Kampf gegen IS als PR-Offensive Golfstaaten starten Operation Wüstenmaid

Die arabischen Golfstaaten nutzen den Luftkrieg gegen den IS für eine PR-Kampagne. Sie veröffentlichen Bilder ihrer Piloten, um für den Kampf gegen die Dschihadisten zu werben. Die Protagonisten: ein saudischer Prinz und eine Pilotin aus den Emiraten.

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AFP/ SPA

Die Bilder sehen aus wie Werbeplakate für die arabische Version von "Top Gun": Soldaten posieren in einem Hangar vor einem Kampfjet. Auf einem anderen Foto sitzt eine Pilotin lächelnd im Cockpit, mit erhobenem Daumen.

Doch diese Aufnahmen sollen nicht für einen neuen Film werben, sondern für einen Krieg, den es wirklich gibt. Die Armeen von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) haben die Bilder veröffentlicht. Sie zeigen Piloten, die an den Bombenangriffen auf Stellungen der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) im Irak und Syrien beteiligt sind.

Die PR-Strategen in Riad und Abu Dhabi haben die Motive ausgesucht, um die Monarchien am Golf als moderne islamische Staaten zu präsentieren, die im Kampf gegen die Dschihadisten vorangehen. Einer der saudi-arabischen Piloten, die in der milden Abendsonne abgelichtet wurden, ist Chalid Bin Salman, Sohn von Kronprinz Salman Bin Abd al-Asis. Er fliegt einen Jagdbomber vom Typ "Tornado" IDS. Nach Angaben des Königshauses steuert Prinz Chalid eines von vier Kampfflugzeugen, die an dem Einsatz gegen den "Islamischen Staat" beteiligt sind.

Viele Saudi-Araber unterstützen den IS

Für das saudi-arabische Regime ist die Veröffentlichung der Bilder riskant. Denn viele Untertanen von König Abdullah sympathisieren mit dem IS. Die Ideologie der Dschihadisten ist von der staatlich geförderten Auslegung des Islams auch gar nicht so weit entfernt. Schließlich verfolgt auch Saudi-Arabien Andersgläubige, seit Jahresbeginn hat das Regime mehrere Dutzend Menschen köpfen lassen.

Die Tageszeitung "al-Hayat" führte im August eine Umfrage in Saudi-Arabien durch. Demnach waren 92 Prozent der Befragten der Ansicht, dass der "Islamische Staat" mit den Werten des Islams und der Scharia übereinstimme. Mehrere wohlhabende Saudi-Araber sind verdächtig, den Aufstieg der Dschihadisten mitfinanziert zu haben.

Nun versucht das Königshaus gegenzusteuern: Die Medien des Landes verbreiten die Bilder der Piloten und erklären, dass der IS bekämpft werden müsse, weil die Terroristen den Islam in ein schlechtes Licht rückten.

Die Dschihadisten reagierten umgehend: Sie rufen nun dazu auf, Prinz Chalid und seine Kameraden zu töten, weil sie sich an Seiten der USA am Krieg gegen den IS beteiligten.

Sexistische Sprüche bei Fox News

Die Vereinigten Arabischen Emirate rücken eine Frau in den Mittelpunkt ihrer PR-Offensive. Nach Angaben der Regierung steht Mariam al-Mansuri an der Spitze der Fliegerstaffel. "Sie ist eine hoch qualifizierte, bestens trainierte Kampfpilotin. Und sie hat eine Mission", sagte der Botschafter der VAE in den USA, Jussuf al-Utaiba.

Der Diplomat stilisierte die 35-Jährige zur Symbolfigur für den Kampf der moderaten Muslime gegen die Dschihadisten. "Sie sind eine Bedrohung für uns. Sie sind eine Bedrohung für unser Land, eine Bedrohung für unsere Art zu leben."

Mansuri ist die erste Kampfpilotin in der Geschichte der VAE. Sie fliegt seit 2008 einen Jagdbomber vom Typ F-16 Block 60. Zuvor hatte sie englische Literatur studiert. Auf Twitter wird die Pilotin für ihren Einsatz gefeiert. "IS, ihr seid gerade von einer Frau plattgemacht worden. Schönen Tag noch", lautete einer der Kommentare.

Doch der Einsatz der Pilotin beweist auch: Frauenfeindlichkeit ist nicht nur unter Islamisten verbreitet. Ein Moderator im konservativen US-Nachrichtensender Fox News kommentierte die Berichte über Mansuri mit den Worten: "Sie konnte zwar bombardieren, aber den Jet danach nicht einparken." Sein Kollege wurde noch plumper: "Wenn sie am Boden kämpfen würde: Wären das dann 'Boobs on the Ground'?"



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insgesamt 126 Beiträge
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Seite 1
nano-thermit 26.09.2014
1. Die kriegs PR Strategen des SPon
Berichten über die PR Stratdgen der Emirate, als ob es sie selbst nicht gebe. Was sind das aber auch für tolle Kriegsaufnahmen die uns eine glückliche Frau zeigen die mitbombt. Super Bilder sind das. Ich bin voll dabei! Jetzt will ich den Krieg auch. Hoffentlich darf die Frau zuhause jetzt Auto fahren als kleines Dankeschön für die vielen böse.ln Toten?
bauausdo 26.09.2014
2. Endlich Gleichberechtigung?
Wenn die Pilotin über Saudi-Arabien fliegt, muss sie dann ihren Mann an den Steuerknüppel lassen?
herrwestphal 26.09.2014
3. Sowas ...
""Sie konnte zwar bombardieren, aber den Jet danach nicht einparken." Sein Kollege wurde noch plumper: "Wenn sie am Boden kämpfen würde: Wären das dann 'Boobs on the Ground'?" ... macht einen einfach nur sprachlos.
Kleinerkrauter 26.09.2014
4. Die Golfstaaten
sollen gefälligst die Flüchtlinge aufnehmen, statt Tom Cruise zu spielen.
European 26.09.2014
5. Arabische Frauen können keine Jets parken
Danke Fox, nun wissen wir auch das. Oder sagt das etwa mehr aus über Fox als über die Pilotin ?
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