IS-Mord Cameron kündigt Rache für enthauptete Geisel an

"Grausam", "barbarisch", "abscheulich": Mit Entsetzen reagieren westliche Politiker auf den Mord der Terrormiliz IS an einer britischen Geisel in Syrien. Premier Cameron verspricht, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

David Cameron (am Samstag vor Soldaten in Afghanistan): Entschlossene Jagd
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David Cameron (am Samstag vor Soldaten in Afghanistan): Entschlossene Jagd


London - Nach der Enthauptung einer britischen Geisel durch die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) haben westliche Staats- und Regierungschefs eine entschiedene Fahndung nach den Tätern angekündigt. Der 47-jährige Taxifahrer Alan Henning aus Manchester war im Dezember im Norden Syriens entführt worden, als er Hilfsgüter für Flüchtlinge in das Bürgerkriegsland brachte.

Der britische Premierminister David Cameron traf sich am Samstag mit Geheimdienstlern, Armeeoffizieren und Vertretern des Außenministeriums, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Der "brutale Mord" an Henning zeigt laut Cameron "wie grausam und abscheulich diese Terroristen sind": "Wir werden alles tun, um diese Mörder zu erwischen und sie zur Rechenschaft zu ziehen."

US-Präsident Barack Obama erklärte, die USA würden zusammen mit ihren Partnern "entschiedene Maßnahmen ergreifen, um den IS zu schwächen und endgültig zu zerstören". Der Uno-Sicherheitsrat erklärte, das Video sei "eine tragische Erinnerung an die zunehmenden täglichen Gefahren für humanitäre Helfer in Syrien". Frankreichs Staatschef François Hollande äußerte sich empört über das "abscheuliche Verbrechen", das nicht ungestraft bleiben werde. Als "entsetzliches Verbrechen gegen die Menschlichkeit" bezeichnete die EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristalina Georgieva, die Hinrichtung. Die Zentralmoschee von Manchester pries den ermordeten Henning als "lokalen und nationalen Helden" und nannte den IS laut der britischen Zeitung "Independent" eine "Beleidigung für den islamischen Glauben". Der Mord markiere "den Anfang vom Ende" der Terrororganisation.

Auch der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach am Samstag in Zusammenhang mit dem IS erneut ausdrücklich von einer "Terrororganisation". Er sagte, die Regierung habe Gruppen wie den IS nicht unterstützt und lasse ausländische Kämpfer nicht über die Türkei nach Syrien reisen. Er verwahrte sich gegen Aussagen von US-Vizepräsident Joe Biden. Laut Biden hat die Türkei eingeräumt, die Grenze zu Syrien in der Vergangenheit nicht ausreichend gesichert zu haben.

Leben weiterer US-Geisel bedroht

Ein gut eine Minute langes IS-Video, das Hennings Hinrichtung zeigt, trägt den Titel "Eine neue Botschaft an Amerika und seine Verbündeten" und ist im gleichen Stil wie die bisherigen Enthauptungsvideos gehalten. Henning ist kniend in orangefarbener Häftlingskleidung mit einem maskierten Mann zu sehen, der ein Kampfmesser in der Hand hält und mit demselben britischen Akzent spricht wie in einem früheren Video.

Henning sagt in die Kamera, dass er als britischer Staatsbürger für den Beschluss des britischen Parlaments büßen müsse, das kürzlich die Beteiligung an den US-geführten Luftangriffen gegen die IS-Milizen autorisiert hatte. Danach tötet der Maskierte Henning.

Wie in vorausgegangenen Videos wird auch in dem neuen Machwerk eine weitere Geisel als mögliches neues Opfer vorgeführt. Das Außenministerium in Washington bestätigte, dass es sich dabei um einen US-Bürger handelt. Einem Bericht der "Washington Post" zufolge soll er bis Juli 2007 als Elitesoldat im Irak gedient haben. Nach seiner Zeit bei der Armee sei er als Entwicklungshelfer nach Syrien gegangen. Um ihn zurück zu seiner Familie zu bringen, würden die USA alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen - militärisch, diplomatisch, rechtlich und geheimdienstlich, teilte US-Außenamtssprecherin Caitlin Hayden weiter mit.

Mit dem Mord an Henning wurden nunmehr vier Geiseln von der IS-Miliz enthauptet. Die Extremisten hatten zuvor die beiden Amerikaner Jim Foley und Steven Sotloff sowie den britischen Entwicklungshelfer David Haines getötet. Zudem ermordeten Dschihadisten in Algerien einen französischen Touristen, nachdem sie ein Ende der Angriffe auf die IS-Miliz gefordert hatten.

Kämpfe im Irak und in Syrien halten an

Der IS hatte Anfang Juni seinen Eroberungsfeldzug im Irak begonnen und beherrscht inzwischen Teile des Irak und Syriens. Die USA führen die internationale Koalition gegen die Dschihadisten an, an der sich auch Großbritannien, Frankreich und mehrere arabische Staaten beteiligen. Am Freitag beantragte auch der kanadische Ministerpräsident Stephen Harper die Zustimmung des Parlaments zur Entsendung von Kampfflugzeugen zu einem sechsmonatigen "Anti-Terror-Einsatz" im Irak.

Die internationale Koalition flog neue Luftangriffe auf die Dschihadisten nahe der belagerten kurdischen Stadt Kobane im Norden Syriens sowie in der nordöstlichen Provinz Hassake. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden in der Nacht zum Samstag 35 IS-Kämpfer getötet, davon fünf nahe Kobane. Die Stadt an der türkischen Grenze wird seit Wochen von den IS-Milizen bedrängt.

Im Irak gelang es sunnitischen Stammeskämpfern unterdessen zusammen mit der irakischen Armee und schiitischen Milizen, die Stadt Dhuluija fast vollständig von den Dschihadisten zu befreien. Stammeskämpfer hatten den Südteil der Stadt rund 90 Kilometer nördlich von Bagdad seit Juni gegen die IS-Miliz verteidigt.

ric/afp/dpa/Reuters

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