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Kampf gegen IS: Luftschläge zeigen offenbar erste Erfolge in Kobane

REUTERS

Die Terrormiliz IS soll sich aus Teilen der umkämpften Stadt Kobane zurückgezogen haben. Syrischen Aktivisten zufolge waren die amerikanischen Luftschläge der Grund dafür. Die Straßen seien voller Leichen.

London - Der "Islamische Staat" (IS) hat in der Nacht zum Mittwoch einige Viertel der umkämpften nordsyrischen Grenzstadt Kobane aufgegeben.

Nach internationalen Luftangriffen am Dienstag hätten die IS-Kämpfer Gebiete im Osten und am Südwestrand der Stadt verlassen, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abd al-Rahman. Allerdings seien IS-Kämpfer weiterhin in der Stadt. Rahman begründete den Rückzug mit den Attacken auf IS-Stellungen vor Kobane.

Die von den USA geführte Militärallianz flog auch am Mittwoch bereits einen Luftangriff gegen den IS. Ein hochrangiger Behördenvertreter des Bezirks, Idris Nassan, sagte am Mittwoch: Der Beschuss und das Bombardement seien sehr wirkungsvoll gewesen. "Das ist ihr größter Rückzug seit sie in die Stadt eingedrungen sind", sagte Nassan und zeigte sich äußerst optimistisch. "Wir können davon ausgehen, dass das der Beginn ihres Rückzuges aus der Region ist."

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Schlacht gegen IS: Hoffnung für Kobane
Die strategisch wichtige Stadt an der Grenze zur Türkei, die auf Arabisch Ain al-Arab heißt, ist seit Wochen stark umkämpft. Trotz heftiger Gegenwehr kurdischer Milizen und internationaler Luftangriffe drangen die IS-Dschihadisten am Montag erstmals in die Stadt ein.

Der kurdische Aktivist und Journalist Mustafa Ebdi berichtete am Mittwoch bei Facebook, die Straßen des Maktala-Viertels im Südosten Kobanes seien "voller Leichen" von IS-Kämpfern. Er warnte, die humanitäre Lage für die Hunderten in der Stadt verbliebenen Zivilisten sei sehr schwierig.

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Luftangriffe gab es laut kurdischen Medien auch auf Stützpunkte der Terrormiliz auf dem strategischen wichtigen Hügel von Mischtanur. Dabei seien auch Waffendepots zerstört worden. Im Südwesten der Stadt hätten Dschihadisten hingegen einige Gebäude übernommen.

Noch am Dienstagabend gab esextrem pessimistische Prognosen aus dem Weißen Haus. Die kurdische Enklave werde sich nicht mehr lange halten, prophezeite US-Generalstabschef Martin Dempsey im TV-Sender ABC: "Ich fürchte, Kobane wird fallen."

Erstmals räumten die Amerikaner damit eine solche Niederlage gegen den IS offen ein. Wie erfolglos die US-Luftschläge zumindest in Kobane waren, leugnete Vier-Sterne-General Dempsey dabei nicht: Man versuche den IS zwar zu treffen, "wo wir können" - doch die Terroristen seien enorm flexibel und wüssten sich immer wieder "herauszumanövrieren".

Die syrischen Kurden baten die internationale Gemeinschaft eindringlich um schwere Waffen zur Verteidigung Kobanes. "Jeder sagt 'wir stehen Euch bei'", sagte der Ko-Präsident der syrischen Kurden-Partei PYD, Salih Muslim, der türkischen Zeitung "Hürriyet Daily News". Kein Land unternehme dafür aber konkrete Schritte. "Wir wollen panzerbrechende Waffen."

ler/AFP/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Kampfmoral !
gerd06 08.10.2014
Trotz großer waffentechnischer und personeller Unterlegenheit der kurdischen Kämpfer(innen) zeigt es sich, was Kampfmoral und die Verteidigung der Heimat bewirken kann. Wenn sich die Unmenschen nun teilweise zurückziehen zeugt das von der Überlegenheit der Verteidiger(innen) im Nahkampf, aber auch das der Nachschub der Bastarde durch die Luftangriffe wohl ins Stocken geraten ist. Trotzdem wird wohl Kobane fallen, weil es Erdogan so will und die USA ihn noch braucht.
2. Wehret den Anfängen!
vielflieger_1970 08.10.2014
Dafür ist es eigentlich schon zu spät, aber besser jetzt als noch länger warten. Diese ca 30.000 Terroristen müssen, auch wenn dies politisch unkorrekt ist, ausgemerzt werden! Und ja keine Waffen in die Region, die sehen wir nie wieder. Es müssen Truppen reingeschickt werden. Ich bin grundsätzlich gegen Gewalt und Krieg, aber hier ist es Notwehr gegenüber unmittelbarer brutaler Gewalt. Es wird nicht ohne Bodentruppen und zivile Opfer gehen, das gabs noch in keinem Krieg.Aber dieser Preis muss gezahlt werden, um diese viehischen Schlächter zu eliminieren!
3. Wieso immer nur der Westen
moe.dahool 08.10.2014
Wo sind die Chinesen, wo bleiben die Russen? Beide haben die Technik und die Manpower. Wieso sind es immer nur die gleichen Nationen, die mehr oder weniger Verantwortung übernehmen? Wieso liest man nie, dass im UN Sicherheitsrat internationale Truppen zumindest diskutiert werden? Die Welt scheint noch nicht begriffen zu haben, dass sich die Spielregeln, u.a. durch die neuen Medien, verändert haben. Mein Idee wäre, dass die Weltgemeinschaft, unter Einbindung aller größeren Militärnationen, eine echte Armee erstellt und den IS regelrecht überrollt. Wenn nur zehn Nationen je 10000 Soldaten stellen würden, hätte man schon eine schlagkräftige Truppe, die Kosten hielten sich im Rahmen, und ich bin mir sicher, dass man es dann auch den jeweiligen Bevölkerungen verklickern könnte.
4. endlich
tinosaurus 08.10.2014
mal ein etwas hoffnungsvoller Artikel. Die Amerikaner sollten den mutigen Kurden die geforderten panzerbrechenden Waffen zukommen lassen, auch wenn das Erdogan sicher nicht passen würde. Und sie sollten die Luftschläge intensivieren. Dann bestände vielleicht Hoffnung. Bessere Bodentruppen werden die Amis so schnell nicht bekommen.
5. Ich verstehe das nicht
zeichenkette 08.10.2014
Konsequent durch Bomben und Luftangriffe den Nachschub blockieren, dann gehen denen doch schnell Munition und Kämpfer aus, oder? Klingt alles nicht so, als sei man wirklich daran interessiert, hier mit Erfolg einzugreifen. Manchmal hat man wirklich das Gefühl, dass hier hinter den Kulissen schon lange entschieden worden ist, ISIS bis an die Grenze der Türkei zu lassen, damit die Türkei das Kurdenproblem los ist... in der Hoffnung darauf, dass die Türkei dann aufhört, ISIS zu unterstützen, weil diese dann ihren Job getan hat und die Türkei ab dann sich selber schaden würde, wenn sie nicht nicht gegen Angriffe vorgeht. Die Kurden können einem wirklich leid tun, zumal die kurdischen Gebiete in der jüngsten Vergangenheit einer der wenigen Lichtblicke in der Region waren, und in denen ganz im Gegensatz zur Umgebung halbwegs zivilisierte Zustände und Frieden herrschten.
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