Terrorgruppen Pakistanische Taliban versprechen IS Unterstützung

Schulterschluss zweier Terrormilizen: Die pakistanischen Tehreek-e-Taliban haben dem "Islamischen Staat" massive Unterstützung versprochen. Auch Kämpfer wollen sie in den Irak und nach Syrien schicken.

Pakistanische Taliban (Archivbild): Rivalitäten sollen vergessen werden
AP

Pakistanische Taliban (Archivbild): Rivalitäten sollen vergessen werden


Islamabad - Lange Zeit schien es kaum Verbindungen zu geben zwischen den Taliban in Pakistan und den Dschihadisten des "Islamischen Staats" (IS). Seit einigen Wochen werden zwar zunehmend IS-Unterstützer in der nordwestpakistanischen Millionenmetropole Peschawar und ihrer Umgebung beobachtet, wo sie Propaganda-Pamphlete verteilen, doch einen offenen Schulterschluss gab es bislang nicht.

Das hat sich nun geändert. Die Führung der Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) hat dem IS offiziell massive Unterstützung versprochen. In Stellungnahmen gegenüber verschiedenen Medien sicherte sie handfeste Hilfe bei den Kämpfen im Irak und in Syrien zu.

Die Äußerungen der pakistanischen Terrormiliz deuten darauf hin, dass bereits in der Vergangenheit Kämpfer nach Syrien und in den Irak gegangen sind: "Wir werden weiterhin Mudschaheddin senden, damit sie den IS-Kämpfern helfen", sagte Shahidullah Shahid, ein TTP-Sprecher, der Nachrichtenagentur AFP. "Wir unterstützen sie vollständig, weil wir glauben, dass diese Organisation zum Dienste des Islam gemacht wurde." Bislang hat die pakistanische Regierung alle Mutmaßungen, Kämpfer seien in die Kriegsgebiete gezogen, zurückgewiesen.

Chef der pakistanischen Taliban, Mullah Fazlullah (Archiv): Viele Taliban fühlen sich vom IS angezogen
AFP

Chef der pakistanischen Taliban, Mullah Fazlullah (Archiv): Viele Taliban fühlen sich vom IS angezogen

"Vergesst die Rivalitäten"

Außer der Entsendung von Kämpfern drücken die pakistanischen Taliban dem IS auch ihre moralische Unterstützung aus: In einem Statement, aus dem die BBC zitiert, sagt TTP-Chef Mullah Fazlullah: "Die Eroberungen, die ihr den Feinden abgerungen habt, erfüllen uns mit Stolz. Wir sind mit euch, in guten wie in schlechten Zeiten."

Der Schulterschluss ist auch deshalb bemerkenswert, weil IS und TTP eigentlich Konkurrenten im radikalislamischen Spektrum sind. Vor allem dem traditionell den Taliban nahestehenden Terrornetz al-Qaida hat der IS den Rang abgelaufen, die Gruppen bekämpfen sich auch mit Waffen.

Das Gewicht der Äußerungen ist allerdings schwierig einzuschätzen. Erstens erfolgten sie zu Beginn des Opferfests, dem höchsten Feiertag im Islam - traditionell eine Zeit feierlicher Verlautbarungen. Zudem ist die aus stark zerstrittenen Einzelgruppen bestehende und von den USA bekämpfte TTP inzwischen geschwächt. Im Gegensatz dazu strotzt der IS nach den Eroberungen in Syrien und im Irak geradezu vor Kraft - was die Terrorgruppe für orientierungssuchende Dschihadisten attraktiv macht.

Die TTP-Führung mag sich darüber hinaus unter Druck sehen, gerade jetzt Solidarität im Lager der radikalen Islamisten zu demonstrieren, da der Westen entschlossen gegen den IS auftritt. Das scheint auch in den Worten des Taliban-Chefs an den IS durch: "In diesen unruhigen Zeiten rufen wir euch auf, geduldig und einig zu bleiben, denn eure Feinde haben sich nun ebenfalls gegen euch vereinigt. Vergesst die Rivalitäten."

Allerdings deutet nichts in den Stellungnahmen der TTP auf ein formelles Bündnis der Extremistengruppen hin. Tatsächlich ist es zwar wahrscheinlich, dass sich die Basis der Taliban-Kämpfer vom erfolgreichen IS angezogen fühlt - ob sich allerdings die Kommandeure unter die Befehlsgewalt ihrer IS-Pendants begeben würden, darf bezweifelt werden. Experten vermuten daher, dass der IS versuchen wird, seinen Einfluss in Pakistan zu stärken und damit in Konkurrenz zu den TTP zu treten.

fdi/AFP

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insgesamt 123 Beiträge
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Jasper Fetherstone 05.10.2014
1. Unkonventionell
Ob da am Ende etwas ganz Anderes ran muss als konventionelle Waffen?
schofseggel 05.10.2014
2. Taliban & IS...
Alles das gleiche Gesocks, die den Islam bzw.den Koran völlig verkorkst auslegen und dementsprechend irrational handeln.Die Weltbevölkerung sollte sich wirklich um diese Menschen- und Naturverachtenden Psychopathen konzentriert beschäftigen. Ein Kreuzzug gegen die IS & die Taliban und deren Helfern und Anhängern. Ansonsten wird das alles nicht gut enden.
t-o-m-k-o 05.10.2014
3. Wie überraschend!
Gleiches gesellt sich zum Gleichen. Widerlich dieser Fanatismus.
Inselbewohner, 05.10.2014
4. Das wärmt mir das Herz
Die Mörder tun sich zusammen und es werden noch etliche folgen um an dem ganz großen Sieg im Namen Mohameds teilhaben zu können. Wann endlich wacht die friedliebende Weltbevölkerung auf? Fragen müssen gestellt werden! Wer finanziert diese Mörder? Wer unterstützt sie logistisch? Wer zieht im Hintergrund die Fäden? Wieviel Verräter gibt es im Westen? Warum lassen wir Mörder wieder in unser Land einreisen? Wenn Personen erkannt werden warum werden ihre Pässe nicht ungültig erklärt um sie so Staatenlos zu machen? Mörder haben sich absichtlich und willentlich ausserhalb unserer menschlichen Gesellschaft gestellt und alle möglichen Mittel müssen eingestzt werden um diese Wahnsinnigen zu eleminieren. Ja ich spreche vom auslöschen, töten auch wenn das vielen nicht schmecken wird, man könnte ja noch mal verhandeln!
ichsagwas 05.10.2014
5. Mal den Spiegel vorhalten
Man kennt es ja: Gewalt sät Gewalt, und die Spirale dreht sich weiter. In den Talibangebieten gab es in den vergangenen Jahren alleine durch Drohnenangriffe tausende Tote, darunter mehrere hundert unbeteiligte Zivilisten. Die Uno verlangte letztes Jahr Aufklärung von USA. http://www.spiegel.de/politik/ausland/zivile-opfer-durch-drohnenangriffe-uno-verlangt-aufklaerung-von-usa-a-928854.html Die USA kooperierten aber nicht, die entsprechenden Daten bleiben weiter unter Verschluss. Dementsprechend groß müssen der Hass und die Rachegelüste auf Seiten der Taliban sein. Wenn Cameron und Obama, wegen vier toter Briten und Amerikaner derart leicht aus der Deckung hervorzulocken sind, wenn sie (wie gestern Cameron) national-pathetische Reden schwingen und Bombardements als Vergeltung anordnen... dann sollte jedem klar sein, dass es noch lange so weiter gehen wird, mit ungewissem Ausgang. Ein Zivilist, der nun infolge eines US- oder NATO-Bombardements ohne Schmerzmittel in einem tagelangen Todeskampf an Verbrennungen oder inneren Verletzungen stirbt, der hat unter Umständen deutlich mehr gelitten, als die Briten oder Amerikaner, denen der IS den Kopf abgeschnitten hat. Und dann muss man sich halt nur mal in die Psyche der Gegenseite hineinversetzen, so schwer es einem auch fällt. Ich muss mich so drastisch ausdrücken, weil die Message sonst vor lauter medialen Nebelkerzen und öffentlichkeitswirksam inszenierter Empörung gar nicht mehr ankommen würde. Wer das nicht wahrnehmen will und immer noch glaubt, diesen asymmetrischen Konflikt ausschließlich mit Gewalt lösen zu können - tja, dem ist nicht mehr zu helfen. Die Mehrheit der westlichen Politiker und die Mehrheit unserer Bevölkerung denken offenbar so. Und in dem Moment haben die Terroristen ihr Ziel erreicht. Der Kampf und die Gewalt gehen immer weiter und entwickeln sich immer krasser...
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