Getötete IS-Geisel Japan trauert um Kenji Goto

Allen Appellen zum Trotz hat die Terrororganisation "Islamischer Staat" den Journalisten Kenji Goto getötet. Japans Premierminister Abe sagt: "Ich bin angewidert."


Tokio - Tagelang hat Japan um das Leben des Journalisten Kenji Goto gebangt. Es war vergebens. Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) hat den Journalisten getötet. Am Samstagabend haben die Dschihadisten ein Video veröffentlicht, das die Enthauptung des 47-Jährigen zeigt. Japans Regierung hält den Film für authentisch.

"Ich bin sprachlos", sagte Premierminister Shinzo Abe in einer ersten Reaktion. "Ich bin angewidert von diesem unmoralischen und heimtückischen Terrorakt." Abe betonte, sein Land habe alles getan, um Gotos Freilassung zu erreichen. Nun werde Japan zusammen mit der internationalen Gemeinschaft dafür kämpfen, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Tokio beteiligt sich nicht direkt an der internationalen Koalition gegen den IS. Die Regierung hat aber 200 Millionen Dollar für die Länder bereitgestellt, die von dem Krieg gegen die Dschihadisten betroffen sind. Der Mörder Gotos - allem Anschein nach handelt es sich bei ihm um einen als "Jihadi John" bekannt gewordenen Terroristen - droht in dem Video deshalb mit weiteren Angriffen. "Lasst den Albtraum für Japan beginnen", sagt der Vermummte. Die Regierung in Tokio hat verstärkte Sicherheitsmaßnahmen für japanische Einrichtungen im Ausland angeordnet.

Japanischer Regierungschef Abe: "Ich bin sprachlos"
REUTERS

Japanischer Regierungschef Abe: "Ich bin sprachlos"

Die Angehörigen des ermordeten Reporters sind erschüttert. "Ich habe bis zuletzt gehofft, dass Kenji lebend zurückkehrt", sagte sein Bruder Junichi dem japanischen TV-Sender NHK. Auch Gotos Mutter Ishido äußerte sich im Fernsehen. "Ich vergieße Tränen des Schmerzes", sagte sie. "Aber ich möchte nicht, dass dieser Schmerz den Anfang einer Kette des Hasses bildet."

Kenji Goto habe von einer Welt ohne Krieg geträumt, sagte seine Mutter. Diese Prinzipien müssen auch nach seinem Tod hochgehalten werden.

Goto, ein erfahrener Journalist, war im Oktober vergangenen Jahres nach Syrien gereist. Seine Witwe Rinko Jogo sagte, er habe sich dort um die Freilassung seines Landsmannes Haruna Yukawa bemühen wollen. Yukawa, ein selbst ernannter Sicherheitsexperte, war im vergangenen Jahr vom IS verschleppt worden. Die Dschihadisten hatten am vergangenen Wochenende ein Video veröffentlicht, das seine Leiche zeigt.

Nur drei Monate bevor Goto nach Syrien ging, war er zum zweiten Mal Vater einer Tochter geworden. Vor seiner Abreise hatte er ein Video gedreht, das nun so etwas wie sein Vermächtnis geworden ist. Darin sagt er: "Ganz egal, was mit mir passiert, ich werde die Menschen in Syrien immer lieben."

Der IS hatte das Schicksal Gotos in den vergangenen Tagen mit dem der jordanischen Geisel Muaz al-Kasaesbeh verknüpft. Der Kampfpilot war Ende Dezember in Syrien abgestürzt und in die Hände der Dschihadisten geraten. Die Terrorgruppe fordert die Freilassung einer Gefangenen aus jordanischer Haft. Das vom IS gesetzte Ultimatum lief bereits am Donnerstagabend ab.

syd/AP



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