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Appell in türkischen Medien: PKK ruft Kurden zum Kampf gegen IS-Terroristen auf

Gefechte an der Grenze: Tränengas, Wasserwerfer, Feuerwerkskörper Fotos
DPA

Syriens Kurden suchen in der Türkei Schutz vor den IS-Extremisten: Mehr als 100.000 Flüchtlinge sind bereits über die Grenze geflohen. Jetzt ruft die Arbeiterpartei PKK zum Widerstand gegen die Terroristen auf.

Ankara/Damaskus - "Der Widerstand sollte keine Grenze kennen", heißt es in einem Appell der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans, weshalb eine "Mobilisierung" nötig sei. Die PKK hat die Kurden in der Türkei zum Kampf gegen die Terrorgruppe "Islamischer Staat" (IS) im benachbarten Syrien aufgerufen. Mehrere türkische Zeitungen berichten über den Appell.

Darin heißt es weiter: "Jetzt ist die Zeit, unsere Ehre zu verteidigen." Den IS-Terroristen werde es nicht gelingen, die von drei Seiten eingeschlossene nordsyrische Stadt Ain al-Arab (Kurdisch: Kobane) einzunehmen, "welche Kräfte auch immer hinter ihnen stehen und wie groß ihre Waffen auch sind".

Der PKK-Vertreter Duran Kalkan rief laut der prokurdischen Nachrichtenagentur Firat in einem belgischen TV-Sender alle Kurden auf, sich zusammenzuschließen. "Die kurdische Jugend, vor allem die Frauen, müssen diesen Angriffen entgegentreten", sagte Kalkan. Er warf der Türkei "Kollaboration" mit den IS-Extremisten vor, weil Ankara territoriale Ambitionen im Irak und in Syrien habe.

"Jede Kugel, die von der IS-Verbrecherband auf den Norden Kurdistans abgefeuert wird, ist vom türkischen Staat abgefeuert worden." Die Kurden sollten "entsprechenden Widerstand leisten".

Die Türkei hatte sich bisher im Kampf gegen die Dschihadisten zurückgehalten. Die IS-Terroristen hielten seit Juni im irakischen Mossul 46 türkische Diplomaten und Angehörige als Geiseln fest, bevor sie diese am Samstag frei ließen. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte hatten IS-Extremisten am Donnerstag begonnen, kurdische Dörfer im syrisch-türkischen Grenzgebiet einzunehmen.

Die Terrormiliz hat in der Region rund um Ain al-Arab mehr als 60 Dörfer erobert, die kurdischen Kämpfer hat sie inzwischen verdrängt. Nach Angaben der kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD) halten die syrischen Kurden die Stadt aber noch.

Mehr als 130.000 Menschen sind bereits in die Türkei geflohen

Bei seinem Vormarsch mit schweren Waffen und Tausenden Kämpfern verübte der IS nach Zeugenberichten Gräueltaten. So seien in den eroberten Dörfern Menschen zur Einschüchterung der anderen Bewohner hingerichtet worden.

Nach UNHCR-Angaben waren wegen des Bürgerkriegs in Syrien rund 200.000 Menschen aus anderen Teilen des Landes nach Ain al-Arab geflüchtet. Die Stadt galt bisher als relativ sicher. Jetzt drohe eine Flucht von Hunderttausenden Menschen weiter über die türkische Grenze, sagt die Uno-Organisation.

Nach Uno-Angaben flohen seit Freitag rund 100.000 syrische Kurden über die Grenze in die Türkei aus Furcht vor Übergriffen der IS-Terrorgruppe. Die Türkei spricht selbst von mehr als 130.000 Menschen. Sein Land sei darauf vorbereitet, Hunderttausende weitere Flüchtlinge aufzunehmen, sagte der stellvertretende Ministerpräsident Numan Kurtulmus am Montag in Ankara.

Die Vereinten Nationen erwarten angesichts des Vormarsches der IS-Terrormiliz im Norden Syriens einen gewaltigen Flüchtlingsstrom in die Türkei. Ankara hatte am Freitag die Grenze geöffnet, nachdem sich dort Tausende aus Angst vor IS-Massakern davor versammelt hatten.

Rund 1,3 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien

In den syrischen Kurdengebieten führt die kurdische Partei PYD den Kampf gegen die IS-Milizen an. Sie ist die syrische Schwesterpartei der PKK. Sie kämpft bereits im Norden des Irak aufseiten der kurdischen Peschmerga gegen die Dschihadisten, nachdem Anfang August die Kurden aus dem Irak, der Türkei und Syrien gegen die Extremisten eine gemeinsame Offensive starteten.

In der Türkei halten sich nach Regierungsangaben bereits rund 1,3 Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien auf. Weitere 1,8 Millionen vor allem irakische Flüchtlinge suchen nach Uno-Angaben in der kurdischen Autonomieregion im Nordirak Zuflucht.

Die IS-Terrormiliz hatte im Juni begonnen, von Mossul ausgehend, Teile des Irak zu erobern. In Syrien kontrollieren die Dschihadisten rund zwei Drittel des Landes. Ihre Eroberungen hat die IS-Miliz in einem selbst ausgerufenen "Kalifat" zusammengefasst.

heb/AFP/Reuters/dpa

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insgesamt 79 Beiträge
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1. Türkische Befindlichkeiten vs. Kampf gegen
stowolle 22.09.2014
Die zu Recht von vielen Kreisen geforderte Aufhebung des PKK-Verbots in Deutschland und die Streichung der PKK aus der umstrittenen ?Terrorliste? sind Schritte, die Deutschland und Europa tätigen sollten - auch gegen türkische Befindlichkeiten. Die derzeitigen Entwicklungen in der Region und die Rolle, welche die PKK in ihr spielt, verdeutlichen abermals, dass diese Verbots- und Kriminalisierungspolitik gegenüber der PKK und damit einhergehend auch gegen die kurdische Community in Deutschland in keiner Weise mehr haltbar ist. Die Grundlagen für diese Kriminalisierungs- und Verbotspraxis sind längst überholt. Eine Abkehr Deutschlands von dieser Politik würde sicherlich auch ein positives Signal für die Entwicklungen in der Region mit sich bringen. Die territorialen Ambitionen der Türkei in Syrien und im Norden des Irak zu beleuchten macht Sinn, lässt den türkischen Umgang mit den Monstern des "IS" verstehen.
2. Es wird höchste Zeit !!!
andreasius 22.09.2014
Es wird langsam allerhöchste Zeit,diesem mörderischen und barbarischen Treiben der IS ein Ende zu setzen.Es sollten sich im Grunde alle Verbündeten der USA zu einem einmaligen Präventivschlag gegen den IS zusammenschließen.Auch Deutschland sollte sich dem nicht mehr verschließen.Dieser Terrorbande muss ein für alle Mal der Garaus gemacht werden,bevor noch mehr Unheil und Leid über unschuldige Menschen hereinbricht.Mit frommen Worten und Appellen ist Keinem geholfen !!!
3. Das türkische Dilemma
pikeaway 22.09.2014
Kritische Worte über die Haltung der Türkei werden in der Jerusalem Post geäußert: IS ist bisher nicht als Terrororganisation eingestuft: "“And the fact that Turkey refuses to label Islamic State a terrorist group speaks volumes about its true position,” said Rubin, pointing out that Istanbul has shops not only selling the group’s memorabilia, but promising to send the proceedings from it to Syria. “The simple fact is that Erdogan ideologically leans more toward the Islamic State than NATO,” asserted Rubin, adding that Erdogan embraces radicalism." Ein ehemaliger US- Botschafter kritisiert die Unterstützung von AlQaida: "Francis Ricciardone, who was until late June the US ambassador in Turkey, said on Thursday that Ankara had supported groups including the Nusra Front, al-Qaida’s Syrian branch, in the fight against Assad, much to the dismay of Washington." Kritisch beurteilt wird auch die mangelhafte Zusammenarbeit mit der NATO: “Turkey’s lack of cooperation with NATO and the West is nothing new,” Prof. Efraim Inbar, director of the Begin-Sadat Center for Strategic Studies, told The Jerusalem Post." http://www.jpost.com/Middle-East/Analysis-Turkey-balks-at-helping-West-prefers-Sunni-jihadists-375353
4. Ach, wie niedlich!
M. Thomas 22.09.2014
Jetzt wird aus der alten "Terrororganisation" PKK kurzerhand eine "Arbeiterpartei" gemacht! Wenn der Krieg gegen die "IS" eines fernen Tages einmal zuende ist, die Kurden im Irak nach Autonomie verlangen und diese mit (deutschen!) Waffen gegen Baghdad verteidigen wird, dann wird aus der Arbeiterpartei ganz bestimmt wieder eine Terororganisation. Das geht ja ganz fix, wie man sieht - eben ganz so, wie mans eben braucht, nicht wahr?
5.
kuac 22.09.2014
Im Gegensatz zur Türkei hat die PKK nun eindeutig pro westliche Stellung bezogen und ist bereit gegen den IS zu kämpfen. Wollen wir dieses Angebot nicht annehmen? Der Kampf gegen den IS kann nur zusammen mit Syrien, Iran und alle Kurden endgültig gewonnen werden, weil sie vor Ort kämpfen.
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