Denis Cuspert Video zeigt deutschen Dschihadisten bei IS-Gräueltaten

Der Deutsche Denis Cuspert gehört zu den bekanntesten Mitgliedern des "Islamischen Staats". Ein Video zeigt, dass der Ex-Rapper an schweren Verbrechen der Terrorgruppe beteiligt ist - auch an der Enthauptung von IS-Gegnern.

Dschihadist Cuspert: "Wir haben die Todesstrafe vollstreckt"

Dschihadist Cuspert: "Wir haben die Todesstrafe vollstreckt"


Hamburg - Bei ihren Eroberungen in Syrien und im Irak geht die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) mit größter Brutalität vor. Auch deutsche Dschihadisten in ihren Reihen verüben schwere Verbrechen. Ein Video, das am Dienstag im Internet veröffentlicht worden ist, zeigt, dass der Berliner Extremist Denis Cuspert an Enthauptungen von IS-Gegnern in Syrien beteiligt war.

Die Aufnahmen sind von IS-Gegnern aus der syrischen Provinz Deir al-Sor verbreitet worden. Offenbar stammen sie aus Videos, die vom IS selbst gedreht, aber bislang nicht veröffentlicht wurden. Sie zeigen mehrere wehrlose Männer in einer Wüstengegend, die von den Terroristen aus nächster Nähe erschossen oder enthauptet werden.

Die Männer sollen gegen den IS gekämpft haben. "Deshalb haben wir die Todesstrafe gegen sie vollstreckt", sagt Cuspert in dem Video. In den Aufnahmen ist nicht zu erkennen, ob der Deutsche selbst IS-Gegner tötete. Allerdings posiert er mit den enthaupteten Leichen der Opfer.

Geheimdienste zählen Cuspert zum "terroristischen Establishment"

Ein arabischer IS-Terrorist, der neben Cuspert steht, erklärt in dem Video, das es sich bei den Toten um Mitglieder des Schaitat-Stammes handeln soll. Mehrere Hundert Angehörige des Stammes, der im syrischen Euphrattal nahe der irakischen Grenze lebt, hatten sich im August gegen den IS erhoben. Die Dschihadisten schlugen die Revolte nieder und massakrierten Hunderte Schaitat-Mitglieder. Offenbar wurde auch das Video zu dieser Zeit aufgenommen, darauf deutet die sommerliche Kleidung der Terroristen hin.

Indirekt hatte Cuspert die Taten sogar angekündigt. Ebenfalls im Sommer war ein Video im Netz aufgetaucht, das ihn und einen weiteren deutschen Dschihadisten in einem Auto zeigt. Darin sagte Cusperts Kompagnon: "Wir wünschen uns schon lange, einen zu schlachten, einen mit einem stumpfen Messer enthaupten zu können." Cuspert selbst grinste.

Der 39-Jährige stammt aus Berlin. Vor seiner Zuwendung zum radikalen Islam hatte er als Gangsta-Rapper mit dem Künstlernamen Deso Dogg bescheidene Prominenz erlangt. Er saß unter anderem wegen versuchten Totschlags neun Jahre im Gefängnis und schloss sich spätestens 2010 der Salafisten-Szene an. Seit Anfang 2013 soll Cuspert in Syrien sein. Inzwischen nennt er sich Abu Talha al-Almani. Er hat einen Treueeid auf den selbst ernannten IS-"Kalifen" Abu Bakr al-Baghdadi abgelegt.

Cuspert soll nach dem Willen der Bundesregierung auf die Terrorliste der Vereinten Nationen gesetzt werden. Nach einer Analyse des Berliner Landesamtes für Verfassungsschutz soll Cuspert inzwischen Teil des "terroristischen Establishments" sein und Zugang zur Führungsebene des IS haben. Bereits im Juli hatten die Dschihadisten ein Video veröffentlicht, auf dem zu sehen war, wie er in der Nähe des syrischen Homs eine Leiche mit einem Stein traktiert.

Verfassungsschützer fürchten, dass Cuspert mit seiner Propaganda deutsche Islamisten dazu animieren könnte, sich dem IS in Syrien und im Irak anzuschließen oder Terroranschläge in Deutschland zu verüben.

Herrschaftsgebiet des IS im Irak und in Syrien
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Herrschaftsgebiet des IS im Irak und in Syrien

syd

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