben, ein wichtiger Grenzposten fiel komplett an die Terrormiliz. In Palmyra wurden laut syrischem Staatsfernsehen Hunderte Zivilisten getötet.

IS-Kämpfer auf der Straße zwischen Homs und Palmyra
AP

IS-Kämpfer auf der Straße zwischen Homs und Palmyra


In Friedenszeiten war Al Walid Tanef der Grenzübergang für Reisende auf der direkten Strecke zwischen Bagdad und Damaskus. Heute liegt der Grenzübergang zwischen dem Irak und Syrien vollständig in der Hand der IS-Terroristen.

Die vollständige Kontrolle über die Grenze an dieser Stelle ist von enormer strategischer Bedeutung. Die Terrormiliz kann nun über diese Strecke beliebig Soldaten und Waffen zwischen der westirakischen Provinz Anbar und der syrischen Provinz Homs verschieben.

Am Sonntag erklärte das irakische Militär, dass sich die irakischen Sicherheitskräfte komplett von dem Grenzposten zurückgezogen hätten. "Sie haben die irakische Flagge runtergenommen und ihre eigene gehisst", sagte ein Sprecher des irakischen Militärs unter Bezug auf die schwarze Fahne des IS mit dem weißen Schriftzug, der das islamische Glaubensbekenntnis ausdrückt.

Den Übergang Tanef auf der syrischen Seite der Grenze hatte der "Islamische Staat "(IS) bereits vor drei Tagen erobert, nachdem er am Mittwoch die antike Wüstenstadt Palmyra, andere Gebiete der Provinz Homs und die irakische Stadt Ramadi unter seine Kontrolle gebracht hatte.

Seit der Eroberung von Palmyra herrscht der IS über mehr als 50 Prozent des syrischen Staatsgebiets. Auch wenn es sich dabei zum großen Teil um Wüste handelt, geht von dieser Zahl eine erhebliche Symbolwirkung aus (mehr zur Strategie des IS lesen Sie hier im neuen SPIEGEL).

Wie die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf syrische Funktionäre meldet, bereitet sich die syrische Armee in der Nähe von Palmyra auf einen Gegenangriff vor, um die Stadt zurückzuerobern.

Berichte über Hunderte Tote in Palmyra

Über das Schicksal der rund 50.000 Bewohner von Palmyra gibt es inzwischen einige Meldungen, die jedoch derzeit nicht unabhängig zu verifizieren sind. Journalisten können in dem Bürgerkriegsland kaum arbeiten, die meisten Berichte basieren daher auf Eindrücken von Augenzeugen oder sind zum Teil sogar einseitig strategisch platzierte Meldungen.

Nach Darstellung des staatlichen Fernsehens hat der IS in Palmyra mindestens 400 Menschen getötet. Die meisten der Opfer seien Frauen und Kinder, hieß es am Sonntag unter Berufung auf Einwohner. Hunderte Leichen lägen in den Straßen. Bei ihnen handele es sich mutmaßlich um Anhänger der Regierung des syrischen Diktators Baschar al-Assad. Andere Zivilisten, darunter auch Frauen, seien an unbekannte Orte verschleppt worden.

Auch die Nachrichtenagentur AP meldet unter Berufung auf Aktivisten, dass die IS-Kämpfer Jagd auf Soldaten und Getreue von Assad machen. Am Samstag war von bis zu 280 Toten die Rede. Laut der AP-Meldung verlässt sich die Miliz bei ihrer Fahndung auf Informanten in der Bevölkerung, die gezielt Menschen mit Assad-Verbindungen denunzieren. Es soll zu Erschießungen und Enthauptungen gekommen sein, hieß es weiter.

Gebietsverteilung in Syrien (Stand 21. Mai 2015)
SPIEGEL ONLINE

Gebietsverteilung in Syrien (Stand 21. Mai 2015)

Der IS verfolgte schon bei Eroberungen in der Vergangenheit eine solche Strategie. Die grausamen Tötungen werden als Warnung an die Bevölkerung eingesetzt und teilweise auch über die PR-Kanäle der Terroristengruppe weiterverbreitet.

Die Menschen in Palmyra haben in den vergangenen vier Jahren unter den Folgen den Bürgerkriegs und der harten Hand von Machthaber Assad gelitten. Nach dem Einmarsch spielen sich die Mitglieder der Terrormiliz nun als Befreier auf. So haben sie laut einem Aktivisten vor Ort bereits versprochen, die Strom- und Wasserversorgung in Palmyra wiederherzustellen - sobald die Stadt von den Assad-Anhängern "gesäubert" sei.

Palmyra: Die syrische Stadt ist jetzt in der Gewalt des IS
AP/ SANA

Palmyra: Die syrische Stadt ist jetzt in der Gewalt des IS

Von der Situation der Menschen einmal abgesehen, herrscht auch Sorge um die antiken Stätten in Palmyra. Diese sind rund 2000 Jahre alt, sehr gut erhalten und zählen deshalb zum Welterbe der UNESCO. (Alle Infos zur Bedeutung von Palmyra finden Sie hier.) In der Vergangenheit hatten Kämpfer des IS wiederholt Kulturschätze zerstört, etwa die jahrtausendealten Ruinen in der irakischen Stadt Hatra.
IS-Fahne über den Ruinen von Palmyra: Hier herrschen die Terroristen
DPA

IS-Fahne über den Ruinen von Palmyra: Hier herrschen die Terroristen

lgr/dpa/Reuters/AP

insgesamt 50 Beiträge
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jonas4711 24.05.2015
1. nach allem was wir
wissen, läuft die irakische Armee immer davon, wenn sie mit schweren Waffen zum Kampf gegen die tapferen und gottesfürchtigen IS-Krieger ausgerüstet wurde. So kann die Waffenlobby bequem "im Kampf gegen den IS " ordentlich und ganz legal Kohle machen.
alias1942 24.05.2015
2. sie haben nicht meine Sympathie
aber wer will ihnen auf Dauer verwehren ein Staat zu sein, wenn sie die verschiedenen Stämme einigen? Offensichtlich ist ihre Kriegsführung den Verhältnissen im arabischen Raum besser angepasst. Auch andere Staaten sind durch Terror entstanden. Letztes Beispiel war Kosovo und Israel hat auch eine terroristische Vergangenheit.
edmond_d._berggraf-christ 24.05.2015
3. Die Erfolge der Eiferer von Isis sind bislang recht bescheiden
Bislang ist einzig der Sieg über die einheimischen Hilfstruppen der VSA im Zweistromland ein unzweifelhafter Erfolg für die mohammedanischen Glaubenseiferer von Isis. Da der persische Statthalter in Bagdad niemals nicht den Verlust bedeutender Ölfelder und die Stärkung der Kurden hingenommen haben würde, wenn es in seiner Macht gestanden hätte dies zu verhindern. Zwar meldet Isis auch Erfolge gegen die syrischen Regierungstruppen, aber die syrische Regierung dürfte hier der Devise Friedrichs des Großen folgen („wer alles verteidigen will, verteidigt nichts“) und ihre entlegenen Stützpunkte aufgegeben haben, um sich auf die Verteidigung ihres Kernlandes zu konzentrieren. Auch ist es für Syrien vorteilhaft, Isis gefährlicher erscheinen zu lassen, als diese ist, um die VSA zur Aufgabe ihrer Umsturzpläne zu bewegen. Persien hat indes Hilfstruppen geschickt und seine mesopotamischen Parteigänger zu den Waffen gerufen und so die Offensive von Isis auf Bagdad vorerst zum Stehen gebracht.
melea 24.05.2015
4. Verlorene Eier
Der IS ist ein ungeordneter Haufen zorniger junger Männer unter der Aufsicht kriegserfahrener Ex-Militärs der Saddam - Armee. Das Irakische und Syrische Militär ist ein feiger Haufen schlecht ausgebildeter Dummköpfe ohne konkrete Führung und Motivation. Die Armeechefs führen aus der Etappe, von ihren Sofas und Sesseln aus, der IS hat seine Kommandanten vor Ort an der Front. Wer gewinnt hier wohl?
omar.khayam93 24.05.2015
5.
vielleicht soll man Irak teilen, die Sunnitische Arber kämpfen nie gegen ISIS, Sie laufen entweder weg oder schliessen sich sie an. Die ganze Bodenschätze liegen inder Shia oder Kurden Gebiete. Also was soll es ? Überlasst die Trostlose Wüste Irak, Syrien dem ISIS
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