Krieg gegen Islamisten Die wichtigsten Fakten zum US-Luftkrieg in Syrien

Die USA und arabische Verbündete haben erstmals Angriffe auf Islamisten in Syrien geflogen und mehr als 50 Ziele bombardiert. Lassen sich die Milizen davon beeindrucken? Eine erste Bilanz.

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DPA/EPA/US NAVY

Die Luftschläge begannen in der Nacht von Montag auf Dienstag, kurz nach 4 Uhr morgens Ortszeit. Mit einer gezielten Aktion haben die USA den Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) auch auf Syrien ausgeweitet. Gemeinsam mit arabischen Verbündeten sollen mindestens 50 Ziele bombardiert worden sein.

Marschflugkörper, Bomber und auch Tarnkappenjets des Typs F-22 "Raptor" kamen zum Einsatz, die als teuerste Jagdflieger der US-Luftwaffe gelten. Zuvor hatten die USA wochenlang mit Drohnen die IS-Stützpunkte in Syrien ausgekundschaftet.

Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

  • Was wurde getroffen? In den vom IS kontrollierten Städten wurden die Hauptquartiere der Miliz zerstört: in Rakka, gewissermaßen der "Hauptstadt" des "Islamischen Staates", sowie in den Grenzstädten Tel Abiad und al-Bukamal. Zudem wurden Checkpoints der Miliz in der Provinz Deir Essor getroffen. Die vom IS eroberten syrischen Militärbasen in Ain Issa und Tabaka wurden beschossen, um die dort erbeuteten Waffen - Dutzende Panzer, gepanzerte Fahrzeuge, Haubitzen und Panzerabwehrkanonen - zu zerstören. Auch Vororte von Aleppo wurden bombardiert. Dabei sollen nach Angaben der Gruppe "Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte", die als zuverlässig gilt, nicht nur IS-Ziele attackiert worden sein, sondern auch Stützpunkte der radikalislamistischen Nusra-Front. Diese wird von den USA als Terrororganisation eingestuft. Sie entstand ursprünglich als Ableger des IS, hatte sich dann aber mit der Miliz überworfen. Sie kooperiert und rivalisiert nun abwechselnd mit dem IS. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wurden von den USA auch westlich von Aleppo Ziele der Khorasan-Gruppe bombardiert, die aus Al-Qaida-Veteranen besteht und internationale Attentate planen soll.

  • Wurden hochrangige IS-Mitglieder getötet? Das ist eher unwahrscheinlich, denn die Miliz hatte wochenlang Zeit, sich auf die US-Luftangriffe vorzubereiten und ihre Kommandozentralen in Rakka und anderen Städten zu evakuieren. Die in Rakka bombardierten IS-Stützpunkte sind leicht zu erkennen: Die Miliz hat sie schwarz angemalt und ihre Flagge gehisst. Seit der US-Angriffswarnung bevorzugen IS-Obere, sich an unauffälligeren Orten aufzuhalten und sich zwischen Zivilisten zu verstecken. Nach Angaben der "Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte" kamen bei der massiven Angriffswelle insgesamt rund zehn IS-Kämpfer ums Leben sowie sieben Kämpfer der mit dem IS rivalisierenden Nusra-Front.

  • Gab es zivile Opfer? Laut den syrischen Menschenrechtlern kamen keine Zivilisten bei den Angriffen auf IS-Stützpunkte ums Leben, allerdings sollen bei den Attacken auf Positionen der Nusra-Front in Aleppo und Umgebung acht Zivilisten getötet worden sein.

  • Welche Länder waren daran beteiligt? Außer den USA haben mehrere arabische Staaten die Angriffswelle mit Kampfjets unterstützt: Jordanien, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Auch Katar soll an den Angriffen beteiligt gewesen sein. Frankreich, das im Irak Angriffe fliegt, lehnte eine Beteiligung in Syrien ab. Großbritannien zögert noch.

  • Wusste Assad Bescheid? Das syrische Regime wurde nicht vorher um Erlaubnis gefragt. Die syrischen Staatsmedien behaupten jedoch das Gegenteil, um Assad eine Blamage zu ersparen, denn zuvor hatte Damaskus noch großspurig verkündet, man würde Angriffe ohne Erlaubnis als Aggression gegen Syrien werten. Nach syrischen Angaben hat Damaskus immerhin ein paar Stunden vorher von dem baldigen Beginn des Angriffs erfahren - aus einem Brief, den US-Außenminister John Kerry dem irakischen Außenminister übergeben haben soll.

  • Wird der IS-Vormarsch so gestoppt? Solange nicht klar ist, ob die Angriffe nun weitergehen, dürfte die Miliz sich vorerst bedeckt halten. Allerdings dürfte der IS allein durch Luftangriffe kaum aufzuhalten sein. Wer für die USA am Boden den IS in Syrien bekämpfen soll, ist bisher unklar. Im Irak hat sich bisher trotz der massiven Luftangriffe das Blatt noch nicht gewendet. Dort kämpfen die Kurden, die irakische Armee und schiitische Milizen gegen den IS. Allerdings verschwinden dadurch nicht die Ursachen - die Ausgrenzung, Verelendung und der brutale Bürgerkrieg -, die manche Syrer und Iraker dem IS zutreiben.

  • Wird sich der IS nun rächen? Das ist sehr wahrscheinlich. Die Miliz hat den Luftangriffen nichts entgegenzusetzen, aber sie kann auf anderem Weg zurückschlagen. Denkbar ist, dass der IS Syrer oder Iraker tötet, die er für Spitzel im Auftrag der Amerikaner hält. Auch an den vom IS entführten westlichen Geiseln könnte die Miliz Rache nehmen. Vorstellbar ist, dass andere Gruppen oder Einzelpersonen im Namen des IS aktiv werden - wie vor Kurzem in Australien und nun in Algerien. Besonders Staatsbürger der an der Koalition gegen den IS beteiligten Länder könnten ins Visier geraten, also auch Deutsche. Deutschland liefert an die irakischen Kurden Waffen und bildet diese im Kampf gegen die Extremisten aus.

Ziele von Luftangriffen auf den IS



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Seite 1
irrenderstreiter 23.09.2014
1.
"Wusste Assad Bescheid? Das syrische Regime wurde nicht vorher um Erlaubnis gefragt. Die syrischen Staatsmedien behaupten jedoch das Gegenteil, um Assad eine Blamage zu ersparen, denn zuvor hatte Damaskus noch großspurig verkündet, man würde Angriffe ohne Erlaubnis als Aggression gegen Syrien werten. Nach syrischen Angaben hat Damaskus immerhin ein paar Stunden vorher von dem baldigen Beginn des Angriffs erfahren - aus einem Brief, den US-Außenminister John Kerry dem irakischen Außenminister übergeben haben soll." - Ach wirklich? Und SPON liefert die Belege für diese Behauptung sicher noch. Ich persönlich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass man ohne Information der syrischen Regierung mit den Angriffen begann. Das man das nicht an die große Glocke hängt wundert mich nach der Rhetorik im Vorfeld nicht.
eunegin 23.09.2014
2. 10 IS-Opfer??
Nicht das Material des IS, sondern dessen kriminelles "Personal" ist doch das Problem. Diesen Mördern genügt ein Messer. Ob die Zielauswahl daher geschickt war, wird sich zeigen. Komplett war sie jedenfalls nicht.
Christ 32 23.09.2014
3. war im Irak
soweit ich weis wurden die Panzer und Flugzeuge etc. im Irak erbeutet davon ab, Beutewaffen sind in jeden Krieg normal, sowas lässt sich kaum vermeiden
hossain 23.09.2014
4. Internationale Recht brechen ?
und dann auch ohne Kritik und freude so ein Bericht schreiben. Erstaunlich. Was wäre schlim, wenn man Assad fragte, bevor es losging. Ist es so schlim? Syrien ist ein souveräner Staat. Man sollte nicht immer Recht brechen. Dadurch hat man kein legitimität und kann auch kein Problem langfristig lösen.
AbuHaifa 23.09.2014
5.
Die Autorin irrt. Die Nusra-Front ist der syrische Ableger der al-Qaida, nicht des IS. Der IS war der irakische Arm, doch mittlerweile hat er sich mit Qaida-Chef Zawahiri überworfen hat.
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