Schwere Kämpfe IS-Milizen nehmen Kobane unter Dauerfeuer

Trotz schwerer US-Luftangriffe: Die IS-Milizen stehen direkt vor der Stadt an der türkischen Grenze. Bei ihrem Vormarsch haben die Dschihadisten mehrere kurdische Frauen enthauptet.

Granateneinschlag in Kobane: IS nimmt die Grenzstadt unter Beschuss
AP/dpa

Granateneinschlag in Kobane: IS nimmt die Grenzstadt unter Beschuss


Berlin/Ankara - Die Kämpfer der Terrororganisation "Islamischer Staat" sind bis an die Stadtgrenze von Kobane vorgerückt. Derzeit konzentrieren sich die Gefechte auf das Gebiet um den Mistenur-Hügel am südöstlichen Stadtrand.

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Die IS-Kämpfer versuchen seit Tagen den strategisch wichtigen Berg einzunehmen, der oberhalb von Kobane liegt. Derzeit kontrollieren die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) allerdings noch die Bergspitze. Sollten die IS-Einheiten den Berg einnehmen, könnten sie von dort aus die ganze Stadt unter Beschuss nehmen, die auch unter ihrem arabischen Namen Ain al-Arab bekannt ist.

Bei den Gefechten um die Stadt, die direkt an der syrisch-türkischen Grenze liegt, seien 16 IS-Dschihadisten und elf kurdische Kämpfer getötet worden, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit. Die USA und ihre arabischen Verbündeten hätten die Kurden mit insgesamt sieben Luftangriffen bei Kobane unterstützt. Trotzdem hat die Allianz den Vormarsch der Milizionäre auf die Grenzstadt bislang nicht entscheidend aufhalten können.

Dschihadisten enthaupten kurdische Kämpferinnen

Die IS-Milizionäre nehmen die Stadt unter schweren Granatenbeschuss. Journalisten auf der türkischen Seite der Grenze berichten, dass etwa alle zwei Minuten ein Geschoss in Kobane einschlage. Den kurdischen YPG-Kämpfern gelang es, mehrere Panzer des IS zu zerstören. Angeblich haben die militanten Islamisten inzwischen zusätzliche Kräfte aus ihren Hochburgen Rakka und Deir al-Sor mobilisiert.

Die Dschihadisten gehen bei ihrem Vormarsch mit ungeheurer Brutalität vor. Auf Twitter verbreiteten sie Bilder, auf denen IS-Terroristen mit den abgeschlagenen Köpfen kurdischer Kämpferinnen posieren. Offenbar fielen ihnen Frauen in Dörfern in der Umgebung von Kobane in die Hände.

Auch auf der türkischen Seite der Grenze wird die Lage für die Menschen immer gefährlicher. In einem Grenzdorf wurden mindestens fünf Anwohner durch Querschläger verletzt. Daraufhin ordneten die Behörden die Evakuierung zweier grenznaher Orte an.

Die Türkei hat bislang nicht in die Kämpfe eingegriffen, obwohl das Parlament in Ankara am Donnerstag seine Einwilligung zu Militäreinsätzen gegen den IS in Syrien und im benachbarten Irak gegeben hat. Infolge der Kämpfe um Kobane sind rund 180.000 Kurden über die Grenze in die Türkei geflüchtet.

syd/Reuters/dpa/AFP

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