US-Angriff im Irak Rätselraten um IS-Chef Baghdadi

Ist er tot, verwundet oder quicklebendig? Nach den jüngsten US-Angriffen auf den "Islamischen Staat" blühen die Spekulationen um IS-Chef Baghdadi. Für zusätzliche Verwirrung sorgt ein Tweet.

IS-Chef Baghdadi: Der selbst ernannte Kalif scheut die Öffentlichkeit
AFP/HO/AL-FURQAN MEDIA

IS-Chef Baghdadi: Der selbst ernannte Kalif scheut die Öffentlichkeit


Bagdad - Der Chef des britischen Generalstabs spricht immerhin schon von einem "möglichen Tod" des IS-Anführers Abu Bakr al-Baghdadi. Doch General Sir Nick Houghton fügte auch hinzu: "Es wird wahrscheinlich einige Tage dauern, bis es eine absolute Bestätigung gibt."

Fest steht derzeit nur, dass die US-Armee am Freitag und Samstag mehrere Luftangriffe auf Ziele des "Islamischen Staats" (IS) geflogen hat. Am Freitagabend bombardierte das Militär einen IS-Konvoi in der Nähe von Mossul. Dabei wurden zehn Fahrzeuge zerstört, etwa 50 Menschen sollen bei dem Angriff ums Leben gekommen sein.

Unter den Toten ist nach Geheimdiensterkenntnissen Abd al-Rahman al-Athaee, der dem engsten Führungskreis um den selbsternannten Kalifen angehört. Weil Athaee und Baghdadi oft gemeinsam unterwegs sein sollen, hofft Washington darauf, auch Baghdadi getroffen zu haben. Lokale Stammesvertreter sagten dem Nachrichtensender al-Arabiya, dass Baghdadi bei dem Angriff schwer verletzt worden sein soll. Bislang haben die USA dafür aber keine Bestätigung. US-Regierungsvertreter sagten am Sonntag, es lägen bislang noch keine Erkenntnisse darüber vor, ob Baghdadi sich in der Fahrzeugkolonne befunden habe.

Baghdadi scheut die Öffentlichkeit

Ein zweiter Angriff zielte am Samstag offenbar auf ein IS-Treffen nahe der irakischen Stadt Kaim in der Provinz Anbar. Nach Angaben von irakischen Offiziellen sollen dabei zwei Gouverneure des IS getötet worden sein. Ob Baghdadi bei dem Treffen war und möglicherweise getroffen wurde, ist unklar.

Für zusätzliche Verwirrung sorgte am Sonntagabend ein Tweet: Ein Twitter-Account, unter dem Namen von Abu Mohammed al-Adnani, dem Sprecher der Terrorgruppe "Islamischer Staat", setzte folgende Botschaft ab: "Glaubt Ihr wirklich, dass das Kalifat mit dem Märtyrertod des Kalifen endet? Wir versichern der Gemeinde, dass es Abu Bakr al-Baghdadi gut geht und ich bete für seine schnelle Genesung." IS-Anhänger im Netz wiesen prompt darauf hin, dass der Account nicht authentisch sei. Eine offizielle Mitteilung der Dschihadisten steht also noch aus.

Der selbsternannte Kalif hat sich bisher erst einmal in der Öffentlichkeit gezeigt. Anfang Juli war er in einer Moschee in Mossul aufgetreten.

Finanzrat Medienrat Geheimrat Militärrat Hilfsrat für Kämpfer Sicherheitsrat Rechtsrat Schurarat

Für weitere Information zu den neun Räten: Fahren Sie mit dem Mauszeiger über die Boxen in der Grafik.

Führungsrat:

Das Gremium trifft alle wichtigen Entscheidungen im "Islamischen Staat". Alle Beschlüsse des Führungsrats müssen von IS-Chef Baghdadi abgesegnet werden. Zumindest theoretisch können die Mitglieder des Führungsrats den "Kalifen" absetzen.

Schura-Rat:

Besteht aus neun Männern, die in islamischem Recht bewandert sind. Sie beraten den Führungsrat in allen wichtigen militärischen und religiösen Fragen.

Geheimdienstrat:

Sammelt Informationen über innere und äußere Gegner des IS.

Finanzrat:

Ist das Finanzministerium des IS und verfügt über Hunderte Millionen US-Dollar. Der Rat koordiniert den Verkauf von Erdöl und fädelt Waffengeschäfte ein.

Militärrat:

Ist so etwas wie das Verteidigungsministerium des "Islamischen Staats". Der Rat koordiniert den militärischen Vormarsch und die Sicherung des eroberten Territoriums.

Hilfsrat für Kämpfer:

Organisiert die Schleusung ausländischer Kämpfer in den "Islamischen Staat". Der Rat unterstützt die ausländischen Dschihadisten, hilft ihnen unter anderem dabei, Unterkünfte zu finden.

Rechtsrat:

Regelt Familienstreitigkeiten und Verletzungen des islamischen Rechts. Das Gremium entscheidet auch über die Tötung von Geiseln.

Medienrat:

Gibt die offiziellen Mitteilungen des IS heraus. Koordiniert die Propagandakampagnen in den sozialen Netzwerken.

Sicherheitsrat:

Koordiniert die Kontrolle über die eroberten Gebiete, entscheidet über die Errichtung von Checkpoints. Mitglieder des Rats sind auch an der Tötung von Geiseln beteiligt.

syd



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
deBeers 09.11.2014
1. denn kann ja bald...
...jemand anderes Kalif werden anstelle des Kalifen !
wynkendewild 09.11.2014
2. Prioritäten setzen.
Der Bekämpfung solcher Leute würde ich einer weitaus höheren Priorität einräumen als dem Handelskrieg mut Russland. Schließlich bedrohen die unsere Freiheit und nicht Moskau.
atech 09.11.2014
3. Nachfolger gesucht?
auch wenn die IS-Terroristen noch keinen Nachfolger für ihren Propheten-Nachfolger (Kalif) benötigen: von alters her weiß man, dass das Heer unruhig wird, wenn die Anführer verwundet sind oder getötet werden. Daher ist die Strategie, die Anführer von IS zu eliminieren, durchaus erfolgversprechend.
pauschaltourist 09.11.2014
4.
Zitat von wynkendewildDer Bekämpfung solcher Leute würde ich einer weitaus höheren Priorität einräumen als dem Handelskrieg mut Russland. Schließlich bedrohen die unsere Freiheit und nicht Moskau.
Ich verstehe zwar nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat, doch sehen Sie die derzeitige Lage in Osteuropa vermutlich nur aus einem Grunde derart entspannt: Sie selbst wohnen nicht dort. Alleine aus historischen Gründen würden Sie sich sonst vor russischen Gelüsten bezgl. der Schaffung ihnen gediegener Einflusssphären und Installation williger Regime Sorgen machen.
AvusCascus 09.11.2014
5. Strohmänner...
Zitat von wynkendewildDer Bekämpfung solcher Leute würde ich einer weitaus höheren Priorität einräumen als dem Handelskrieg mut Russland. Schließlich bedrohen die unsere Freiheit und nicht Moskau.
Glauben Sie im Ernst, dass er mehr ist (war) als ein Strohmann? So lange Sie nicht die Sponsoren im Hintergrund bekämpfen, wird dieser Schlange täglich ein neuer Kopf nachwachsen. Was das alles mit "Moskau" zu tun hat, wissen wohl nur Sie.
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