Kampf gegen IS US-Militär schickt "Apache"-Hubschrauber in die Schlacht

Sie sind präziser - aber auch leichter abzuschießen: Die USA haben erstmals "Apaches" im Kampf gegen den "Islamischen Staat" eingesetzt. Die Kampfhubschrauber sollen die irakischen Bodentruppen unterstützen.

REUTERS

Washington/Bagdad - Die USA haben im Kampf gegen die Terrororganisation "Islamischer Staat" erstmals auf "Apaches" gesetzt. Die Kampfhubschrauber wurden Sonntag und Montag während der Kämpfe in der irakischen Provinz Anbar nahe der Stadt Falludscha eingesetzt, um irakische Bodentruppen zu unterstützen.

"Das war das erste Mal, dass Lufteinheiten mit Rotoren in Absprache mit und zur Unterstützung von irakischen Sicherheitskräften eingesetzt wurden", teilte das US-Kommando im Nahen Osten mit. "Die irakische Regierung hat um Unterstützung gebeten, um die IS-Kämpfer nahe Falludscha zurückzudrängen."

Bislang hatte das US-Militär lediglich Kampfflugzeuge für die Luftschläge verwendet, darunter F-15, F-16 und F-18-Jets. Diese sind vor allem für Angriffe auf Gebäude und Brücken geeignet. Doch im Einsatz gegen Bodentruppen waren sie offenbar nicht ausreichend.

Höheres Risiko für die US-Soldaten

"Apache"-Hubschrauber können gegnerische Einheiten hingegen deutlich präziser erfassen und bekämpfen. Unter dem Strich bringe der Einsatz vor allem eines, sagt Rick Brennan, Politikwissenschaftler der "Research and Development Corporation" (Rand): Es biete unglaubliche Möglichkeiten zu sehen, was der "Islamische Staat" macht.

Für US-Militärexperten ist der Einsatz der "Apaches" ein Zeichen dafür, dass die bisherige Strategie mit Luftschlägen durch Jets und Drohnen nur begrenzte Erfolge geliefert habe. Ein Sprecher des Pentagons begründete den Einsatz mit der "Natur der Ziele" - ohne weitere Details zu nennen.

Der Kampf mit "Apache"-Hubschraubern bedeutet für die US-Soldaten jedoch auch ein deutlich höheres Risiko. "Jets, die in 9000 Metern Höhe fliegen, sind unerreichbar für die Waffen, die dem 'Islamischen Staat' zur Verfügung stehen. Aber die Helikopter sind es nicht", sagt der US-Militärexperte Christopher Harmer vom US-amerikanischen Institut für Kriegsstudien (ISW).

Da sie in 50 Metern Höhe agierten, seien sie von Panzerfäusten und schweren Maschinengewehren einfacher zu treffen, so Harmer weiter. Laut "Wall Street Journal" waren neun Prozent der toten US-Soldaten im Afghanistan-Einsatz zwischen 2001 und 2014 Angehörige von Hubschrauber-Einheiten, Jet-Piloten hingegen machten lediglich 1,2 Prozent der Todesfälle aus.

"Das korrekte Werkzeug für den Job"

Der "Apache" wird bereits seit 1989 vom US-Militär eingesetzt und spielte sowohl in Afghanistan als auch in den beiden Irakkriegen eine wichtige Rolle. Er hat ein größeres Aufgebot an Sensoren und ein besseres Zielerfassungssystem als andere Lufteinheiten. Mit seinen Hellfire-Raketen kann er Ziele in einigen Kilometern Entfernung treffen.

Trotz des erhöhten Risikos, das durch den Einsatz für die Soldaten entsteht, wollen die US-Militärs nicht von einer neuen Eskalationsstufe des Konflikts sprechen. Es handele sich nicht um eine Ausweitung des bisherigen Einsatzes, sagte Oberst Steve Warren: "Die Mission ist noch dieselbe. Wir nutzen nur das korrekte Werkzeug für den Job."

bka/Reuters

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insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
qewr 07.10.2014
1. Das hat gedauert, aber...
... kann man den Amis das verdenken? Von aller Seite werden sie angefeindet, dabei sind sie wohl die einzigen, die halbwegs eine Chance haetten, die Kastanien aus dem Feuer zu holen.
Jasper Fetherstone 07.10.2014
2. Vielleicht bringt das etwas....
Vielleicht bringt das etwas, wenn die Angriffe nicht in so mickriger Anzahl stattfinden wie die mit den Jagdbombern.
morrichrissmo 07.10.2014
3. Warum nicht in Kobane???
Warum werden nicht auch in Kobane effizienteres Kriegsgerät eingesetzt? Ach ja, man nimmt ja Rücksicht auf die Befindlichkeiten des Nato-Partners Türkei, der nicht nur nicht eingreift, sondern Kurden aus der Türkei daran hindert, den Kurden aus Kobane zu Hilfe zu eilen. Der Nato-Partner, der gestern einen Konvoi mit Djihadisten nach Kobane durchgelassen haben soll...
Bernd.Brincken 07.10.2014
4. Eskalation
Natürlich stellen Kampfhubschrauber eine Eskalations-Stufe dar. Denn spätestens wenn einer zu Boden geht, sei es durch Beschuss oder technische oder andere Probleme, muss man die Besatzung herausholen. Das kann eine weitere Schraube von Aktionen auslösen, an denen Bodentruppen beteiligt sind, wie der in dieser Hinsicht authentische Film "Black Hawk down" illustriert. Wiederum müssen die Hubschrauber nicht in 50 Meter Höhe operieren, die Waffen sind auch aus 3.000 Meter wirksam, allerdings sind dann auch die Vorteile - direkte Sicht und schnelle Reaktion - gegenüber Flugzeugen geringer.
morrichrissmo 07.10.2014
5. @qewr: ja, man kann es den Amis verdenken,
weil ohne den Irak-Krieg von 2003 von Bush & Co. hätten wir das Problem mit der IS in der Form gar nicht. Die USA und die Briten sind sogar verantwortlich und deshalb ist es viel zu wenig, was sie derzeit tun. Die Kurden können es nun ausbaden...
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