Kampfansage an Dschihadisten Syriens Kurden und Araber schmieden Allianz gegen den IS

Sie sind die schlagkräftigsten Gegner des "Islamischen Staates" in Syrien: die kurdischen Volksverteidigungseinheiten und die arabischen Rebellenmilizen im Norden des Landes. Jetzt treten sie gemeinsam an - als "Demokratische Kräfte Syriens".

Kurdin bei den Volksverteidigungseinheiten (YPG): Schlagkräftig gegen die Dschihadisten
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Kurdin bei den Volksverteidigungseinheiten (YPG): Schlagkräftig gegen die Dschihadisten


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Schon seit Monaten kämpfen sie zusammen gegen den "Islamischen Staat". Nun haben sie offiziell ein Bündnis ausgerufen. Die syrisch-kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) und syrisch-arabische Rebellenmilizen wollen in Zukunft gemeinsam unter dem Namen "Demokratische Kräfte Syriens" firmieren.

Die syrischen und arabischen Kämpfer im Norden Syriens haben sich als besonders schlagkräftig gegen die Dschihadisten erwiesen: Sie haben dem IS eine Reihe von schmerzhaften Niederlagen beschert und die Kontrolle über große Teile der syrisch-türkischen Grenze erobert. Unterstützt werden sie aus der Luft von US-Kampfjets.

"Die schwierige Lage, in der sich unser Land Syrien befindet, ... macht eine vereinte, nationale militärische und politische Kraft für alle Syrer notwendig - Kurden, Araber, Syrische Aramäer und andere Gruppen", hieß es in ihrer gemeinsamen Erklärung.

Grün-Gelb im Norden: Das arabisch-kurdische Bündnis kämpft gemeinsam gegen den "Islamischen Staat"
SPIEGEL ONLINE

Grün-Gelb im Norden: Das arabisch-kurdische Bündnis kämpft gemeinsam gegen den "Islamischen Staat"

Neues Bündnis bekennt sich zum Vielvölkerstaat

Syrien ist ein Vielvölkerstaat: Syrer haben viele verschiedene ethnische und konfessionelle Hintergründe. Das neue Bündnis der "Demokratischen Kräfte Syriens" bekennt sich klar dazu.

Die Erklärung kommt zudem einer Kampfansage an den IS gleich, aber auch an andere islamistische syrische Rebellenmilizen, die Diversität ablehnen. Statt einer Gleichberechtigung der unterschiedlichen Gruppen Syriens wollen die Radikalen eine erzkonservativ-sunnitische Einheitskultur durchsetzen, im Zweifelsfall mit Gewalt.

Beteiligt an dem Bündnis sind vor allem diese drei Gruppen:

  • Volksverteidigungseinheiten (YPG): Sie sind der syrische Ableger der türkisch-kurdischen Arbeiterorganisation PKK. Die Miliz wird autoritär geführt. In den von ihr beherrschten Gebieten in Syrien herrschen derzeit jedoch tatsächlich am ehesten demokratische Strukturen. Sie setzt sich für Frauenrechte und Religionsfreiheit ein und fordert mehr Autonomie innerhalb eines syrischen Nationalstaats. Die Zahl ihrer Kämpfer in Nordsyrien wird auf mindestens 20.000 geschätzt.

  • Armee der Revolutionäre: Sie sind eine der sogenannten moderaten Rebellengruppen aus Nordsyrien und zählen sich zur "Freien Syrischen Armee", einem Dachverband der Moderaten. Die Zahl ihrer Kämpfer wird auf mehrere Tausend geschätzt.

  • Assyrische Miliz: Mehrere Hundert syrische Christen aus dem Norden des Landes haben sich bewaffnet und zu einer eigenen Gruppe zusammengeschlossen, die sich zu dem neuen Bündnis bekennt. Ihr Ziel ist es, ihre Dörfer gegen die Dschihadisten zu verteidigen.

Die USA wollen dem neuen Bündnis mehr helfen

Die USA überlegen derzeit, ihre Unterstützung für das Bündnis auszuweiten. Im Gespräch sind Waffenlieferungen an die neu ausgerufene Allianz. So soll der Druck auf den IS in Syrien erhöht werden.

Bisher hat sich die US-Regierung mit ihrer Hilfe zurückgehalten. Denn mehrere mit den USA verbündete Regierungen betrachten die YPG skeptisch bis feindlich: Die PKK, ihre Mutterorganisation, steht noch immer auf der Liste der Terrororganisationen mehrerer europäischer Länder wegen ihrer Anschläge auf türkische militärische und zivile Ziele in den Achtziger- und Neunzigerjahren. Der Krieg zwischen der Türkei und der PKK ist im Juli wieder aufgeflammt

Zusammengefasst: Syrisch-kurdische und syrisch-arabische Kämpfer wollen enger zusammenarbeiten im Kampf gegen den "Islamischen Staat". Sie haben ein neues Bündnis ausgerufen, die "Demokratischen Kräfte Syriens". Die USA überlegen, dem Bündnis mehr zu helfen - auch mit Waffenlieferungen.

ras/Reuters

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Seite 1
you_name_it 12.10.2015
1.
die einen laufen weg die anderen kämpfen, nur wer da jetzt stark ist und überlebt wird nach dem Konflikt was zu melden haben und die Kurden haben nicht nur den IS als Gegner sondern auch unseren Verbündeten die Türkei. Als hätte sich seit dem Mittelalter nichts verändert.
ein_verbraucher 12.10.2015
2. Das wird aber Erdogan
gar nicht gefallen. Die Kurden kämpfen nicht gegen Assad...komisch oder? Dadurch können Sie Ihre Kräfte besonders auf den IS richtgen, das ist auch gut so. Auf der anderen Seite ist die YPG der syrische Arm der PKK (Terroristen). Moderat oder nicht, islamist oder nicht, Terrorist oder nicht? Liebe Leser, lassen Sie sich nicht verschauckeln. Die einzigen oben stehenden moderaten ist die Assyrische Miliz die sich ausschließlich zum Schutz Ihrer Dörfer zusammengeschlossen haben. Der Rest sind Terroristen und Islamisten.
Racer77 12.10.2015
3. Kritisiert man dann auch die Türkei?
Mal schauen ob dann die Türkei genauso wie Russland für ihre Angriffe auf die verbündeten gegen den IS kritisiert, wie man es zur Zeit bei Russland macht. Und die türkische Luftwaffe fliegt zur Zeit einen Angriffskrieg gegen einen Teil dieser Truppen. Genauer gegen die stärksten Gegner des IS. Ich vermisse immer noch die klare Kritik des Westens an Erdogan und der ihm hörigen türkischen Regierung!
DerBaske 12.10.2015
4. Ist das Satire?
Ich hoffe, dass es Satire ist, dann ist sie gut. Sollte dieser Beitrag allerdings ernst gemeint sein... Assyrische Miliz? Armee der Revolutionäre? o je, Spon, übernimmst du auch folgendes: Demokratisch-semitische Nordmiliz und "Jesuitische Jünger zur Befreiung des Klosters"-Miliz? Nun wird es krud!
Ossifriese 12.10.2015
5. Alte Hüte
Aber hallo! Mal abgesehen von dem Verhältnis der Kurden zur aktuellen Regierung in der Türkei (und vor allem umgekehrt) - wie stehen denn diese Rebellen zu den syrischen Truppen Assads? Immerhin symbolisiert auch das Assad-Regime einen Vielvölkerstaat! Gegen wen tritt diese aus dem Nichts erscheinende vieltausendköpfige Truppe denn nun wirklich an? Nur gegen den IS? Oder auch gegen Assad? Da scheint mir ein neuer Propagandaclou der US-Amerikaner wahrscheinlicher. Denn irgendwie muss man nun reagieren auf die russische Unterstützung Assads. Denn es wäre ja möglich, dass sich die "vielen Völker" unter dem alten Regime doch besser aufgehoben fühlen und möglicherweise "siegreich" den Bürgerkrieg beenden. Der Hut, aus dem man diese frischgebackene Allianz nunmehr zaubert, ist mir jedenfalls äußerst suspekt. Wenn nicht erlogen.
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