Einsatz gegen "Islamischen Staat" Kampfjets bombardieren IS-Erdgasanlage

Die USA und ihre Verbündeten nehmen erneut IS-Stellungen in Syrien unter Feuer. Kampfjets sollen eine von den Islamisten kontrollierte Erdgasanlage bombardiert haben. Der türkische Präsident Erdogan plant den Einsatz von Bodentruppen.

AFP

Damaskus/Washington/Ankara - Eine wichtige Erdgasanlage war in der vergangenen Nacht das Ziel von Luftangriffen der USA und ihrer Verbündeten im Kampf gegen den "Islamischen Staat" (IS). Aktivisten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichteten, Kampfjets hätten den Eingang und den Gebetsbereich des Coneco-Komplexes bombardiert. Die Anlage wird von der Terrormiliz kontrolliert.

Mehrere Dschihadisten seien verletzt worden, teilte der Chef der Aktivisten, Rami Abd al-Rahman, mit. Bei der Coneco-Anlage handele es sich um die wichtigste Gasanlage in Syrien. Am Sonntag hatte die von den USA angeführte Koalition auch vier kleinere Raffinerien und die Kommandozentrale des IS in der nordsyrischen Stadt Rakka attackiert. Das teilte das US-Nahostkommando (Centcom) mit.

Mit den Angriffen auf Raffinerien will die Koalition die Finanzquellen des IS stoppen. Im Irak attackiert die US-Luftwaffe die Extremisten bereits seit Anfang August. Washington kann dabei auf eine immer breitere Unterstützung von europäischen Partnern zählen. Nach Frankreich schlossen sich zunächst Großbritannien, Dänemark, Belgien und die Niederlande an.

Erdogan schließt Bodentruppen nicht aus

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bekräftigte, dass sein Land eine militärische Unterstützung der US-Koalition gegen den IS erwägt. Die Türkei könne bei dem Konflikt "nicht außerhalb" stehen, sagte Erdogan beim Weltwirtschaftsforum in Istanbul. Auch einen Einsatz von Bodentruppen schloss der Präsident nicht aus. Regierungschef Ahmet Davutoglu sagte, dass die Regierung am Montag einen Mandatsentwurf für einen Einsatz der Streitkräfte im Irak und in Syrien ins Parlament einbringen werde, der am Donnerstag debattiert werde.

Der Chef der extremistischen Nusra-Front warnte den Westen vor weiteren Luftangriffen in Syrien. Sollten die USA und ihre Verbündeten diese nicht einstellen, werde die Gruppe den Kampf in die westlichen Länder tragen, erklärte der Chef der Nusra-Front, Abu Mohammed al-Dschulani, am Sonntag in einer im Internet verbreiteten Audiobotschaft. Die Botschaft richteten sich an die Bürger "in Amerika und Europa". "Eure Führer werden den Preis für den Krieg nicht alleine zahlen, ihr werdet den höheren Preis zahlen", sagte Dschulani weiter.

Erst am Samstag hatte ein Sprecher der Nusra-Front den USA und ihren Verbündeten in einer Videobotschaft mit Vergeltung gedroht. Nusra-Sprecher Abu Firas al-Suri bezeichnete den internationalen Militäreinsatz gegen den IS in dem im Internet verbreiteten Video als "Krieg gegen den Islam". Am Montag hatte bereits ein IS-Sprecher zu gezielten Tötungen von Bürgern aus westlichen Staaten aufgerufen, die sich am Kampf gegen die Dschihadisten im Irak und in Syrien beteiligen. Die Nusra-Front ist der Ableger des Terrornetzwerks al-Qaida in Syrien.

Obama: US-Geheimdienste haben IS unterschätzt

Die US-Geheimdienste haben nach Ansicht von Präsident Barack Obama die Extremistengruppe "Islamischer Staat" (IS) in Syrien unterschätzt. Zugleich hätten die USA die Schlagkraft der irakischen Armee im Kampf gegen die vorrückenden Dschihadisten überschätzt, räumte Obama in einem am Sonntag ausgestrahlten Fernsehinterview des Senders CBS ein. Die Extremisten hätten sich das Chaos im syrischen Bürgerkrieg stärker zunutze gemacht als erwartet. Syrien sei zu einer Art "Ground Zero" für Dschihadisten aus der ganzen Welt geworden.

Obama verwies dabei auch auf Äußerungen des Direktors der Nationalen Nachrichtendienste, James Clapper. Dieser hatte bereits der "Washington Post" gesagt, die USA hätten nicht mit einem solchen Erfolg der IS-Milizen gerechnet. Zudem räumte Clapper ein, er hätte nie gedacht, dass sich die irakischen Sicherheitskräfte den vorrückenden Dschihadisten im Norden des Golfstaats so schnell geschlagen geben könnten und die Flucht ergreifen würden.

als/Reuters/AFP/dpa

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fatherted98 29.09.2014
1. An statt...
...die Infrastruktur des IRAK in Grund und Boden zu bomben sollten die USA lieber die Angreifer vor den Kurden-Stellungen unter Beschuss nehmen...eine sehr seltsame Taktik die da gefahren wird...ein Schelm wer Böses dabei denkt.
notty 29.09.2014
2. Erdogan spielt falsch
Erdogan hat bis heute die ISIS unterstuetzt und wird es auch weiterhin tun. Zum einen hat er Angst, dass diese Terroristen ihn in seinem eigenen Land angreifen und zwar durch Zellen, die sich mittlerweile gebildet haben und zum zweiten ist ihm Islamismus nicht fremd, sogar wesensverwandt. Nach aussen spielt er jetzt den Koalitionaer gegen die ISIS, aber under cover unterstuetzt er sie weiter. Sein Geheimdienst organisiert LKW-Konvois, die unkontrolliert den Weg zu den Terroristen nehmen. Ein NATO-Mitglied spielt hier falsch...!
tatso 29.09.2014
3. es ist kein Kampf
gegen den Islam als Religion. Es ist ein Kampf gegen die, welche diese an sich friedliche Religion für ihre Macht-Fantasien ausnutzen und die Dummheit der Menschen missbrauchen. Nebenbei sollte jede Gruppierung in Deutschland verboten und due Führer ausgewiesen werden, welche offen oder versteckt sich gegen unser Grundgesetz und die Demokratie stellen, unabhängig von der Religion.
linkereuropäischerpatriot 29.09.2014
4. Innenpolitische Diskussion bezüglich des Umgangs mit Islamisten fehlt weiterhin.
Die innenpolitische Diskussion im Umgang mit potentiellen Bombenleger sowie deren Sympathisanten fehlt weiterhin. Ab einer bestimmten "Größe" von Anschlägen muss eine art Kriegsrecht gelten, unter dessen Nutzung Personen langfristig interniert werden können. Die Anschläge dürfen den Rechten in diesem Land keine Möglichkeit der Selbstjustiz geben. Dies gelingt aber nicht mit einer schönwetter Judikative, die im "normalen" Leben Streitigkeiten um Maschendraht Zäune führt. Weiter fehlt die KLARE Abgrenzung der Muslime gegenüber den Islamisten! Es gibt keine dauerhaften Demonstrationen gegen die eigenen Glaubensgenossen. Dies schürt ebenfalls die Rechte in Deutschland. Ein potentielle Sympathie für die IS, die der ein oder andere moderate Muslim in diesem Land offensichtlich hegt, werden direkte Folgen nicht ausbleiben. Diese werden aber wie immer die falschen, die Frauen und Kinder, treffen.
dilido 29.09.2014
5. Hier geht es doch nicht um Isis ....
... die Infrastruktur Syriens soll zerstört und Assad soll gestürzt werden. Es geht hier um "divide and conquer". Syrien muss auseinanderfallen und ein Vasall der US werden. Dann bleibt nur noch der Iran übrig .... Isis wurde doch von den US und ihrer arabischen "Koalition der Willigen" erst einmal finanziert.
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