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Vergewaltigungen im Irak: IS gibt Versklavung Tausender Frauen zu

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REUTERS

Die IS-Extremisten haben Tausende Irakerinnen versklavt und verkauft. Jetzt geben sie ihre Gräueltaten erstmals zu - und liefern eine zynische Begründung.

Tausende irakische Frauen und Kinder werden vermisst. Sie wurden Anfang August von den Anhängern des "Islamischen Staats" (IS) verschleppt. Die Dschihadisten drangen damals in den Nordwesten des Irak vor und erklärten gefangen genommene jesidische Frauen und Kinder zur Kriegsbeute. Die genaue Zahl der Entführten ist unbekannt. Verschiedene Menschenrechtsorganisationen gehen von 2500 bis 7000 Verschleppten aus. Den meisten Jesiden - Hunderttausenden - gelang die Flucht.

Vor einem Monat hatte SPIEGEL ONLINE ausführlich über die Situation der verschleppten Frauen berichtet. Die ersten von ihnen wurden damals schon auf Märkten zum Kauf angeboten - als wären sie eine Ware. Der Menschenhandel dauert bis heute an. Die Frauen und Kinder sollen für ihre "Käufer" putzen, kochen, waschen und andere Hausarbeiten erledigen. Viele der Sklavinnen werden zudem Opfer sexueller Gewalt.

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Fotostrecke: Jesidische Frauen
Jetzt hat sich der IS erstmals offiziell zum Schicksal der Frauen und Kinder geäußert. Im englischsprachigen Propagandamagazin der Gruppe heißt es, dass den Behörden des IS ein Fünftel der Gefangenen zugesprochen worden sei - sozusagen als staatliche Kriegsbeute. So habe es schließlich schon der Prophet Mohammed bei seinen Eroberungszügen gehalten. Die restlichen Frauen und Kinder seien unter den Männern verteilt worden, die an dem Feldzug gegen die Jesiden teilgenommen hatten.

Sex mit der Sklavin ist okay, mit der Freundin nicht

Von diesen Frauen und Kindern gelang manchen inzwischen die Flucht, und sie konnten Menschenrechtlern von ihren schrecklichen Erlebnissen berichten. Im aktuellen SPIEGEL erzählt eine 20-Jährige von ihrer Gefangenschaft. Viele jedoch blieben in der Gewalt der Kämpfer oder wurden von ihnen verkauft.

Das IS-Propagandaheft rechtfertigt die Wiedereinführung von Sklaverei auf besonders frauenverachtende Weise. "Mehrere zeitgenössische Islamgelehrte sagen, dass das Ende der Sklaverei zu einer Zunahme von unzulässigen sexuellen Aktivitäten (Ehebruch, Unzucht et cetera) geführt hat." Ein Mann, der sich noch keine Ehe mit einer Frau leisten könne, habe schlichtweg keine Scharia-konforme Sexalternative, schreibt das IS-Magazin.

Nun aber könne der Mann auch außerhalb der Ehe legalen Geschlechtsverkehr haben, denn, so die krude Logik der Dschihadisten: Sex mit einer Sklavin sei erlaubt, mit der Freundin jedoch nicht.

Ähnlich absurd ist auch die Empfehlung für verheiratete Männer: Das Hausmädchen zu missbrauchen, sei kein feiner Zug - es sei denn, es handele sich dabei um eine Sklavin. Die IS-Anhänger versuchen so schönzureden, dass sie Frauen vergewaltigen. Das internationale Recht hingegen ist eindeutig: Es betrachtet Versklavung als Verbrechen gegen die Menschheit.

Wer anders denkt, gilt als Verräter

Möglicherweise sind die IS-Propagandaschreiber selbst über ihre merkwürdigen Rechtfertigungen gestolpert. Denn zur Verstärkung ihrer Argumentation schieben sie nach, dass jeder Andersdenkende feige und dumm sei und ein Verräter des Islam. Dabei sind es die IS-Dschihadisten, die mit ihrer extremen Koran-Auslegung in der Minderheit sind. Millionen Muslime weltweit sehen Sklaverei nicht als Teil ihres Glaubens an.

Der IS verhält sich gegenüber den Jesiden, den schiitischen Turkmenen im Irak und den schiitischen Schabak besonders grausam. Festgenommene Männer wurden hingerichtet, Frauen und Kinder als Kriegsbeute versklavt und verkauft. Gläubige dieser Gruppen gelten gewissermaßen als vogelfrei - anders als etwa Juden oder Christen, die unter bestimmten Bedingungen toleriert werden.

Christen können theoretisch in IS-kontrollierten Gebieten bleiben, solange sie Schikanen wie etwa eine Sondersteuer und den Status als Menschen zweiter Klasse akzeptieren. Tatsächlich aber sind die irakischen und syrischen Christen längst vor dem IS geflohen und ließen all ihr Hab und Gut zurück. Selbst ihr Schmuck wurde ihnen an den Checkpoints des IS abgenommen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 56 Beiträge
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1. Frauenbild im Islam
t-o-m-k-o 13.10.2014
Der IS treibt es zwar auf die Spitze, aber die Rolle und Rechte der Frau im Islam ist ein Mensch zweiter Klasse. Siehe Afghanistan, Saudi Arabien usw. usw. Das ist nicht neues.
2.
lotharec 13.10.2014
Internationales Recht wie in der Menschenrechtserklaerung der UN mag ja eindeutig sein. Nur leider wird diese Menschenrechtserklaerung durch eine eigene Menschenrechtserklaerung der OIC ersetzt, die alles unter Vorbehalt der Scharia stellt. Und wenn man dieser in die Vergangenheit folgt, ist dieses Verhalten der IS durchaus mit den damaligen Vorstellungen aller vier sunnitischen Rechtsschulen in Uebereinstimmung. Frauen und Kinder galten als Kriegsbeute und wurden versklavt. Dies bezieht sich unmittelbar auf den Koran, z.B. folgende Verse: Und (verwehrt sind euch) verheiratete Frauen außer denen, die ihr von rechts wegen besitzt. Dies ist Allahs Vorschrift für euch. Und erlaubt ist euch außer diesem, daß ihr mit eurem Geld Frauen begehrt, zur Ehe und nicht zur Hurerei. Und gebt denen, die ihr genossen habt, ihre Brautgabe. Dies ist eine Vorschrift; doch soll es keine Sünde sein, wenn ihr über die Vorschrift hinaus miteinander eine Übereinkunft trefft. Seht, Allah ist Allwissend und Allweise. [Surah An-Nisa 4:24] Und dient Allah und setzt Ihm nichts zur Seite; und seid gut zu den Eltern und zu den Verwandten, den Waisen, den Armen, dem Nachbar, sei er verwandt oder aus der Fremde, dem Begleiter an der Seite, dem Sohn des Weges und zu dem (Sklaven), den ihr von rechts wegen besitzt. Seht, Allah liebt nicht den Hochmütigen und Prahler , [Surah An-Nisa 4:36] Im 4.24 sind die Frauen, die der Moslem "von rechts wegen besitzt" eben seine Sklavinnen.
3. @ t-o-m-k-o
_da 13.10.2014
Alter Hut! Machen Sie mal die Bibel auf oder ein Geschichtsbuch über das Mittelalter. Den Frauen ging es früher mit dem Christentum auch nicht soo gut. Religionen sind alle frauenfeindlich. Nur das wir in unseren Breitengraden zum Glück schon weiter sind. Fragen Sie mal die Leute im Vatikan, ob die glücklich sind über die Selbstbestimmung der Frau, die es auch noch nicht so wirklich lange gibt. Mir gefallen die Religionen alle nicht und wenn wie hier so ein Bericht mal wieder benutzt wird, um sich selbst als so fortschrittlich und überlegen darzustellen ist das albern und nervig. Versuchen Sie doch mal etwas zu verbessern, statt immer nur mit dem Finger auf andere zu zeigen.
4. Religion gehört abgeschafft
bluesi 13.10.2014
Wenn man Religion zulässt, kann man sich dann beschweren wenn Leute anfangen ihre Religion ernst zu nehmen? Ich verstehe diesen ganzen Umgang mit Religion nicht wirklich. Die Grundlage, der Koran, ist relativ eindeutig. Wie kann man den Leuten einerseits zugestehen nach Belieben einer Religion zuzugehören, diese aber nicht ausleben zu dürfen. Religion ist immer unmenschlich gegenüber allen die nicht zur selben Religion gehören. Nur weil in der modernen Christenheit 90% der Bibel einfach ignoriert wird, kann man doch nicht erwarten, dass das alle Anderen auch so machen. Dann sollte man sich mal eindeutig gegen Religion positionieren und für eine weltweite Abschaffung eintreten. Der Islam ist doch nicht besser oder schlechter. Gerade in diesem Punkt, sind Bibel und Koran relativ ähnlich, sklaverei, vergewaltigung von nicht angehörigen der religion, beides in beiden religionen völlig legitim. Wenn man Religion erlaubt dann kann man den Leuten nicht vorwerfen wenn sie sich an deren regeln halten wollen. Und Religion steht immer im Widerspruch zu zivilisiertem Miteinander. Gehört einfach grundsätzlich verboten.
5. Ist leider nichts wirklich neues... wenn extrem ausgelegt im radikalen Islam
musca 13.10.2014
Im radikalen Islam ist es halt so, die Rolle von Frauen und auch die Rolle von Kindern. Bis weit in das zwanzigste Jahrhundert hinein war es sogar in den "christlich geprägten Staaten" Europas leider noch teils laut Gesetz noch ähnlich..in der Schweiz !! mitten in Europa, ( man mag es kaum glauben) haben die Frauen erst Anfang der siebziger Jahre endlich formell volle Bürgerrechte zugestanden bekommen Die Schweiz ist ja sonst ganz sicher eine saubere Demokratie - aber in dem Punkt....???...hinterherhinkend... Auch in Deutschland und Österreich dürfen Frauen erst seit Ende des ersten Weltkriegs wählen. ( auch noch nicht mal hundert Jahre vergangen seither) Der Islam geht halt da oft leider da ganz ins Extreme, nicht nur im "IS-Gebiet", wie ein Forist schon schrieb, Afghanistan , vor allem Saudi-Arabien...etc..etc.. Aber Saudi-Arabien ist ja schliesslich auch ein verbündeter Staat im Kampf gegen IS. Die Frauen in den islamischen Staaten müssten da mal aktiv werden und aufbegehren gegen ihren vorgegebenen Status "als Menschen zweiter Klasse"..vielleicht ändert sich dann langsam etwas...??? Ich bin übrigens männlichen Gechlechtes, das darf aber einfach nicht sein das Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelt werden....alte Traditionen hin oder her... uralte Traditionen müssen auch mal gebrochen werden.
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