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"Islamischer Staat"-Comedy im irakischen TV: Mit Humor gegen den IS-Terror

Anti-IS-Satire: Lachen gegen den Terror Fotos
AFP

Im Kampf gegen den "Islamischen Staat" setzt der Irak auf Satire: Seit dem Wochenende läuft im staatlichen TV die Comedy-Show "Staat der Mythen". Aus Angst vor dem IS wollen manche Beteiligte anonym bleiben.

Berlin/Bagdad - Der "Islamische Staat" rückt immer weiter vor - trotz der Luftschläge der USA und ihrer Verbündeten. Jetzt setzt der Irak im Kampf gegen den IS eine neue Waffe ein, wie die "Washington Post" berichtet: Humor. Seit Samstag läuft im staatlichen Fernsehen die 30-teilige Serie "Staat der Mythen", eine bitterböse Satire gegen die islamischen Extremisten.

Schauplatz ist eine fiktive irakische Stadt, die vom IS übernommen wurde. Vor diesem Hintergrund versucht die TV-Serie, die Fundamentalisten und ihre Propaganda zu entlarven. Für irakische Verhältnisse ist die Produktion mit einem Etat von 600.000 Dollar sehr aufwendig, schreibt die "Washington Post". Zuletzt gab es auch in anderen arabischen Ländern satirische Versuche, sich mit dem IS auseinanderzusetzen.

Der Zuschauer von "Staat der Mythen" lernt beispielsweise den örtlichen Saufbruder kennen, der plötzlich zum fanatischen Unterstützer der Islamisten wird und andere Bewohner der Stadt wegen Alkohol-Verstößen züchtigt - während er sich selbst weiterhin regelmäßige Drinks genehmigt. Damit machen sich die Drehbuchschreiber lustig über die Heuchelei mancher IS-Vertreter.

Serie spießt krudes Islam-Bild des IS auf

Mit einer anderen Figur wollen sie zeigen, wie krude das Islam-Bild des IS ist: Der Gemüseverkäufer muss sich in der Serie von den Extremisten darüber aufklären lassen, dass Gemüse mit weiblichem und solches mit männlichem Namen nicht zu mischen ist.

Der "Staat der Mythen" sollte ursprünglich auch mit der in der Region beliebten Verschwörungsthese spielen, wonach der IS eine Kreatur der USA, Israels und sunnitischer Staaten wie Saudi-Arabien und Katar ist. So ist im Original-Trailer der Serie zu sehen, wie ein Cowboy zu einer Hochzeit einlädt: Dort wird der Teufel mit seiner Gattin Israel getraut, aus der Ehe entsteht kurz darauf Abu Bakr al-Baghdadi, der als Miniatur aus einem Ei schlüpft. Angesichts der Militäraktionen von USA & Co. gegen IS hat man nun aber offenbar von diesem Kontext abgesehen.

Die Show soll im ganzen Irak ausgestrahlt werden - also auch in den Gebieten, die vom IS kontrolliert werden. Offenbar hofft man darauf, den dortigen Irakern ein Zeichen der Hoffnung zu geben. Nach dem Motto: Die Islamisten werden uns nicht besiegen, so lange wir über sie lachen können.

Doch die Angst vor der Baghdadi-Miliz ist selbst unter den Beteiligten der Comedy groß. Der "Washington Post" zufolge wollen einige von ihnen nicht namentlich im Abspann auftauchen - auch der Drehbuchschreiber von "Staat der Mythen" bleibt lieber anonym. "Bisher ist alles ok, aber ich gehe davon aus, dass ich bedroht werde, sobald die Serie im Fernsehen läuft", sagte der Darsteller von IS-Anführer Baghdadi der "Washington Post".

Andere nehmen das Risiko in Kauf, so wie Taha Alwan, der den örtlichen Imam spielt. "Für mich ist das eine persönliche Sache", sagt er: Alwan hat zwei Kinder in den blutigen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre verloren. "Es mag gefährlich sein", sagt er über die Mitwirkung an der Serie, "aber wir müssen eine Botschaft loswerden, die zeigt, wie hässlich diese Menschen sind."

flo

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
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1. Top Aktion
ronjeremy 29.09.2014
hoffentlich ärgern sich diese holzkoepfe vom is tot. Hut ab vor den Produzenten und Schauspielern!
2. Jawolle
kampftier 29.09.2014
-Daumen hoch -
3. Charles Chaplin
besser.wisser 29.09.2014
... hat es vorgemacht. Davon brauchen wir viel mehr. Auch hier: lacht Salafisten, IS & Co einfach aus.
4. Respekt
katzenheld1 29.09.2014
Hoffentlich ist die Show auch im Iran problemlos zu empfangen. Und hoffentlich platzen alle IS-Terroristen, die die Sendung sehen können und dürfen, vor Wut.
5.
lipapan 29.09.2014
Sehr mutig, Hut ab
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Fotostrecke
PR-Kampagne zum Krieg gegen IS: "Top Gun" auf Arabisch
Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 34,776 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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