IS-Ableger in der arabischen Welt Die Brüder des Kalifen

Der Erfolg des "Islamischen Staats" zieht nicht nur Anhänger im Irak und in Syrien an. In Ägypten, Algerien und Libyen haben sich IS-Ableger gebildet. Und Trittbrettfahrer gibt es auch.

IS-Anhänger in Libyen: Die Dschihadisten haben regen Zulauf
AP/dpa

IS-Anhänger in Libyen: Die Dschihadisten haben regen Zulauf

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Der "Islamische Staat" (IS) grenzt jetzt an Israel. Am Montag hat die ägyptische Terrorgruppe Ansar Beit al-Makdis dem IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi Treue und Gehorsam geschworen. Kurz nach dieser "Baia" veröffentlichten Sympathisanten der Dschihadisten im Internet Banner mit dem Slogan: "Islamischer Staat - Provinz Sinai".

Das ist eine großspurige Erklärung, ganz falsch ist sie aber nicht. Die Ansar Beit al-Makdis - der Name bedeutet übersetzt so viel wie "Helfer Jerusalems" - verfügen über etwa 2000 Kämpfer. Die Gruppe kontrolliert große Teile im Norden des Sinai. Die jahrelange Vernachlässigung des Wüstengebiets durch den ägyptischen Staat hat dazu geführt, dass viele dort ansässige Beduinen die Miliz unterstützen.

Ansar Beit al-Makdis haben in den vergangenen Jahren mehr als hundert ägyptische Sicherheitskräfte getötet. 2013 verübten sie in Kairo einen Anschlag auf den Innenminister, der Politiker überlebte. Mehrfach feuerten sie auf israelische Truppen an der Grenze zwischen dem Sinai und Israel. Außerdem beschossen sie den Badeort Eilat am Roten Meer wiederholt mit Raketen.

Der Treueeid bringt Geld und Waffen

Der Anschluss der Gruppe an den IS erscheint fast logisch, schließlich teilen Ansar Beit al-Makdis die dschihadistische Ideologie der Terrororganisation. Beide kämpfen für die Errichtung eines islamischen Kalifats in Nordafrika und im Nahen Osten. Ansar Beit al-Makdis stärken mit dem Treueschwur ihre Position gegenüber anderen dschihadistischen Gruppen auf dem Sinai. Sie werden attraktiver für potenzielle Kämpfer und können auf finanzielle und militärische Unterstützung des IS hoffen.

Die Terrorgruppe auf dem Sinai ist die bislang letzte Organisation, die dem selbsternannten IS-Kalifen Baghdadi die Treue geschworen hat. Sie folgt damit einem Trend. In mehreren arabischen Ländern haben sich in den vergangenen Monaten IS-Ableger gebildet.

Im September verkündete der Dschihadist Khaled Abu Suleiman die Gründung der Organisation Jund al-Khilafa, "Soldaten des Kalifats" in Algerien. Abu Suleiman und seine Anhänger schworen IS-Chef Baghdadi die Treue. "Du hast im Islamischen Maghreb Männer, die deine Befehle befolgen werden", versprachen die "Soldaten des Kalifats". Schon nach wenigen Tagen bewiesen die algerischen Dschihadisten, dass sie ebenso brutal und rücksichtslos agieren wie der IS in Syrien und im Irak. Die militanten Islamisten entführten und ermordeten den französischen Bergführer Hervé Gourdel.

Trittbrettfahrer auf den Philippinen

In Libyen haben sich im Oktober Dschihadisten in der Stadt Derna dem selbsternannten Kalifen Baghdadi unterworfen. Die Stadt und das Umland seien von nun an als "Provinz Barka" Teil des "Islamischen Staats", verkündeten sie. 1600 Kilometer von Syrien entfernt sind die Extremisten auf dem Weg, eine IS-Exklave zu schaffen.

In der 80.000-Einwohner-Stadt im Osten des Landes patrouilliert eine Sittenpolizei nach IS-Vorbild; ein selbsternanntes Gericht spricht im Namen des IS Urteile auf Grundlage der Scharia. Libyer, die verdächtigt wurden, Alkohol zu trinken, sind öffentlich ausgepeitscht worden. Die Dschihadisten unterdrücken jede Opposition mit brutalsten Mitteln, erst am Dienstag wurden drei IS-Gegner in der Stadt enthauptet aufgefunden.

Neben den genannten Gruppen in Ägypten, Algerien und Libyen, die Baghdadi offiziell als Kalifen und Oberbefehlshaber anerkannt haben, gibt es zahlreiche Organisationen, die dem IS ihre Unterstützung bekundet haben, ohne einen formalen Treueeid zu leisten. Dieses Detail ist für islamistische Bewegungen durchaus von Bedeutung: Eine "Baia", also ein Eid auf den Kalifen, lässt sich nur auflösen, wenn das Oberhaupt der Gemeinschaft "unislamisch" handelt. Eine einfache Unterstützungserklärung lässt sich leichter zurückziehen.

Unter anderem haben Boko Haram in Nigeria und Abu Sayyaf auf den Philippinen erklärt, dass sie den IS unterstützen. Besonders die philippinische Gruppe ist jedoch kaum mehr als ein Trittbrettfahrer: Mit dem Bekenntnis zum IS wollte Abu Sayyaf Entschlossenheit während der Entführung zweier deutscher Touristen unterstreichen. Mit Erfolg: Vermutlich erhielten die Separatisten ein Lösegeld in Millionenhöhe für die Geiseln, die sie im Oktober nach einem halben Jahr freiließen.

Für den IS ist es vor allem im innerislamischen Machtkampf mit al-Qaida wichtig, internationale Verbündete zu sammeln. Noch hat al-Qaida schlagkräftige Ableger im Maghreb, auf der Arabischen Halbinsel und in Somalia. Doch je länger sich der IS im Irak und in Syrien hält, desto mehr erhöhen sich die Chancen, dass sich die Organisation in weiteren Ländern etabliert.



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kraichgau12 13.11.2014
1. irre gegen noch irrere..
haette jemand vor drei jahren geglaubt,das die irren von al khaida mal noch extremere Konkurrenten bekommen? in egypt ist das problem so alt wie die wahabitische "schulunterstützung" in den achzigern,seitdem wurde neben mathe naemlich auch wahabismus in den schulen gelehrt von den leihlehrern und imamen erschreckend,das diese üble suppe an wirren spinnern in D mitten in fussgängerzonen geduldet und durch die ignoranz und passivität noch das gefühl bekommt,dem deutschen staat eins auswischen zu können... ich haette damals,als der khalif von köln ausgewiesen wurde,nicht gedacht,wieweit das irren-appeasement in der BRD einmal gehen würde..
j.f. Sebastian 13.11.2014
2.
Zitat von kraichgau12haette jemand vor drei jahren geglaubt,das die irren von al khaida mal noch extremere Konkurrenten bekommen? in egypt ist das problem so alt wie die wahabitische "schulunterstützung" in den achzigern,seitdem wurde neben mathe naemlich auch wahabismus in den schulen gelehrt von den leihlehrern und imamen erschreckend,das diese üble suppe an wirren spinnern in D mitten in fussgängerzonen geduldet und durch die ignoranz und passivität noch das gefühl bekommt,dem deutschen staat eins auswischen zu können... ich haette damals,als der khalif von köln ausgewiesen wurde,nicht gedacht,wieweit das irren-appeasement in der BRD einmal gehen würde..
Lesen Sie diesen fast 10 Jahre alten SPON-Artikel und verstehen Sie, dass IS und Al Quaida nur Sammelbegriffe für die gleichen Leute sind. http://www.spiegel.de/politik/ausland/terrorismus-al-qaidas-agenda-2020-a-369328.html Der Aufstieg von IS wurde von "Al Quaida" seit Jahren geplant. Wir befinden uns mit dem IS und seinem Kalifat in einem genau geplanten Zeitplan, welcher 7 Phasen umfasst. Momentan läuft Phase 5. Es werden stetig mehr Muslime verschiedenster Nationalitäten aus der weltweiten Umma diesem Kalifat beitreten. Jüngst hat man bereits Bemühungen gestartet, in Libyen (Darna) und Ägypten Fuss zu fassen. Und wer denkt, dass die ägyptische "Muslimbruderschaft" wieder eine ganz andere Strömung und ein Konkurrent des IS ist, dem werden in den nächsten Jahren die Augen geöffnet.
Dunz 13.11.2014
3. Baghdadis Brüder...
Klar, dem stimme ich zu. Denn wer ist dieser "Kalif"? Baghdadi war ein ganz übler kleiner Straßenkrimineller, der seine Strafe im Gefängnis absaß und dort bei der Trennung nach Religionszugehörigkeit infolge der Überbelegung des Gefängnisses mit allem Abschaum einsaß. Was Wunder, wenn sich um diese Figur der Abschaum aus aller Welt sammelt? In der Bundesrepublik gestanden Unterstützer des IS bei ihrem Prozess, dass sie in Schulen und Kirchen eingebrochen waren um mit der Beute Material für ihre Taten zu erwerben. In den Gebieten des IS werden für solche Taten - und für noch viel Geringeres - einfach die Hände abgehackt, enthauptet, gesteinigt. Einfach gesagt dieses Gesindel lebt seine verbrecherischen Anlagen hemmungslos aus und verbrämt diese ihre Ekelhaftigkeiten mit gotteslästerlichen Religionsbegründungen. Dass ich nicht lache…Irre erheben den Anspruch Gottes Willen zu erfüllen, wenn sie vergewaltigen, quälen, morden. Und dies alles im Namen einer "Religion". Wenn sie den Anspruch erheben Gottes Geschöpfe zu sein, dann muss ihr Gott sie einst aus übelstem Mist erschaffen haben!
kraichgau12 14.11.2014
4. @j.f.sebastian
ich kannte den artikel schon,trotzdem danke der wirkliche witz ist,das es keine moderate auslegung des islams gibt, es gibt im grunde nur das zurückhalten,solange man in der Minderheit in einem fremden land ist... gähnendes schweigen zu all den unmenschlichen aktionen im mittleren osten von den sonst so jammernden und klagenden zetralverbänden in D,F,GB etc....die warten schlicht ab,bis ihre zeit kommt wer davor schon in den achzigern warnte,wurde zum nazi gestempelt, die zeit wirds weisen, wer recht behält
Dunz 14.11.2014
5. Sie haben vollkommen Recht!
Zitat von kraichgau12ich kannte den artikel schon,trotzdem danke der wirkliche witz ist,das es keine moderate auslegung des islams gibt, es gibt im grunde nur das zurückhalten,solange man in der Minderheit in einem fremden land ist... gähnendes schweigen zu all den unmenschlichen aktionen im mittleren osten von den sonst so jammernden und klagenden zetralverbänden in D,F,GB etc....die warten schlicht ab,bis ihre zeit kommt wer davor schon in den achzigern warnte,wurde zum nazi gestempelt, die zeit wirds weisen, wer recht behält
Eigentlich gibt es bei diesem Beitrag nichts richtig zu stellen - nur noch etwas zur Ergänzung: Dieselbe Abstempelung gilt auch heute noch bei uns, besonders in einer Presselandschaft, die mir augenblicklich nahezu als "gleichgeschaltet" erscheint. Bloß nichts sagen, was den Herren einen Grund geben könnte, wie die Heulbojen loszulegen. Und wem haben wir das zu verdanken, hä? Dem Herrn Wulff mit seiner blödsinnigen Äußerung, der Islam gehöre zu Deutschland!
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