Morde und Entführungen "Islamischer Staat" macht Jagd auf Journalisten 

Der "Islamische Staat" geht rücksichtslos gegen Reporter vor. Journalisten werden vor die Wahl gestellt: Entweder sie kooperieren mit den Dschihadisten - oder sie sterben.

IS-Milizionäre in Syrien: "Sie zögern nicht, zu kidnappen, zu foltern, und zu ermorden"
AP

IS-Milizionäre in Syrien: "Sie zögern nicht, zu kidnappen, zu foltern, und zu ermorden"


Mossul - Die Terroristen des "Islamischen Staats" (IS) haben zwei US-Journalisten vor den Augen der Welt geköpft. Ihre Namen - James Foley und Steven Sotloff - sind seither weithin ein Begriff. Doch weit weniger bekannt ist, wie die radikalen Islamisten in Syrien und im Irak einheimische Reporter verfolgen.

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Allein in den vergangenen Tagen haben die Dschihadisten nach Angaben von Reporter ohne Grenzen (ROG) zwei irakische Journalisten getötet. Am Wochenende ermordeten sie den Kameramann Raad Mohammed al-Asawi in aller Öffentlichkeit in der Stadt Samarra. Der dreifache Familienvater befand sich zuvor mehr als einen Monat lang in der Gewalt der Terrorgruppe. Der IS hatte den Journalisten Anfang September nördlich von Bagdad verschleppt. Die Islamisten verlangten, dass er fortan für sie arbeite und Propaganda mache. Als er sich wiederholt weigerte, köpften sie ihn.

Am Montag töteten die Terroristen den Reporter Muhannad al-Akidi in Mossul. Er war bereits im Juli in der irakischen Provinz Dohuk entführt worden. Die Leiche des Journalisten wies Spuren von Folterungen auf, mehrfach schossen die Geiselnehmer ihrem Opfer in den Kopf. Nach Angaben eines Familienangehörigen sei Aridi im Badusch-Gefängnis von Mossul festgehalten worden. Dort soll der IS Hunderte Gegner interniert haben, darunter auch viele Jesiden.

Elf Regeln für Journalisten im "Islamischen Staat"

Die Reporter ohne Grenzen schlagen Alarm: "Der 'Islamische Staat' verfolgt eine Politik krimineller Gewalt, die kein Mitgefühl für Journalisten zeigt. Sie zögern nicht, zu kidnappen, zu foltern, und zu ermorden", sagte ROG-Direktorin Lucie Morillon. Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen hat der IS allein in Mossul neun irakische Journalisten verschleppt. In Syrien halten die Terroristen derzeit einen britischen Reporter und neun syrische Journalisten fest.

Die Dschihadisten haben in den von ihnen kontrollierten Gebieten drakonische Regeln für Berichterstatter erlassen. Das berichtet das Portal "Syria Deeply" unter Berufung auf Journalisten aus der Stadt Deir al-Sor.

Demnach müssen alle Reporter einen Treueeid gegenüber IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi leisten und versprechen, dass sie mit den Dschihadisten kooperieren. Alle Berichte müssen sie zunächst dem Pressebüro der Terrororganisation vorlegen. Bei Verstößen gegen die insgesamt elf Vorschriften würden die Journalisten "zur Verantwortung gezogen". In vielen Fällen ist das gleichbedeutend mit einem Todesurteil.

syd

insgesamt 2 Beiträge
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KurtT. 14.10.2014
1.
Was soll man dazu noch schreiben - dass diese fanatischen "heiligen Krieger" menschenverachtend sind, dürfte inzwischen jeder wissen. Als ausländischer Journalist würde ich eben den "Treue-Eid" bez. "loyale Berichterstattung" ablegen - und so schnell wie möglich das Land verlassen. In einer anderen Situation sind selbstverständlich einheimische Journalisten bzw. Reporter; die können nicht abhauen, schon weil dann ganz sicher deren Familienangehörige ermordet würden! Was da abgeht, kann man noch nicht mal als "nur archaisch" kategorisieren; das sind keine Menschen mehr, und "Tiere" auch nicht - denn sogar bei diesen gibt es gewisse Regeln, die zumindest die Art erhalten sollen ...
yuka 15.10.2014
2. in der Türkei
werden die verletzten syrischen YPG-Kämpfer verhaftet und die verletzten IS-Terroristen können nach den Behandlungen ihrer Verletzungen in den Krankenhäusern diese ungehindert verlassen. Wen wundert es noch, dass der IS weiter im Vormarsch ist und alle Menschen in ihrem "Kalifat" vernichten, die nicht mit ihnen sind.
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