Sieg über den IS Das bedeutet Assads Triumph in Palmyra

Für Syriens Machthaber Assad ist die Rückeroberung Palmyras vom IS ein wichtiger Sieg. Doch wie geht es in dem Krieg weiter? Drei Punkte werden nun entscheidend.

AP/ SANA

Die Rückeroberung von Palmyra ist für Syriens Präsident Baschar al-Assad ein großer Erfolg. Die Bilder der Soldaten des Regimes in den berühmten Ruinen der Oasenstadt gingen um die ganze Welt: ein kollektives Aufatmen, dass die historischen Stätten nicht mehr unter der Kontrolle des "Islamischen Staates" (IS) sind.

Doch was bedeutet dieser Sieg für den Kampf gegen den "Islamischen Staat" und den Bürgerkrieg in Syrien? Ein Überblick:

Müssen die Einwohner Palmyras nun Assads Truppen fürchten?

Das Verhältnis zwischen dem syrischen Regime und vielen Einwohnern von Palmyra ist seit Langem angespannt. Bereits 2011 kam es in der Stadt zu großen Demonstrationen gegen Assad. Danach ging Damaskus militärisch gegen die Opposition in Palmyra vor. Manche Einwohner der Stadt waren im vergangenen Jahr offenbar so weit, die Terrormiliz dem Regime vorzuziehen: Die Dschihadisten konnten sich bei ihrer Eroberung der Stadt auf einzelne einheimische Schläferzellen stützen. Nur wenn Damaskus nun auf Racheakte verzichtet, werden die Einheimischen, die vor dem IS aus Palmyra flohen, sich wieder zurück in ihre Stadt trauen.

Wird der "Islamische Staat" weiter zurückgedrängt?

Der Verlust von Palmyra war eine noch größere Überraschung als nun die Rückeroberung: Der IS konnte die von Wüste umgebene Stadt 2015 nur deswegen erobern, weil das Regime einen Großteil seiner Kräfte von dort abzogen hatte. Warum es dies tat, ist unklar. Wie sehr der IS geschwächt ist, werden die kommenden Schlachten zeigen: Nach Angaben der Armeeführung rücken die syrischen Truppen als Nächstes in Richtung Deir Al-Sor vor, wo der IS seit rund zwei Jahren Positionen der syrischen Armee belagert. Gelingt es Assads Soldaten, die Belagerung zu durchbrechen, wäre dies für den IS ein herber Rückschlag: Er müsste um seine Verbindungswege zwischen Syrien und dem Irak fürchten.

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Was bedeutet der Sieg in Palmyra für die Feuerpause in Syrien?

Vor Beginn der Feuerpause hatte sich das syrische Regime auf den Kampf gegen die Opposition konzentriert und den "Islamischen Staat" gewähren lassen. Mit Beginn der Waffenruhe vor vier Wochen änderte sich das: Erstmals nahm Assad mit russischer Unterstützung den Kampf gegen den IS ernsthaft auf. Nach der Rückeroberung von Palmyra kann der Diktator seine Kämpfer nun als Bollwerk gegen die Dschihadisten inszenieren. Daran hat die syrische Opposition, deren Milizen bereits seit Jahren den IS bekämpfen, aber kein Interesse. Denkbar ist deshalb, dass die Feuerpause aufgekündigt wird. Die nächste Runde der Friedensverhandlungen in Genf, die am 11. April beginnen sollen, dürfte noch schwieriger werden: Nach dem Sieg von Palmyra ist kaum zu erwarten, dass das syrische Regime zu Kompromissen bereit ist.

Video: Drohnenbilder der zerstörten Stadt

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