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"Islamischer Staat": Irakische Provinz Anbar droht an Dschihadisten zu fallen 

Straßenposten in der Provinz Anbar: Die IS-Flagge könnte bald in der gesamten Provinz wehen Zur Großansicht
AP/dpa

Straßenposten in der Provinz Anbar: Die IS-Flagge könnte bald in der gesamten Provinz wehen

Der IS ist offenbar kurz davor, die seit Wochen umkämpfte irakische Provinz Anbar zu erobern. Das wäre ein herber Rückschlag für die US-geführte internationale Militärallianz. Washington will jetzt stärker mit der Türkei zusammenarbeiten.

Bagdad - Der Kampf um die Provinz Anbar im Irak währt schon seit Wochen. Doch jetzt hat die Terrormiliz des "Islamischen Staats" (IS) offenbar die Oberhand gewonnen. Einem Bericht der "Washington Post" zufolge, steht die Region kurz vor dem Fall. Das würde einen heftigen Rückschlag für die internationale Militärallianz unter Führung der USA bedeuten.

Die Eroberung der Provinz wäre für die Islamisten ein strategisch wichtiger Sieg: Sie hätten damit die Kontrolle über einen der wichtigsten Staudämme des Landes und diverse wichtige Armee-Einrichtungen. Ihr bisher schon üppiger Vorrat an Waffen und Munition würde damit noch weiter aufgefüllt.

Mit der Provinz Anbar unter ihrer Kontrolle hätten die IS-Kämpfer eine Versorgungslinie von Syrien fast bis nach Bagdad geschaffen. Sie wären damit in einer starken Ausgangslage für Angriffe auf die irakische Hauptstadt.

Das Vorrücken des IS in Anbar geriet zuletzt wegen der starken Aufmerksamkeit für die Kämpfe um Kobane in Syrien aus dem Blickfeld. Doch die Dschihadisten eroberten die wichtige Provinz in den vergangenen Monaten systematisch: Städte, Dörfer, Polizeistationen. Der Vormarsch begann bereits im Januar mit der Eroberung der Stadt Falludscha. Im Juni konnten die Extremisten weit in die Region vorrücken. Doch die irakischen Truppen konnten mehrere Posten in der Provinz halten. Jetzt scheint es damit vorbei zu sein. Die irakische Armee musste laut "Washington Post" viele Rückschläge hinnehmen. Auch die Luftangriffe der US-geführten Militärallianz konnten den Vormarsch demnach nicht aufhalten.

Washington will enger mit Türkei zusammenarbeiten

In ihrem Kampf gegen die IS will die US-Regierung nun ihre Zusammenarbeit mit der Türkei verstärken. Außenamtssprecherin Jennifer Psaki teilte am Donnerstag (Ortszeit) mit, in der kommenden Woche werde sich eine US-Militärdelegation nach Ankara begeben, um die bereits begonnenen Gespräche fortzusetzen. Washington hält den Einsatz "kompetenter Einheiten am Boden" für unerlässlich.

Es gebe fortlaufende Gespräche über die Rolle der Türkei in dem Kampf, sagte Psaki. Es gehe derzeit nicht darum, an die Türkei Forderungen zu stellen. Washington hatte bereits den pensionierten US-General John Allen und den Irak-Beauftragten Brett McGurk nach Ankara geschickt. Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu sagte am Donnerstag, es sei nicht realistisch, dass die Türkei allein eine Bodenoperation ausführe.

Trotz der Luftangriffe sind die IS-Kämpfer offenbar auch im syrischen Kobane weiter vorgerückt. Die Extremisten hätten inzwischen mehr als ein Drittel der Kurdenhochburg unter ihre Kontrolle gebracht, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Seit Mitte September wurden in dem Konflikt um Kobane nach Angaben der Beobachtungsstelle rund 500 Menschen getötet. Die IS-Kämpfer hätten die Kontrolle über 70 Dörfer übernommen. Rund 300.000 Menschen ergriffen die Flucht, davon gelangten rund 200.000 in die Türkei.

Die US-Streitkräfte flogen nach eigenen Angaben am Donnerstag 14 Luftangriffe auf IS-Stellungen bei Kobane.

ler/AFP

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insgesamt 111 Beiträge
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1. Es wurden bislang 500 Menschen getötet...
studibaas 10.10.2014
ich bleibe dabei, wir spielen Krieg. Das war im 2 WK eine Bombennacht. Wir sollten mit son Scheiß endlich aufhören und wenn wir eingreifen es konsequent machen.
2. Was soll das?
ketzer2000 10.10.2014
Türkische Truppen stehen mit ihren Panzern an der Grenze und greifen nicht ein. Was bedeutet denn jetzt zusammenarbeit - soll die EU geknebelt werden, die Türkei beitreten zu lassen, damit die Türkei eingreift oder was?
3. Hilflose Supermacht
ghdh 10.10.2014
Das ist das Ergebnis der desolaten "Friedensaktionen" des früheren Präsidenten Georg W. Busch. Chaos in der Welt und die USA hilflos.
4. Die USA werden eingreifen müssen.
thunderstorm305 10.10.2014
Die USA werden wohl keine Alternative haben als wieder mit eigenen Truppen im Irak und in Syrien einzugreifen. Und aufgrund ihrer Politik unter Bush sind sie auch dazu verpflichtet. Sie haben die IS groß werden lassen und müssen nun für ihre verfehlte und verantwortungslose Politik in den arabischen Ländern den Preis dafür zahlen.
5. bin mal gespannt. ..
blauweiss76 10.10.2014
wann die Bundeswehr ihren nächsten Kampfeinsatz bekommt. denn ich denke, wenn man die IS stoppen bzw. zerstören möchte, hat Deutschland langsam aber sicher keine andere Wahl mehr.
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Fläche: 185.180 km²

Bevölkerung: 22,265 Mio.

Hauptstadt: Damaskus

Staatsoberhaupt:
Baschar al-Assad

Regierungschef: Imad Khamis

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