Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Krieg in Syrien: Assads Gift wirkt

Ein Kommentar von

Mutmaßlicher Giftanschlag auf Damaskus (Archivbild August 2013) Zur Großansicht
AFP/ Shaam News Network/ Ammar Al-Arbini

Mutmaßlicher Giftanschlag auf Damaskus (Archivbild August 2013)

Der Giftgasangriff von Damaskus jährt sich an diesem Donnerstag zum ersten Mal. Ein trauriger Anlass um festzustellen: Der Massenmord an 1400 Zivilisten hat sich für Syriens Diktator Baschar al-Assad gelohnt.

Was hat der Westen damals doch für Drohungen gegen Baschar al-Assad ausgesprochen! "Die USA sollten militärische Maßnahmen ergreifen. Ich bin bereit, den Befehl zu geben", sagte US-Präsident Barack Obama. "Frankreich wird hart und angemessen gegen Syrien vorgehen", kündigte sein Amtskollege François Hollande an. Es schien der Wendepunkt im syrischen Bürgerkrieg zu sein, ein Militärschlag gegen das Regime nur noch eine Frage der Zeit.

Passiert ist am Ende fast nichts, damals nach dem Giftgasangriff auf Vororte von Damaskus. Das Massaker, der verheerendste Einsatz von Chemiewaffen in diesem Jahrhundert, jährt sich an diesem Donnerstag zum ersten Mal. Etwa 1400 Menschen kamen dabei ums Leben. Eine Uno-Untersuchung vermied eine eindeutige Schuldzuweisung, fast alle Indizien deuten jedoch darauf hin, dass die Truppen des Assad-Regimes Sarin gegen ihre Landsleute eingesetzt haben.

Ein Jahr nach dem Giftgasangriff ist es Zeit, einzugestehen: Der Massenmord hat sich für Assad gelohnt. Der Westen hat einen fatalen Rückzieher gemacht. Obama, der einst erklärt hatte, mit dem Einsatz von Chemiewaffen würde der Diktator eine "rote Linie" überschreiten - er ließ Assad ungestraft davonkommen.

Das Schreckensszenario des Westens ist trotzdem eingetreten

Die USA und ihre Verbündeten hatten Angst, sie würden mit einer Militärintervention die Dschihadisten in Syrien stärken. Sie ließen sich deshalb auf einen Kuhhandel ein: Assad gab sein Chemiewaffenarsenal auf und darf seither weiter Krieg gegen sein Volk führen - mit Fassbomben, mit Chlorgas und mit dem Aushungern ganzer Ortschaften.

Das Szenario, das die USA und Europa mit ihrer Zurückhaltung um jeden Preis verhindern wollten, ist trotzdem eingetreten: Die Dschihadisten der Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) sind mächtiger denn je, haben große Teile Syriens und des Irak unter ihre Kontrolle gebracht und ein barbarisches Regime errichtet. Erst als die fanatischen Islamisten anfingen, einen Völkermord an der Minderheit der Jesiden zu begehen, entschied sich Obama zum militärischen Eingreifen in dem Konflikt.

Willam Young, Politikberater des renommierten US-Think-Tank Rand, forderte kurz vor dem Jahrestag, der Westen solle mit Assad Frieden schließen, um IS zu bekämpfen. Mit dieser Haltung würden die USA ihren Fehler aus dem vergangenen Jahr einfach noch einmal machen.

Zum Autor
Christoph Sydow ist Redakteur im Politik-Ressort von SPIEGEL ONLINE.

E-Mail: Christoph_Sydow@spiegel.de

Mehr Artikel von Christoph Sydow

Gebiete unter Kontrolle in Syrien und im Irak (Stand: 14. August) Zur Großansicht
DER SPIEGEL

Gebiete unter Kontrolle in Syrien und im Irak (Stand: 14. August)

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 212 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. In Gegenteil
warumeigentlich 21.08.2014
Fast alle Indizien sprechen dafür, dass die Rebellen bzw. IS (falls man sie überhaupt trennen kann. Nach neusten Erkenntnissen sind viele "Rebellen" zur IS übergelaufen) den Giftgasanschlag verübte. Typische Meinungsmache der Medien. Da muss man sehr aufpassen.
2. Warum Assad?
rosskal 21.08.2014
Welche Indizien deuten denn auf eine Schuld Assads hin? Er selbst hatte das allergeringste Interesse an einer Grundgebung für eine Kriegsintervention von außen. Cui bono? Da spricht wohl einiges mehr für einen Chemiewaffeneinsatz durch die Rebellen (vielleicht durch die ISIS), denen man chemische Waffen zuspielte, um eine Intervention durch die Amis zu rechtfertigen. Dieser Fall reiht sich nämlich auffallend gut in alle vergangenen amerikanischen Kriegsabenteuer ein: Ein Kriegsgrund findet sich immer!
3. Wie man die letzten Leser verjagt
WernerT 21.08.2014
Man wiederholt bereits mehrfach widerlegte Lügen, um seinen US amerikanischen Herren gefällig zu sein. Schon die Spiegelaffäre diente nur amerikanischen Interessen, da dort einer der letzten deutschen Patrioten abgeschossen wurde. Nun also die Legende von Assads Giftgaseinsatz, obwohl erwiesen ist, dass der Einsatz von den Terroristen mit Unterstützung der Türkei, Saudi Arabiens und den USA ausgeführt wurde
4. Beweise?
robert.o 21.08.2014
Indizien sind keine Beweise!!!! Assad ist sicherlich kein Kind von Traurigkeit, aber wenn er Giftgas eingesetzt hätte, dann massiv und flächendeckend. Außerdem gibt es dutzende Videos im Internet, die tote syrische Soldaten zeigen - ohne Schussverletzungen, aber mit schwarzen Köpfen und Gliedmaßen. Bei fast jeder Leiche liegt die Gasmaske daneben. Darüber berichtet SPON nicht!!! Die syrische Armee ist nicht Assad!!! Sie kämpft für ein freies Syrien. Das es zivile Opfer im Krieg gibt, ist nicht neu. Seltsamerweise kehren die Menschen immer in die Orte zurück, die von der Armee zurückerobert wurden, weil nur die Armee Schutz und Freiheit garantieren kann.
5. Der Autor ist nicht auf dem neuesten Stand
mehrlicht 21.08.2014
Schon im Januar 2014 gab es Expertisen, die die Anschuldigungen gegen Assad widerlegten. New analysis of rocket used in Syria chemical attack undercuts U.S. Claims. http://www.mcclatchydc.com/2014/01/15/214656/new-analysis-of-rocket-used-in.html
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Wail al-Halki

Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Syrien-Reiseseite




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: