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24. September 2014, 08:26 Uhr

Führungsstruktur des "Islamischen Staats"

Organigramm des Terrors

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Der "Islamische Staat" hat ein Terrorregime errichtet. So archaisch die Ideologie der Dschihadisten, so ausgeklügelt ist ihre Führungsstruktur. Die wichtigsten Akteure im Überblick.

Abu Bakr al-Baghdadi herrscht über ungefähr acht Millionen Menschen. Seine Kämpfer kontrollieren ein Gebiet von der Größe Großbritanniens. Die Dschihadisten des "Islamischen Staats" (IS) haben in den Teilen des Irak und Syriens, die sie beherrschen, ein religiöses Terrorregime errichtet. Sie orientieren sich dabei am Vorbild der frühislamischen Gemeinde zu Lebzeiten des Propheten Mohammed (vor rund 1400 Jahren). Gesetze, die von Menschen gemacht werden, lehnen die Islamisten ab. Nur die Regeln, die sich aus dem Koran und den Überlieferungen über Leben und Wirken des Propheten ableiten lassen, betrachten sie als rechtmäßig.

So rückschrittlich die Ideologie der Dschihadisten ist, so ausgefeilt ist die Herrschaftsstruktur des IS. Die Organisation lässt Freund und Feind über die Hierarchien weitgehend im Dunklen, doch nach übereinstimmenden Einschätzungen von Geheimdienst- und Terrorismusexperten ist die Führungsebene des IS wie folgt aufgebaut:

Ganz oben steht Abu Bakr al-Baghdadi. Er führt die Organisation seit mehr als vier Jahren - damals hieß sie noch "Islamischer Staat im Irak". Im Juni dieses Jahres ließ er sich zum "Kalifen" ausrufen, also zum Nachfolger des Propheten Mohammed an der Spitze der islamischen Gemeinschaft. Seither nennt er sich offiziell "Kalif Ibrahim".

Ihm zur Seite stehen zwei Stellvertreter, die Baghdadi höchstwahrscheinlich vor ungefähr zehn Jahren in einem US-Gefangenenlager im Irak kennengelernt hat: Adnan al-Sweidawi und Fadel al-Hayali. Beide bekleideten unter Diktator Saddam Hussein hohe Posten im irakischen Militär. Nachdem die USA das Regime 2003 stürzten und die Armee praktisch auflösten, schlossen sich die Männer dem sunnitischen Widerstand an. Sie bekämpften die Besatzungstruppen und die von Schiiten dominierte Zentralregierung in Bagdad.

Theoretisch kann der "Kalif" abgesetzt werden

Obwohl der IS offiziell die Grenze zwischen Syrien und dem Irak ablehnt, weil sie vor gut hundert Jahren von den Kolonialmächten Frankreich und Großbritannien gezogen wurde, ist sie in der Verwaltung des eroberten Gebiets trotzdem weiter existent. Baghdadis Stellvertreter Sweidawi ist für Syrien zuständig, sein Kollege Hayali für den Irak. Intern wird das Trio "al-Imara" genannt - das Emirat. Ihnen sind insgesamt zwölf Gouverneure unterstellt, die verschiedene Provinzen, arabisch: Wilajat, kontrollieren - fünf in Syrien und sieben im Irak.

Herzstück des IS-Regimes sind jedoch neun Räte, die der Führungsebene direkt unterstellt sind. Sie sind so etwas wie die Ministerien des "Kalifats". Das wichtigste Gremium ist der Schura-Rat, in dem neun Männer sitzen, die in islamischem Recht bewandert sind. Der Rat soll sicherstellen, dass die IS-Spitze sich an die fundamentalistische Auslegung der Scharia hält.

Der Schura-Rat - ein Konzept, das aus der Regierungszeit des Propheten Mohammed vor 1400 Jahren übernommen wurde - berät wiederum den Führungsrat, der alle wichtigen Entscheidungen im "Islamischen Staat" trifft. Theoretisch hat dieses Gremium sogar die Macht, den "Kalifen" abzusetzen. Das immerhin wäre eine echte Premiere: Die vier ersten Nachfolger Mohammeds, auf die sich Baghdadi beruft, starben im Amt. Drei von ihnen wurden ermordet.

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