Kenji Goto und Muaz al-Kasaesbeh Nervenkrieg um IS-Geiseln

Die Menschen in Japan und Jordanien bangen um das Leben zweier Bürger, die sich in den Händen des "Islamischen Staates" befinden. Die Dschihadisten haben ein neues Ultimatum gestellt.


Amman/Tokio - Die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) spielt mit den Leben ihrer Geiseln und den Ängsten der Angehörigen. Die Dschihadisten haben eine neue Audiobotschaft des japanischen Journalisten Kenji Goto veröffentlicht, der sich in ihrer Gewalt befindet.

Darin übermittelt Goto ein neues Ultimatum: Der IS werde den gefangenen jordanischen Piloten Muaz al-Kasaesbeh töten, falls die in Jordanien inhaftierte Sajida al-Rishawi am heutigen Donnerstag zum Sonnenuntergang nicht an der türkischen Grenze zum Austausch gegen Goto bereitstehe.

Der IS bietet also an, Goto freizulassen, wenn dafür Rishawi freikommt, die 2005 in Jordanien festgenommen wurde. Sie wurde damals kurz vor einem Sprengstoffattentat in Amman gestoppt. Mehrere ihrer Komplizen blieben unentdeckt. Sie sprengten sich in einem Hotel in die Luft und töteten mehr als 60 Menschen.

Eine Freilassung des jordanischen Piloten stellt der IS hingegen nicht in Aussicht. Es ist lediglich die Rede davon, dass er vorläufig verschont werde, sollte Rishawi auf freien Fuß gesetzt werden.

Jordaniens Regierung hatte sich grundsätzlich dazu bereiterklärt, die Gefangene aus der Haft zu entlassen. Damit würden die Terroristen zum ersten Mal Gefangene freipressen. Amman fordert aber im Gegenzug die sofortige Freilassung des Piloten. Bislang hat der IS aber noch nicht einmal ein aktuelles Lebenszeichen von Kasaesbeh übermittelt.

Der Soldat befindet sich seit mehr als einem Monat in der Gewalt der Dschihadisten. Sein Kampfjet war in der Nähe der IS-Hochburg Rakka in Syrien abgestürzt. Kasaesbeh stammt aus einer einflussreichen Familie in Jordanien, die zu den Stützen des Königshauses gehört.

Sein Vater traf sich am Mittwoch mit König Abdullah II.. Dieser habe ihm versichert: "Alles wird gut." Vor dem Königspalast versammelten sich Demonstranten. Sie riefen: "Hör zu, Abdullah, Jordaniens Sohn muss nach Hause kommen."

Japans Regierung teilte mit, sie bemühe sich gemeinsam mit befreundeten Staaten in der Region für die Freilassung der Geiseln. Jordanien soll über Stammesvertreter im Irak indirekte Gespräche mit dem IS über das Schicksal der Entführten führen. Für Haruna Yakawa, eine zweite japanische Geisel, kommt diese Hilfe zu spät. Der IS hat ihn am vergangenen Wochenende getötet.

syd/Reuters/AP

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insgesamt 8 Beiträge
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rkinfo 29.01.2015
1. Wie damals in den 70er und 80er Jahren ...
Realistisch betrachtet will IS per Kenji Goto Freilassung Japan vom weiteren Kampf gegen IS abbringen. Und der Pilot Muaz al-Kasaesbeh wurde wahrscheinlich leider derart brutal behandelt dass er nicht mehr 'vorzeigbar' zum Austausch ist. IS kennt die Möglichkeiten des Psychoterrors gut aber dass schafften auch schon die Nazis oder Kommunisten. Zudem sollte jeder anständige Mensch IS und islamistische Mitläufer mit allen legalen Mitteln bekämpfen. Auch in Deutschland gibt es Tausende dieser Widerlinge - und die laufen noch frei herum.
MetalunaIV 29.01.2015
2. Großer Fehler
Mit Terroristen zu verhandeln, ist ein großer, großer Fehler - bei allem Verständnis für die Geiseln und deren Angehörige. Wenn die Verhandlungen erstmal funktionieren, wird jeder Ausländer an jedem Ort zur Ware, die gegen inhaftierte Terroristen oder große Geldsummen eingetauscht werden kann. Bleibt man hingegen durchweg hart, wird diese Einnahmequelle schnell trockengelegt.
tororosoba 29.01.2015
3. Ob die Geiseln noch am Leben sind
ist nicht klar. Entweder sind ISIS die Videokameras ausgegangen, oder sie haben triftige Gründe, nur Standbilder zu zeigen und eine Stimme hören zu lassen, die der von Goto nicht besonders ähnelt.
tinosaurus 29.01.2015
4. Hoffentlich
wird nicht mit den Mördern verhandelt. Die USA mussten auch schon einige Enthauptungen ansehen und verkraften, aber sie verhandeln nicht. Das bewirkt nur eine weitere Verschärfung, so sehr das für die Gefangenen nichts Gutes bedeutet.
dynamohelge 29.01.2015
5.
Zitat von MetalunaIVMit Terroristen zu verhandeln, ist ein großer, großer Fehler - bei allem Verständnis für die Geiseln und deren Angehörige. Wenn die Verhandlungen erstmal funktionieren, wird jeder Ausländer an jedem Ort zur Ware, die gegen inhaftierte Terroristen oder große Geldsummen eingetauscht werden kann. Bleibt man hingegen durchweg hart, wird diese Einnahmequelle schnell trockengelegt.
Ihr Verständnis wird die Geiseln aber freuen.
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