Kampf gegen IS Iran schickt seinen gefährlichsten General

Der iranische General Soleimani ist Spezialist für geheime Auslandseinsätze, er führt die berüchtigten Kuds-Einheiten an. Seine neue Mission: Er schult Iraker im Kampf gegen die IS-Milizen, mit ersten Erfolgen.

Kassim Soleimani: Chef der berüchtigten Kuds-Einheit
AFP

Kassim Soleimani: Chef der berüchtigten Kuds-Einheit


General Kassim Soleimani ist nicht der Typ, der zu Hause bleibt, wenn seine Männer in die Schlacht ziehen. Er ist der Chef der Kuds-Einheiten, einer Taskforce für Auslandseinsätze der iranischen Revolutionsgarden. Der 57-Jährige könnte bequem im Hintergrund bleiben. Er zeigt sich aber lieber an der Front.

Zuletzt tauchte Soleimani mitten im Kessel von Amirli im Nordirak auf. Er wurde per Hubschrauber eingeflogen - ein riskanter Flug über die Stellungen der Miliz "Islamischer Staat" (IS). Zwei Monate lang war die schiitisch-turkmenische Kleinstadt Amirli vom IS belagert worden, bevor es dort erstmals gelang, eine Stadt gegen den Ansturm der Radikalen zu verteidigen, ein beachtlicher Erfolg unter Federführung Soleimanis.

Überschwänglich ließ sich der Iraner von seinen irakischen Gefolgsleuten mit einem Jubeltänzchen feiern. Das entsprechende Video fand sich später auf YouTube. Sichtlich genießt Soleimani den Mythos als Irans gefährlichster General, der ihn umrankt.

Er gilt als mutig und ungeduldig bis an die Grenze zur Tollkühnheit, als ehrgeizig, intelligent und extrem charismatisch. Im Sog des Aufstands gegen den iranischen Schah trat Soleimani schon als junger Mann den Revolutionsgarden bei.

Soleimani beriet auch schon das syrische Regime

Seine Missionen sind streng geheim. Iran ist ausgesprochen wortkarg, was den Einsatz der Revolutionsgardisten im Ausland angeht. Erfolg bedeutet für sie auch, dass wenig über ihr Engagement bekannt wird - sei es im Irak, in Syrien, im Libanon oder in Gaza.

Vom derzeitigen Einsatz im Irak ist lediglich bekannt, dass Soleimani als Militärberater die irakischen Milizen in Amirli unterstützt. Dies hatte ein Vertrauter von Ajatollah Ali Chamenei dem Iran-Korrespondenten der "New York Times" bestätigt.

Solche Einsätze sind typisch für ihn: Auch in Syrien fungierte Soleimani schon als Militärberater. Er kämpft nicht selbst, sondern ist eine Art iranischer Unternehmensberater fürs Militärische.

Unter Soleimanis Führung wurde die marode syrische Armee, die von Massendesertierungen geplagt war, zur schlagkräftigen Truppe umgekrempelt. Ihre Vorgehensweise stellte der Iraner von klassischer Kriegsführung auf moderne Guerrillataktik um.

Gleichzeitig schickte der General hochrangige iranische Revolutionsgardisten in den syrischen Bürgerkrieg, um dort Milizen auszubilden. Sie sollten die Armee unterstützen. Sah es jahrelang schlecht aus für den syrischen Machthaber Baschar al-Assad, konnte dieser nun zumindest in einem Teil des Landes seine Macht vorübergehend sichern - auch dank Soleimanis Hilfe.

Der Elitegeneral durchkreuzt die Pläne der USA

Soleimanis Syrien-Mission könnte nun die Blaupause für den Irak werden. Auch dort machen der Armee mangelnder Kampfgeist und Massenflucht zu schaffen. Auch dort setzt der Iraner auf Milizen.

Land und Leute kennt Soleimani im Irak bestens. Schon nach dem Sturz von Saddam Hussein war er jahrelang in dem Land im Einsatz. Er bildete viele der schiitischen Kämpfer aus, die später im irakischen Sicherheitsapparat, in der Bürokratie und in der Politik Karriere machten.

So erfolgreich seine Strategie auch ist, sie ist gleichzeitig brandgefährlich: Ihre Grundlage ist eine Polarisierung entlang von Glaubensbekenntnissen. Zusammenhalt ergibt sich für Soleimani aus der Konfession. Er formt ideologische Gotteskrieger - nur eben keine sunnitischen wie die IS-Miliz, sondern alawitische, christliche oder schiitische.

Die USA und Soleimani kämpfen im Irak zwar gegen denselben Feind, aber mit ihren unterschiedlichen Ansätzen geraten sie sich in die Quere. US-Präsident Barack Obama will in den nächsten Jahren Armee und Politik des Irak unter Einbindung aller Konfessionen erneuern. Die Sicherheitskräfte sollen ein Schmelztiegel aller Glaubensrichtungen und Ethnien werden. Soleimani arbeitet dagegen.



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DenkZweiMalNach 15.09.2014
1. Grenzen neu ziehen
Warum das Dogma, das Grenzen nicht neu gezogen werden dürften. Die meisten Grenzen sind ohnehin keine 100 Jahre als und oft Hinterlassenschaft ehemaliger Grossmächte. Soleimani hat recht, wenn er auf Glaubensrichtungen setzt und nicht auf die Ideologie der USA "alle müssen zusammenarbeiten". Auch wenn manche das möchten, Geld spielt eben doch nicht die erste Rolle im Leben und man kann nicht alles und jeden mit Dollar kaufen.
ssissirou 15.09.2014
2.
Was die amerikanische Strategie gebracht hat, haben wir ja nun gesehen. Ich hoffe, dass Soleimani mehr Erfolg hat, schlimmer kann es ja kaum werden.
atherom 15.09.2014
3. Bravo Raniah Salloum! Und wieder zeigen Sie, zeigt der
Spiegel, was gut und was böse ist: einer Verherrlichung folgen 2 kritische Sätze -sofern man sie so verstehen will. Bravo.
dilinger 15.09.2014
4.
Soleimani ist allenfalls ein Taktiker, dem man möglicherweise zuschreiben kann, dass er den totalen Zusammenbruch der syrischen Armee, zumindest vorerst, verhindert hat. Seine Erfolge relativieren sich, wenn man weiß, dass große Gebiete um die syrische Hauptstadt herum, erst vor wenigen Tagen weitgehend in die Hände von sunnitischen Kämpfern gefallen ist. Die Gebiete südlich von Damaskus, Richtung Golan-Höhen, hat die syrische Armee nach schweren Kämpfen verloren. Und das obwohl schon vor Monaten auch die "legendären" Hisbollah-Kämpfer, sicherlich nicht ohne iranischer Anleitung, mitmischten. Eingenlicht ein Armutszeugnis, den schließlich spielt sich das Ganze in unmittelbarer Nähe von Hisbollah-Land im Südlibanon ab, und nicht hunderte von Kilometer entfernt an der türkischen Grenze.
Butenkieler 15.09.2014
5. neue Grenzen auch in Europa?
wo will denn DenkZweiMalNach hier neue Grenzen ziehen? Nordrhein-Westfalen türkischer Teilstaat und Mecklenburg-Vorpommern die neue Heimat der Aleviten? Ganz so einfach dürfte es dann doch nicht sein.
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