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Erfolge gegen den "Islamischen Staat": Das "Kalifat" schrumpft

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REUTERS

Die internationale Koalition gegen die IS-Milizen macht Fortschritte: Sie hat den Vormarsch der Radikalen vorerst gestoppt. An mehreren Fronten geraten die Dschihadisten in die Defensive.

Mehr als 1000 Luftangriffe hat die internationale Koalition gegen den "Islamischen Staat" (IS) seit Beginn der Luftoffensive im Irak und in Syrien gestartet. Am Boden bekämpfen irakische und syrische Milizen die Dschihadisten ebenso wie die nationalen Armeen. Sie bekommen zum Teil Waffen und Trainingseinheiten von den Mitgliedern der internationalen Koalition.

Eine internationale Arbeitsteilung ist entstanden - und sie funktioniert.

Die zerstrittenen arabischen Golfstaaten haben sich gegen den IS zusammengerauft. Sie helfen den USA bei Luftangriffen in Syrien. An vielen Fronten ist der Vormarsch der Radikalen inzwischen gestoppt. Doch nicht nur das: Der IS gerät in die Defensive. Immer länger wird die Liste der Punktsiege der Anti-Terror-Allianz.

  • Der Irak hält: Im Sommer schien es, als stünde der Irak kurz vor dem Zerfall - in einen IS-kontrollierten Teil, ein Kurdengebiet und einen mehrheitlich schiitisch geprägten Rest. Doch nach dem Rücktritt des ungeliebten Premierministers al-Maliki ist eine versöhnlichere Regierung angetreten, die es geschafft hat, zumindest das Verhältnis zwischen Bagdad und den Kurden im Norden zu verbessern. "Nur eine irakische Regierung, die alle Iraker vertritt und die notwendigen politischen Reformen angeht, um das Land zu einen, kann IS wirksam bekämpfen", mahnte Matthew Olsen, Ex-Leiter der Anti-Terror-Zentrale der amerikanischen Geheimdienste.

  • Kobane widersetzt sich: Es kommt einem kleinen Wunder gleich. Die kleine abgeschnittene Stadt leistet den Dschihadisten erfolgreich Widerstand. Das Ausharren der kurdischen Kämpfer in Kobane ist für die Radikalen nicht nur symbolisch ein Desaster, sondern auch militärisch. "Wir gehen davon aus, dass unsere Luftangriffe in Kobane über 600 IS-Kämpfer getötet haben", sagte der amerikanische Ex-General John Allen, Koordinator des internationalen Bündnisses, im November. "Der IS hat sich an Kobane selbst aufgespießt."

  • Das "Kalifat" verliert Gebiete: Die Radikalen wurden aus Teilen der Provinzen Diyala und Saladin nördlich von Bagdad zurückgedrängt, berichtet die Risiko-Analyse-Firma The Soufan Group. Der Rückzug aus bereits eroberten Gebieten ist ein schwerer Schlag. Schließlich hatte IS-Chef Abu Bakr al Baghdadi den Gottesstaat ausgerufen mit der Ambition zu expandieren - nicht zu schrumpfen.

  • Vom "Islamischen Staat" ist wenig zu sehen: Die Dschihadisten sind angetreten mit der Absicht, mehr zu sein als nur eine Miliz. Doch bisher schaffen sie es nicht, in den eroberten Gebieten einen wirklich funktionierenden Staat aufzubauen. Vielerorts laufen dem IS die Bürger davon, sie fliehen vor dem Terror der Gotteskrieger. Die Bombardierungen haben den Exodus beschleunigt. Die Öl-Einnahmen des IS sind durch gezielte Bombardierungen gesunken und die Energiepreise in den vom IS-kontrollierten Gebieten für die dort lebende Bevölkerung gestiegen.

"Der Plan, den IS (mit Luftschlägen) einzudämmen und gleichzeitig (am Boden) Oppositionskräfte aufzubauen, scheint erste Früchte zu tragen", schreiben die Risikoanalysten der Soufan Group. "Die Tendenz ist für die Gruppe schlecht." Der Leiter der internationalen Koalition, John Allen, sagt: "Wir sind gerade dabei zu lernen: Der IS ist sehr wohl schlagbar - und wir werden weitermachen."

Allein das US-Verteidigungsministerium gibt für den Kampf gegen den IS täglich 8,1 Millionen Dollar aus. Unbekannt ist, wie viele Zivilisten durch die internationalen Luftangriffe bislang ums Leben gekommen sind. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte schätzte Anfang Oktober den durchschnittlichen Anteil der getöteten Zivilisten auf sechs Prozent.

Trotz der ersten Etappensiege gegen den IS bleiben die Dschihadisten jedoch eine Gefahr. Vor allem in Syrien könnte sich der IS weiter ausbreiten. Dort fehlt es an einer Strategie, wie die Radikalen bekämpft werden könnten. Anders als im Irak hat die internationale Koalition in Syrien bisher kaum schlagkräftige Partner am Boden, die die Dschihadisten zurückdrängen könnten. Der Zustrom ausländischer Kämpfer zum IS scheint bisher ebenfalls ungebrochen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 53 Beiträge
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1.
msvanessacheng 05.12.2014
Was genau ist die "internationale Koalition"? Ich würde gern wissen wer da mit wem koaliert?
2. Diese hier...
teacher20 05.12.2014
Zitat von msvanessachengWas genau ist die "internationale Koalition"? Ich würde gern wissen wer da mit wem koaliert?
http://www.phoenix.de/die_wichtigsten_partner_der_anti_is_koalition/877030.htm
3. Keine Lösung
hinifoto 05.12.2014
Auch mit brutalstmöglichem militärischen Einsatz ist das größte Problem leider nicht zu lösen. Wer sich moralisch auf der besseren Seite wähnt, jedoch seit Jahrzehnten nur mit Bombardierungen spricht wird nie die Herzen der Menschen erreichen. Unsere Werte wie Demokratie und Menschenrechte haben sich diesen Ländern nicht von der besten Seite gezeigt. Der dadurch entstandene Hass lässt sich nicht so einfach weg bomben. Der Erfolg einer militärische Option kann keine Lösung von Problemen sein, im Gegenteil. Fast immer zieht sie den Karren der politischen Lösungsmöglichkeiten noch tiefer in den Sumpf.
4. Erfolge
orust 05.12.2014
Ich finde diese Art der Berichterstattung schockierend. Hier wird von Erfolgen berichtet. Dort sterben hunderte junge Menschen. Das ist eine Niederlage fuer uns Alle, vor Allem fuer die politische Elite, die dieses Greuel nicht verhindern kann. Wir leben offenbar nicht im 21. Jahrhundert.
5. Wo sind ...
Q9653 05.12.2014
... die Berichte über Bombardements der Iranischen Luftwaffe im Ost-Irak und die Dementis der Amerikanischen Streitkräfte? http://www.theguardian.com/world/2014/dec/03/iran-bombs-isis-in-iraq-says-us
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