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Arabische Koalition gegen IS: Amerikas widerwillige Verbündete

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US-Außenminister Kerry mit Saudi-Arabiens Prinz Saud Bin Faisal (Archivaufnahme):    Auch die Araber fürchten den IS    Zur Großansicht
REUTERS

US-Außenminister Kerry mit Saudi-Arabiens Prinz Saud Bin Faisal (Archivaufnahme): Auch die Araber fürchten den IS

Gemeinsam mit ihren arabischen Verbündeten bombardieren die USA Stellungen der Terrormiliz IS in Syrien. Doch nicht bei allen Zielen waren die Angreifer einig: Einige Attacken flogen die Amerikaner lieber allein.

Wochenlang bemühte sich die US-Regierung um die arabischen Staaten. Auf keinen Fall wollte sie Syrien allein bombardieren. Andere Länder sollten mitmachen - vor allem solche, die wie die USA sowohl Syriens grausamen Diktator Baschar al-Assad ablehnen als auch die radikale Miliz "Islamischer Staat" (IS).

Am Ende gelang der US-Regierung das kaum Vorstellbare: Die untereinander rivalisierenden Golfstaaten Katar, Bahrain, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate schlossen sich zusammen und unterstützten mit Jordanien die amerikanischen Angriffe entweder mit ihren eigenen Flugzeugen oder logistisch.

Washingtons Interesse an dieser Koalition ist klar: Durch die arabische Unterstützung erhoffen sich die USA ein wenig Legitimation für die Angriffe, für die ihr die völkerrechtliche Absegnung fehlt: Dazu hätte Washington ausgerechnet Assad um Erlaubnis bitten müssen oder den Uno-Sicherheitsrat, wo Russland als Verbündeter seines Regimes ein Veto eingelegt hätte.

"Dies ist nicht allein Amerikas Kampf", sagte US-Präsident Barack Obama. "Vor allem die Menschen und Regierungen des Nahen Ostens lehnen IS ab." Doch was springt dabei für Obamas Koalitionspartner heraus?

Auch die arabischen Staaten fürchten den IS

Für Amerikas arabische Bündnispartner ist es ein bisschen so wie die Geschichte vom Zauberlehrling, der die Geister rief, die er dann nicht los wurde: Vor allem die Golfstaaten lehnen Assad so entschieden ab, dass ihnen gegen den syrischen Präsidenten nahezu jedes Mittel recht war. Dabei setzten sie auch auf islamistische Rebellengruppen. Doch der rasante Aufstieg der Salafisten-Miliz "Islamischer Staat" bereitet nun auch ihnen Sorge.

Zwar sind außer Bahrain alle an den Luftangriffen teilnehmenden Länder mehrheitlich sunnitisch, doch auch für sie sind die Extremisten vom IS eine Gefahr. Die Islamisten haben längst klargemacht, dass ihre Ambitionen keine Grenzen kennen: Die Herrschaft der arabischen Könige und Emire sind für sie illegitim. Nur die eigene zählt - und die will der IS am liebsten auf die ganze Welt ausweiten, vor allem auf heilige muslimische Städte wie Mekka, Medina und Jerusalem. Viele wichtige sunnitische Gelehrte haben sich vom IS distanziert. Zuletzt rückte selbst Katar, das lange als Unterstützer galt, ab.

Besonders Saudi-Arabien und Jordanien dürften zunehmend besorgt sein angesichts der Entwicklungen in Syrien, denn in den Reihen des IS kämpfen viele saudi-arabische und jordanische Staatsbürger. Diese könnten auch zu Hause Anschläge durchführen. Schon in der Vergangenheit wurden Jordanien und Saudi-Arabien immer wieder zum Ziel islamistischen Terrors. Das Risiko von IS-Anschlägen in den arabischen Ländern könnte nun sogar zunehmen, da sich diese Staaten an den Luftschlägen gegen die Miliz beteiligen.

Allein die Aussicht, den gemeinsamen Feind IS zu schwächen, dürfte die arabischen Staaten allerdings wohl kaum überzeugt haben, an Obamas Koalition teilzunehmen. Wer von ihnen welchen Deal aushandelte, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen. Denkbar ist, dass Washington mit Kooperationen und anderen Zugeständnissen lockte. Auch dürften die USA weiterhin wegschauen, wenn ihre neuen Bündnispartner in ihren Ländern Menschenrechte verletzen.

Washington dürfte seinen Bündnispartnern zudem versichert haben, weiterhin an einem Sturz von Assad festzuhalten und die syrische Opposition zu stärken. Vor Kurzem hatte Obama verkündet, mehr tun zu wollen, um moderate syrische Kämpfer auszubilden und auszurüsten - eine Kehrtwende in seiner bisherigen Politik und eine langjährige Forderung vor allem der arabischen Golfstaaten. Saudi-Arabien und Jordanien wollen sich an diesem Ausbildungsprogramm beteiligen.

Die US-Regierung weiß, dass nur der gemeinsame Feind IS die Koalition zusammenhält. Dennoch scheinen die Amerikaner ihren Partnern nicht ganz zu vertrauen. Die heikelsten Angriffe führte Washington allein durch.

So wurden in der Nacht auf Dienstag auch Positionen der radikalislamistischen Nusra-Front bombardiert, einem syrischen Qaida-Ableger, zu dem Katar gute Beziehungen unterhält. Auch Stellungen der Chorasan-Gruppe wurden angegriffen, eine Gruppe von Qaida-Veteranen, die sich nach Syrien verlegte und von dort Angriffe auf den Westen geplant haben soll. Nur IS-Ziele attackierte die Koalition gemeinsam.

Ziele von Luftangriffen auf den IS

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1.
lampenschirm73 23.09.2014
Da ist sie wieder, die inhaltsleere Floskel die in diesem Zusammenhang offenbar immer kommen muss. "Moderate Rebellen" Was soll denn das sein? Sind das alle die nicht IS sind? Oder sind das alle die für Demokratie und Menschenrechte kämpfen? Im letzten Fall dürfte die Zahl im dreistelligen Bereich liegen. Syrien steht vor der Wahl zwischen Islamisten oder säkularer Diktatur. Demokratie und westliche Werte standen nie zur Debatte. Genauso wie in Libyen, Ägypten, Afghanistan, Jemen, Irak u.s.w.
2. ...doch wenigstens so nah wie möglich
ratxi 23.09.2014
Zitat von lampenschirm73Da ist sie wieder, die inhaltsleere Floskel die in diesem Zusammenhang offenbar immer kommen muss. "Moderate Rebellen" Was soll denn das sein? Sind das alle die nicht IS sind? Oder sind das alle die für Demokratie und Menschenrechte kämpfen? Im letzten Fall dürfte die Zahl im dreistelligen Bereich liegen. Syrien steht vor der Wahl zwischen Islamisten oder säkularer Diktatur. Demokratie und westliche Werte standen nie zur Debatte. Genauso wie in Libyen, Ägypten, Afghanistan, Jemen, Irak u.s.w.
Wenn der Feind meines Feindes auch mein Feind ist, ist es natürlich dermaßen kompliziert geworden, dass man zwar immer noch was tun kann, aber plausibel erklären, was man wo wie und warum tut, ist dann kaum noch möglich. So tun sich logischerweise auch die Medien schwer, Namen und Begriffe zu benutzen, um den Situationen zwar nicht gerecht, aber doch wenigstens so nah wie möglich zu kommen.
3. Kritisch
alpha.1 23.09.2014
Endlich mal ein kritischerer Artikel, der auch die Schattenseiten beleuchtet und das sagt, was jeder politisch-interessierter Bürger weiß. Die USA machen's eigentlich allen Staaten, ob neue Mächte wie China oder ältere wie Russland, wie man das Völkerrecht bricht, und das nicht zum ersten Mal. Da brauchen sie sich ja gar nicht zu wundern, dass der Ukrainekonflikt so eskalieren konnte, oder warum China Anspruch auf japanische Inseln erhebt und diese auch unter Umständen militärisch durchsetzen würde. Ich will nicht sagen, dass ich finde, dass von dem IS keine Gefahr ausgeht und dass das ein Spaßverein ist, aber die USA als die führende und wichtigste Nation, wie der Amerikaner selbst gern behauptet und was ich mal dahingestellt lasse, sollte doch wohl eher beispielhaft und demokratisch handeln und nicht wie ein autoritäres Regime. Sie müssten zwar einige Kompromisse eingehen, aber ich bin mir sicher, man könnte sich sicherlich einen Zuspruch des UN-Sicherheitsrats einholen. Eventuell könnte man mit diesem Anfang auch Unterstützung anderer Nahost-Staaten, wie z.B. des Irans für sich gewinnen und somit einen neuen Abschnitt gemeinsamer Verständigung und gemeinsamen Friedens schaffen.
4.
rus13 23.09.2014
Zitat von lampenschirm73Da ist sie wieder, die inhaltsleere Floskel die in diesem Zusammenhang offenbar immer kommen muss. "Moderate Rebellen" Was soll denn das sein? Sind das alle die nicht IS sind? Oder sind das alle die für Demokratie und Menschenrechte kämpfen? Im letzten Fall dürfte die Zahl im dreistelligen Bereich liegen. Syrien steht vor der Wahl zwischen Islamisten oder säkularer Diktatur. Demokratie und westliche Werte standen nie zur Debatte. Genauso wie in Libyen, Ägypten, Afghanistan, Jemen, Irak u.s.w.
Das Wort Rebell impliziert doch schon fast, dass da gar keine wirklichen Strukturen existieren. Wir liefern Waffen an die Moderaten, schön und gut, wer versichert uns, dass diese nach dem Einsatz nicht in die falschen Hände geraten? Dort herrscht Krieg, die Menschen sind arm, aber so eine Waffe lässt sich gut verkaufen. Ich denke dem Verkäufer ist es dann egal, ob er diese Waffe an den bärtigen Mann verkauft. Und plötzlich wird diese Waffe dann gegen einen selbst gerichtet...
5. Von tödlichen Marionetten
stowolle 23.09.2014
Sie haben die Puppen für ihre Zwecke tanzen lassen. Sie glaubten die Fäden in der Hand zu halten. Aus Fäden wurden Stricke, die Marionetten gerieten ausser Kontrolle. So trennten die sich von den Marionetten, den mörderischen. Die Puppen von einst sind zur tödlichen Bedrohung auch für die Puppenspieler geworden.
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Fotostrecke
US-Bodentruppen in Syrien: Das hypothetische Szenario

Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 37,548 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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Fläche: 9.833.517 km²

Bevölkerung: 318,857 Mio.

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