Waffen für den Irak 1000 US-Raketen gegen die Autobomben des IS

In Ramadi bombte sich der "Islamische Staat" mit sprengstoffbeladenen Autos bis ins Zentrum vor. Damit das nicht noch mal passiert, bekommt der Irak mehr Waffen aus den USA: 1000 Raketen sollen geliefert werden.

Brennendes Autowrack in Ramadi: Viele Angriffe mit Sprengsätzen auf Rädern
REUTERS

Brennendes Autowrack in Ramadi: Viele Angriffe mit Sprengsätzen auf Rädern


Immer neue Gebietsgewinne des "Islamischen Staats" (IS) im Irak sorgen auch in Washington für Unruhe. Die irakische Stadt Ramadi wurde bereits vor Tagen überrannt, Gegenwehr der lokalen Truppen gab es kaum. Eine große Waffenlieferung soll nun die Schlagkraft der Anti-IS-Einheiten erhöhen. Konkret geht es um 1000 US-Panzerabwehrrakten, die Anfang Juni in Bagdad eintreffen sollen.

Die Raketen sind laut einem Bericht der "New York Times" für einen bestimmten Zweck vorgesehen. Sie sollen vor allem gegen die Autobomben der Islamisten eingesetzt werden. Nach Angaben des US-Außenministeriums setzte der IS bei der Eroberung von Ramadi mindestens 30 dieser Sprengsätze ein.

Dabei fahren mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge bis an ihre Ziele heran, dann zündet der Selbstmordattentäter am Steuer die Bombe. In Ramadi wurde sogar eine Planierraupe für diesen Zweck eingesetzt. Mit den Raketen könnten solche Fahrzeuge zerstört werden, bevor sie ihr Ziel erreichen.

Fotostrecke

6  Bilder
Irak: Schlacht um Anbar
Der irakische Premier Haider al-Abadi hatte US-Präsident Barack Obama bei einem Besuch in Washington im vergangenen Monat um die militärische Unterstützung mit den Anti-Panzer-Geschossen gebeten. Nun soll die Lieferung offenbar erfolgen.

Währenddessen laufen die Vorbereitungen für eine weitere Schlacht um Ramadi. In der Kleinstadt Habbaniya, etwa 20 Kilometer östlich, bereiten sich schiitische Milizen auf eine Offensive gegen den IS vor. Etwa 3000 Kämpfer wurden dort zusammengezogen. Sie sollen gemeinsam mit der irakischen Armee die Stadt in den nächsten Wochen zurückerobern. Die von Iran aufgerüsteten Milizionäre sprechen von einer bevorstehenden "Schlacht um Anbar" - so heißt die Provinz, in der Ramadi liegt und die mittlerweile zu großen Teilen vom IS kontrolliert wird.

IS vermint Gelände um Ramadi

Doch auch die Gegenseite bereitet sich vor. Die Dschihadisten errichten Verteidigungsanlagen am Stadtrand und legen Minenfelder an. Das berichten Augenzeugen. An Waffen sollte es den IS-Einheiten nicht mangeln. Ihnen fielen nach der Eroberung unter anderem Panzer, gepanzerte Truppentransporter und Artilleriegeschütze in die Hände, mit denen die Miliz den Ort nun verteidigen kann. Zudem befreiten die Eroberer Hunderte Gefangene aus dem Gefängnis von Ramadi.

In Syrien feiert der IS ebenfalls Erfolge. So konnten die Terroristen den antiken Ort Palmyra einnehmen. Dort lebten zuletzt noch rund 50.000 Menschen. Die Unesco sorgt sich um das kulturelle Erbe der Stadt: Palmyras gut erhaltene Ruinen aus den ersten Jahrhunderten nach Christus gehören zum Weltkulturerbe.

Bauten in Palmyra: Sorge um antike Gebäude
AP/dpa

Bauten in Palmyra: Sorge um antike Gebäude

Die einstige Handelsmetropole gilt als einer der bedeutendsten Komplexe antiker Bauten im nahen Osten. Von vor Ort heißt es allerdings, noch seien keine Zerstörungen beobachtet worden.

jok



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 34 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
cvdheyden 21.05.2015
1. Ausbildung der Irakischen
Die Ausbildung muss denkbar schlecht sein. Können die nicht wenigstens die Munitionsdepots sprengen bevor die abhauen? Des weiteren frage ich mich warum nicht aus 400 Km. Höhe aus dem Erdorbit geschossen wird, da passiert dann den eigenen Truppen nichts. Militärisch absolut unglaubwürdig der "Kampf" gegen den IS. Das ganze wirkt halbherzig. Kein Wunder dass der IS leichtes Spiel hat.
stanislaw 21.05.2015
2. Waffenlieferungen
Ich stehe immer noch dazu: Waffenlieferungen loesen kein Problem. Sobald die Waffen aus der Hand sind, ist auch die Kontrolle ueber selbige nicht mehr moeglich. Wenn mir also in einem x-beliebigen Land etwas nicht passt, ist Waffenlieferungen an die Feinde von x der allerschlechteste Weg. MfG Stefan Froehlich 42 ;-)
boris2675 21.05.2015
3. wofür
bekommen die Iraker jetzt noch grössere Waffen und Raketen? Sie setzen sie eh nicht ein, sonder fliehen wie die Hasen sobald sich der IS nähert....diese Raketen werden von diesen barbarischen, fanatischen Steinzeitler dann erbeutet und kurz drauf gegen wehrlose andersdenkende Zivilisten an anderer Stelle eingesetzt
olli118 21.05.2015
4. Als nächstes fällt Bagdad
Dass die Reste der irakischen Armee eine Trümmertruppe sind, ist ja nicht erst seit gestern bekannt. Viele gut ausgebildete Militärs aus Husseins Zeiten unterstützen ja den IS. Solange die internationale Staatengemeinschaft sich weigert, direkt militärisch einzugreifen, wird der IS sich im Irak weiter ausbreiten. Da nutzen auch weitere Waffenlieferungen nichts. Im Gegenteil: die nun gelieferten Waffen werden dem IS in die Hände fallen, wenn die nächste Stadt fällt. Der Sturm auf Bagdad ist nur eine Frage der Zeit.
Palmstroem 21.05.2015
5. lame duck
Obamas Nahost-Politik ist längst gescheitert, da helfen auch 1000 Raketen nichts. Ob mit der Türkei, mit Saudi-Arabien und den Golfstaaten, mit Syrien oder mit Israel - Obama hat kein Vertrauen mehr. Und seine Annäherung an die Ajatollahs bringt nur dem Iran Vorteile. Am Ende werden auch die meisten dieser Raketen beim IS oder den schiitischen Milizen landen, wie soviele andere US-Waffen auch. Denn die irakische Armee existiert großteils nur auf dem Papier - ausgehöhlt durch Koruption der Armeeführung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.