US-Strategie im Irak Mit Illusionen gegen den IS

Mehr Waffen, bessere Ausbildung: Mit dieser Strategie soll die irakische Armee den "Islamischen Staat" vertreiben - sagen die USA. Doch der Plan ist unrealistisch.

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Irakische Soldaten im Kampf gegen den IS: Die USA wollen mehr Ausbilder schicken
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Irakische Soldaten im Kampf gegen den IS: Die USA wollen mehr Ausbilder schicken


Hamburg - Schon fünf Monate hat die irakische Regierung die zweitgrößte Stadt des Landes nicht mehr unter ihrer Kontrolle. Mossul wird seit Anfang Juni von der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) regiert. Damals lebten in der Stadt etwa drei Millionen Menschen, die Dschihadisten haben jedoch Hunderttausende in die Flucht getrieben, fast alle Jesiden und Christen sind aus Mossul geflohen.

Nun soll die US-Armee dem irakischen Militär dabei helfen, die Metropole zurückzuerobern. Wie die "New York Times" berichtet, will das Pentagon dafür drei neue Divisionen der irakischen Armee ausbilden - insgesamt mehr als 20.000 Soldaten. Unterstützt von den Luftangriffen der US-geführten Koalition gegen den IS sollen Bagdads Truppen im Frühjahr eine Offensive gegen die Dschihadisten starten. Washington will damit bis Ende 2015 dafür sorgen, dass die irakische Regierung wieder den Westen und Norden ihres Landes kontrolliert - einschließlich Mossul und der Grenze zum Nachbarland Syrien.

Der Plan dürfte nur schwer umzusetzen sein: Derzeit sind weniger als 1500 Angehörige der US-Armee im Irak stationiert, unter ihnen 600 Militärberater, die in Bagdad und Arbil irakische Soldaten ausbilden. Für die vorgesehene Operation gegen den IS müsste Washington sein Militärkontingent im Irak deutlich aufstocken - auf etwa 3500 Kräfte. Außerdem haben sich nach Angaben des Pentagon Australien, Kanada und Norwegen bereit erklärt, Ausbilder zu schicken.

Doch trotz der verstärkten Anstrengungen des Westens ist ein rascher Erfolg gegen den IS unwahrscheinlich: Seit einem Jahrzehnt haben die USA die irakische Armee ausgebildet und aufgerüstet - trotzdem leisteten die Truppen beim Vormarsch der Dschihadisten in Mossul und anderen Orten kaum Widerstand. Humvees, Artilleriegeschütze und andere von Washington gelieferte Rüstungsgüter sind nun im Arsenal des IS gelandet.

Auch Bagdads Milizen verüben Kriegsverbrechen

Die Pentagon-Strategen sind sehr optimistisch, wenn sie darauf setzen, dass sie nun innerhalb weniger Monate etwas leisten können, was seit 2003 in zehn Jahren nicht geklappt hat. Vor allem, weil der IS nun Monate Zeit hat, um sich auf die angekündigte Militäroperation der Regierung vorzubereiten. Selbst mithilfe von Luftschlägen wird es äußert schwierig, die Dschihadisten aus der Millionenstadt Mossul zu vertreiben. Und eine Verstärkung der Bombenangriffe birgt die Gefahr steigender Opferzahlen unter den Zivilisten.

Die Offensive des IS im Irak ist zwar gebremst worden - aber das ist kaum das Verdienst der Regierungsarmee. Es sind die kurdischen Peschmerga-Kämpfer und von Iran unterstützte schiitische Milizen, die den sunnitischen Extremisten den erbittertesten Widerstand leisten. Doch besonders die schiitischen Freiwilligenverbände sind selbst für Kriegsverbrechen verantwortlich. Ihre Milizionäre haben mehrfach damit geprahlt, dass sie gefangengenommene IS-Kämpfer köpften - ganz so wie es die sunnitischen Dschihadisten mit ihren Opfern machen.

Die USA fordern, dass die schiitischen Milizionäre in die staatliche Armee integriert werden. Doch die Führung in Bagdad sträubt sich: Präsident Fuad Masum will die Verbände bis zum Triumph über den IS eigenständig operieren lassen. Gleichzeitig sträubt sich die Regierung unter dem schiitischen Premierminister Haidar al-Abadi dagegen, sunnitische Stammeskämpfer in der Provinz Anbar aufzurüsten. Lokale Würdenträger haben mehrfach erklärt, dass 5000 Männer bereitstünden, um die Dschihadisten aus der Region zu vertreiben. Nachdem IS-Terroristen Hunderte Mitglieder des Abu-Nimr-Stammes in Anbar massakriert und in Massengräbern verscharrt hatten, wächst dort offenbar die Bereitschaft zum Widerstand gegen den IS.

Doch die Regierung in Bagdad zweifelt an der Loyalität der sunnitischen Stämme. Manche Familien, die oft mehrere Hundert Mitglieder stellen, hatten sich in den vergangenen Monaten dem IS angeschlossen und den Dschihadisten damit den Vormarsch in Richtung Hauptstadt erleichtert. Viele irakische Sunniten fühlen sich von der schiitisch dominierten Führung in Bagdad vernachlässigt.

Besonders die Stammeskämpfer in Anbar haben schlechte Erfahrungen gemacht: Sie hatten 2007 und 2008 die Vorgängerorganisation des IS, al-Qaida im Irak, aus der Region vertrieben. Doch dann brach die Regierung ihr Versprechen, die Milizionäre in die Armee zu integrieren. Deshalb wandten sich viele wieder den radikalen Islamisten zu - mit dem Ergebnis, dass diese nun ein Drittel des Landes kontrollieren.

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Seite 1
enzio 03.11.2014
1. Fehlkalkuliert
Ein typische, amerikanische Idee: Ausbilden, schwer bewaffnen und dann läuft's doch..Von Vietnam über Afganisthan jetzt im Irak machen die USA die gleichen Fehler. Die Bevölkerung muss gewonnen werden. Deshalb ist es sinnvoll, erst einmal auf die zuzugreifen, die wie die Peschmerga und die PKK kämpfen wollen und können. Wann lernen die USA dazu??
pekaef 03.11.2014
2. Vietnam reloaded (wieder einmal)
Leider scheinen die Amerikaner nie etwas aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Vietnam, Irak, Afghanistan, jetzt "IS". Immer dieselbe Taktik: Die Feinde unserer Feinde sind unsere Freunde. Quatsch. In den USA haben sich Demokratie und Nationalismus inzwischen zu einer Art Religion vermengt, die rationales und strategisches Denken leider verhindert.
ekel-alfred 03.11.2014
3. Etwas fehlt....
Zu einer schlagkräftigen Armee fehlt die richtige Einstellung bzw. Opferbereitschaft. Die meisten Iraker sind nur zur Armee gegangen, weil man dort in "Friedenszeiten" gutes Geld verdienen konnte. Das hat aber nichts mit Treue zur Regierung oder Heimatliebe zu tun. Sobald der erste Schuß fiel, haben sie alle auf den Hacken kehrt gemacht.
killi 03.11.2014
4. Weshalb sagt niemand dem Kreml,
dass seine Soldaten im Irak Urlaub machen dürfen? Deren Freizeitbeschäftigung ist doch mit Staatseigentum in Form von Panzern und anderen Waffen, Leute abzuschiessen. Da würden sie erst noch gegen echte Terroristen ballern, die im Gegensatz zur ukrainischen Regierung, Russland auch offiziell den Krieg erklärt haben. Washington selbst lebt einer Illusion nach. Wie der Artikel schon aussagt, was nicht in zehn Jahren funktionierte, wird innert weniger Monaten erst recht nicht funzen. Vorallem nicht, wenn alle Schiss haben, von den IS zu tode gefoltert zu werden, sollten sie in einen Hinterhalt oder sonst wie in Gefangenschaft geraten. Die vielen Aussenposten und Städte wurden nicht grundlos Kampflos aufgegeben. Dieser Konflikt würde nur mithilfe von Nato Soldaten oder aber chinesischen bzw. russischen Truppen schnell beigelegt werden. Aber weder die einen noch die anderen haben ein Interesse daran, auch nur einen Tropfen eigenes Blut auf Nahostgelände tropfen zu sehen.
auf_dem_Holzweg? 03.11.2014
5. Nazi-Deutschland, Russland, Vietnam, Sadam, Afghanistan, Osama... nun IS
die Ami's finden aber echt immer wieder jemanden auf den sie draufhauen müssen. Das traurige dabei ist: unser Hollywood-Staat schafft es auch immer wieder perfekt illusioniert den Rest der Welt davon zu überzeugen daß das "Ungeziefer" umgehend von allen entschlossen entfernt werden muss. Selbst extram passive Politiker wie Merkel werden bei diesen Aufrufen sogar mal aktiv, ein wirklich sehr ungewöhnlicher Zustand. Kann sie doch ansosten kaum handeln, wir erinnern uns an NSA ?!? ... Anstatt vorzubeugen, für mehr Ausgleich und Gerechtigkeit in der Welt zu sorgen fürhen wir lieber Krieg. Klar, das schafft Geld durch Waffengeschäfte. Die paar Leichen fallen ja eigentlich nicht ins Gewicht wenn es um Geld gehr richtig?
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