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IS-Kommandeur Omar al-Schischani: Der rote Dschihadist

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Dschihadist Schischani: 2010 wurde für den Georgier zum Schicksalsjahr Zur Großansicht
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Dschihadist Schischani: 2010 wurde für den Georgier zum Schicksalsjahr

Omar al-Schischani gilt als wichtigster Militärkommandeur des "Islamischen Staats". Vor drei Jahren saß der schüchterne junge Mann noch in einem Gefängnis in Georgien. Die Geschichte einer Radikalisierung.

Der Dschihad hat Spuren hinterlassen im Gesicht von Omar al-Schischani. Seine Haut ist teigig, die Augen liegen in tiefen Höhlen, der rote Bart reicht bis zur Brust. Schischani sieht deutlich älter aus als 28. Sein Alter offenbart sich erst, wenn er den Mund aufmacht: In den Internetvideos spricht ein schüchterner Mann mit leiser Stimme, der die Augen meist niederschlägt und oft Schwierigkeiten hat, die richtigen Worte zu finden.

Und doch ist Schischani in den vergangenen Monaten zu einer der Führungsfiguren im "Islamischen Staat" (IS) aufgestiegen. Inzwischen gilt er als wichtigster Militärkommandeur der Dschihadisten. Er befehligt den Vormarsch in der irakischen Provinz Anbar. Im Sommer trat er in einem Video auf, das die Abschaffung der syrisch-irakischen Grenze durch den IS feiert. Seither ist der Kommandeur mit seinen Truppen immer weiter nach Norden und Osten vorgedrungen. Nur noch etwas mehr als 20 Kilometer trennen die IS-Kämpfer von Bagdad.

Der Vormarsch seiner Männer ist der bisherige Höhepunkt in Schischanis Dschihadistenkarriere, die erst vor zwei Jahren begann. Anfang 2012 wurde aus Tarkhan Batiraschwili "Omar al-Schischani", also "Omar, der Tschetschene". Diesen Kampfnamen suchte er sich selbst aus - dabei ist Batiraschwili gar kein Tschetschene.

Er wird 1986 in Georgien geboren, sein Vater ist Christ, seine Mutter Muslimin. Zu Sowjetzeiten sind interkonfessionelle Ehen noch keine Seltenheit.

2010 wird zum Schicksalsjahr

Batiraschwili wächst im georgischen Pankissi-Tal auf, das während der Tschetschenien-Kriege den islamistischen Aufständischen als Rückzugsgebiet dient. Sein Vater Taimuras berichtet später, dass der Sohn schon in seiner Kindheit tschetschenischen Kämpfern geholfen und sie manchmal auch begleitet habe.

Nach der Schule schließt sich Batiraschwili der georgischen Armee an. Dort steigt er bis zum Sergeant in einer Aufklärungseinheit auf und kämpft 2008 im Kaukasuskrieg an vorderster Front gegen Russland. Batiraschwili bewährt sich im Kampf und hofft auf eine Beförderung.

Doch dann, im Jahr 2010, kommt alles anders: Für Batiraschwili wird es ein Schicksalsjahr. Ärzte diagnostizieren bei ihm Tuberkulose. Erst liegt er monatelang im Militärkrankenhaus, dann entlässt ihn die Armee aus medizinischen Gründen. Sein Versuch, ins Militär zurückzukehren, scheitert. Auch die Polizei weist seine Bewerbung ab. Im gleichen Jahr stirbt auch seine Mutter an Krebs. "Mein Sohn verlor jede Zuversicht", erinnert sich der Vater später.

IS-Kommandeur Schischani: Treueeid für Dschihadistenchef Baghdadi Zur Großansicht
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IS-Kommandeur Schischani: Treueeid für Dschihadistenchef Baghdadi

Im September 2010 wird Batiraschwili festgenommen und wegen illegalen Waffenbesitzes zu drei Jahren Haft verurteilt. Im Gefängnis radikalisiert sich der junge Mann. "Ich versprach Gott, dass ich, wenn ich lebend aus dem Knast kommen sollte, für Gott in den Dschihad ziehen würde", sagt der Islamist später in einem Interview, das in einem Islamisten-Forum veröffentlicht wird. Als er nach 16 Monaten Anfang 2012 vorzeitig freikommt, nennt sich Batiraschwili "Omar al-Schischani". Nach einem kurzen Aufenthalt in Ägypten zieht er im März 2012 in den syrischen Bürgerkrieg.

Schischani soll Islamisten aus dem Kaukasus anwerben

Dort steigt er rasch zum Anführer der Muhadschirin-Brigade auf, einer Miliz, die in Nordsyrien aktiv ist und in deren Reihen fast ausschließlich Kaukasier und andere Ausländer kämpfen. Die Dschihadistentruppe ist an der Schlacht um Aleppo beteiligt, im August 2013 stürmen sie den Militärflughafen Minnagh in der Nähe der türkischen Grenze.

Doch trotz seiner militärischen Erfolge erkennt Schischani, dass er stärkere Partner braucht. Er leistet einen Treueeid gegenüber Abu Bakr al-Baghdadi, dem Anführer der Terrororganisation, die sich damals noch "Islamischer Staat im Irak und in Syrien" nennt. Mit seinen mehreren Hundert Kämpfern schließt sich Schischani Ende 2013 der rücksichtlosesten und mächtigsten Dschihadistengruppen im Nahen Osten an.

Seither ist er nicht nur einer ihrer wichtigsten Kommandeure, er ist trotz mangelnden Charismas eines der bekanntesten Gesichter des IS. Schischani, der öffentlich zumeist auf Russisch redet, soll Islamisten aus den Ex-Sowjetrepubliken nach Syrien und in den Irak locken. Deshalb betont er, dass der Kampf im Nahen Osten nur die erste Etappe sei. Hat sich das ausgerufene "Kalifat" erst einmal stabilisiert, werde er den Dschihad nach Russland tragen, verspricht Schischani.

Zweimal hat er sich in den vergangenen Monaten bei seinem Vater gemeldet. Einmal, um Drohungen gegen Russland auszusprechen, das andere Mal hatte er eine private Nachricht: "Ich habe eine Tochter", sagte er seinem Vater. "Sie sieht aus wie du."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
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1. Werbung?
LouisWu 21.10.2014
Solche Artikel werden viele junge Männer begeistern, die hier im Westen nichts auf die Reihe bekommen haben, aber tief im Innern vom Gefühl beseelt werden, dass sie zu Höherem berufen sind und ihre Religion unbedingt die Welt beherrschen sollte. Es ist eben einfacher, mit einer Kalaschnikow Leute umzubringen als einen Schulabschluss zu machen....
2. und der Dschihad kam grade Recht...
matze_wehlau 21.10.2014
Es gibt offensichtlich eine Vielzahl von Gründen um in den Dschihad zu ziehen. Ob es aber tatsächlich der Gottesdienst ist, der die jungen Kämpfer da lockt, bezweifle ich stark. Ich denke vielmehr, dass dieser Einsatz ein willkommener Grund bzw. eine gute Gelegenheit ist, um gegen Minderwertigkeitskomplexe und mangende Perspektive anzukämpfen. Teil einer starken Gruppe zu sein übt, insbesondere auf Männer, seit jeher eine unwiderstehliche Faszination aus. Gerade für Menschen die es bis dato nicht geschafft haben, Teil einer festen Gruppe zu werden, halte ich für besonders gefährdet. Dem Krieg sind alle Recht. Da kann man auch schüchtern und introvertiert sein und trotzdem "was werden". Das hat doch schon immer funktioniert. Wer vor 33 noch Außenseiter und Sonderling war, wurde danach oft zum überzeugtesten Nazi. Dann gibt es noch die andere Gruppe. Die sieht hier eine Gelegenheit - Aggressionen ungezügelt auszuleben. Schwer zu sagen, welche gefährlicher ist. Beide sind ein Beleg dafür wie einfach gestrickt der Mensch doch ist. Wir stecken trotz aller kultureller Errungenschaften, immer noch voller primitivster Aggressionen. Es verwundert wie wir als Spezies so lange überleben konnten. Vermutlich liegt es nur daran, dass am Ende des Kampfes immer welche übrigbleiben…
3. Fast vier Jahre habt ihr gebraucht
erasmus89 21.10.2014
den Mann zu proträtieren. Bei der Gelegenheit sollte Herr Sydow auch Herrn Muslim al-Shishani behandeln, ich kann ihm gerne helfen dabei (lol). Denn der kämpft als charismatischer Anführer bei der Nusra Front Seit an Seit mit der Harakat Hazzm, die von den USA unterstützt werden. Nicht nur der IS ist gefährlich, sondern alle radikale Islamisten, die ein Kalifat errichten wollen, und das sind extrem viele (Ausländer).
4.
hannac. 21.10.2014
Trotzdem, irgendwer muss die jungen Männer doch finanzieren. Auch wenn ein Glauben noch so fanatisch ist, alles steht und fällt mit dem Geld. Also wo kommt es ? Wer bezahlt die ehemals am PC sitzenden kriegsspielenden Männer.
5. Der Rote Massenmörder
alyeska 21.10.2014
Die "Karriere" dieses anscheinend Zurückgebliebenen so zu schildern, lockt sicher Nachahmer an. SPON sollte darüber nachdenken bevor es solche Geschichten verbreitet.
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