"Islamischer Staat" Merkel nennt Haines-Enthauptung menschenverachtend

Die Enthauptung des Briten David Haines durch Anhänger der Terror-Organisation Islamischer Staat löst weltweit Entsetzen aus. Auch Kanzlerin Angela Merkel fordert die Bestrafung der Täter.

Kanzlerin Merkel: Tat muss geahndet werden
AP/dpa

Kanzlerin Merkel: Tat muss geahndet werden


Washington - Am Tag nachdem der "Islamische Staat" ein Enthauptungsvideo der ersten britischen Geisel David Haines ins Internet gestellt hat, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel die Tat der Terrormiliz als menschenverachtend bezeichnet.

Ein solches Vorgehen sei durch nichts zu rechtfertigen und müsse geahndet werden, erklärte Merkel am Sonntag in einem Beileidsschreiben an den britischen Premierminister David Cameron. Merkel erklärte, sie sei von der Tat entsetzt. Zugleich bat sie Cameron, ihr Mitgefühl auch der Familie des Getöteten zu übermitteln, die unendliches Leid ertragen müsse.

Premierminister David Cameron verurteilte den Mord als "Akt des reinen Bösen". "Sie sind keine Muslime, sie sind Monster", sagte er über die Terrorkämpfer des IS. Oppositionsführer Ed Miliband sprach von einer "barbarischen Tat".

Bundesaußenminister Steinmeier (SPD) sprach von "einem abscheulichen Akt barbarischer Gewalt jenseits aller Grenzen menschlicher Zivilisation". Dort, wo IS herrsche, werde gemordet, vergewaltigt und gebrandschatzt. "Die internationale Gemeinschaft muss sich dieser Bedrohung für den Irak, die ganze Region und auch uns entschlossen entgegenstellen", betonte Steinmeier. Frankreichs Initiative für eine Konferenz zur Sicherheit im Irak komme zur rechten Zeit.

Steinmeier sagte zudem, auf der Irak-Konferenz am Montag in Paris müsse dringend eine breit angelegte Strategie im Kampf gegen den IS erarbeitet werden.

Auch US-Präsident Barack Obama verurteilte die Tat. Er bezeichnete die Enthauptung David Haines' in einer Mitteilung als eine "barbarische Mordtat". Man werde gemeinsam mit Großbritannien und einer großen regionalen und internationalen Koalition die Täter zur Verantwortung ziehen. Obama erklärte erneut dem IS den Krieg: Man werde diese Bedrohung "schwächen und zerstören". Zuvor nannte er die Enthauptung von Geiseln als strategischen Fehler des IS.

Intern, so berichtet die "New York Times", hat sich der US-Präsident irritiert gezeigt, dass etwa die Franzosen Lösegeld für IS-Geiseln gezahlt hätten. Die USA und Großbritannien lehnen das strikt ab.

David Haines ist die dritte westliche Geisel, die dem IS zum Opfer gefallen ist. Am 19. August hatte der IS ein Video ins Netz gestellt, das die Ermordung des US-Journalisten James Foley zeigt. Anfang September folgte ein Video mit der Ermordung des vor einem Jahr in Nordsyrien verschleppten Reporters Steven Sotloff. Bereits in diesem Film war Haines erwähnt worden, die Terroristen drohten darin mit seiner baldigen Ermordung.

Insgesamt werden noch immer 30 bis 40 Europäer und Amerikaner in der Hand von IS in Syrien vermutet.

kha/sef/dpa

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