Niederländische Islamistin  Staatsanwalt bezichtigt Aichas Mutter der Lüge

Hat eine Niederländerin ihre Tochter Aicha wirklich aus den Händen des "Islamischen Staates" in Syrien befreit? Nein, sagt jetzt der Staatsanwalt. Die Anwältin der Frau bleibt bei ihrer Darstellung.


Maastricht - Seit Tagen wird Monique aus Maastricht weltweit gefeiert: Die Niederländerin behauptet, sie habe ihre Tochter Aicha aus dem syrischen Rakka gerettet, der inoffiziellen Hauptstadt des "Islamischen Staates".

Doch nun widerspricht die niederländische Staatsanwaltschaft: Die Mutter sei nie in Syrien gewesen, erklärte der zuständige Oberstaatsanwalt Roger Bos im niederländischen Fernsehsender L1. Möglicherweise habe die Mutter ihre Tochter in der Türkei an der Grenze zu Syrien abgeholt, sagte der Staatsanwalt.

Aichas Anwältin Françoise Landerloo reagierte empört auf die Äußerungen des Staatsanwalts. Sie blieb gegenüber dem "Telegraaf" bei ihrer Darstellung, dass Monique ihre Tochter aus Syrien geholt habe. Am Donnerstag hatte die Anwältin SPIEGEL ONLINE gesagt, es sei Aicha nicht möglich gewesen, allein vor dem IS aus Rakka in die Türkei zu fliehen. Die genauen Umstände der Flucht seien aber noch unbekannt.

Termin beim Haftrichter

Die beiden Frauen waren am Mittwoch aus der Türkei kommend in der Heimat eingetroffen. Die Tochter wurde umgehend am Amsterdamer Flughafen festgenommen. Aicha werde verdächtigt, Mitglied in einer kriminellen Vereinigung zu sein und "strafbare Handlungen im Zusammenhang mit terroristischen Verbrechen" begangen zu haben.

Am Freitag soll sie einem Haftrichter vorgeführt werden. Die Staatsanwaltschaft beantragt, die 19-Jährige vorerst im Gefängnis zu behalten.

Die junge Frau war zum Islam konvertiert und im Februar dieses Jahres nach Syrien gegangen. Dort heiratete Aicha den bekannten niederländisch-türkischen Islamisten Omar Yilmaz, der einst in der holländischen Armee gedient hatte. Nach einem Hilferuf ihrer Tochter reiste Aichas Mutter Monique Anfang November nach eigenen Angaben komplett verhüllt nach Rakka - gegen den ausdrücklichen Rat der Polizei.

syd/dpa

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