Enthauptungsvideo "Islamischer Staat" tötet zweite japanische Geisel

Die zweite japanische Geisel der IS-Terrormiliz ist tot. Ein Video zeigt, wie der Journalist Kenji Goto enthauptet wird. Der japanische Verteidigungsminister geht von der Echtheit des Films aus.


Kairo/Tokio/Washington - Die japanische Regierung hat die Echtheit eines Videos überprüft, das die Enthauptung der IS-Geisel Kenji Goto zeigen soll. Laut Verteidigungsminister Gen Nakatani ist der Film authentisch.

In dem Video, das am Samstag im Netz veröffentlicht wurde, droht ein in Schwarz gekleideter IS-Kämpfer dem japanischen Premierminister Shinzo Abe, "ein Massaker zu veranstalten, wo auch immer deine Leute zu finden sind". Wie bei früheren Enthauptungsvideos des IS kniet die Geisel in einem orangefarbenen Overall, der an die Häftlingskleidung im US-Gefangenenlager Guantanamo erinnert, auf dem Boden. "Eine ganze Armee dürstet nach eurem Blut", sagt der IS-Kämpfer. Am Ende des einminütigen Videos ist ein abgetrennter Kopf zu sehen.

Die japanische Regierung reagierte entsetzt: Man sei "zornig" über einen weiteren Akt des Terrorismus, sagte ein Regierungssprecher in Tokio. Eine Krisensitzung wurde einberufen. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sagte: "Wir werden dem Terrorismus nicht nachgeben."

Der japanische Journalist Goto war im Oktober von Kämpfern der Terrormiliz in Geiselhaft genommen worden. Als freier Journalist hatte der 47-Jährige aus vielen Kriegsgebieten berichtet. Fortschritte bei den Verhandlungen hatte es zuletzt nicht gegeben: Noch am Freitag hatte Japans Vizeaußenminister Yasuhide Nakayama in Amman gesagt, die Situation sei "festgefahren". Zuletzt hatte der IS am Donnerstag eine Audiobotschaft Gotos veröffentlicht.

Auch die USA untersuchen das Filmmaterial. "Wir haben das Video gesehen, das angeblich zeigt, dass Kenji Goto von der Terrorgruppe ermordet wird", sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses. "Wir arbeiten daran, die Authentizität des Videos zu bestätigen." Zudem rief sie den IS dazu auf, alle verbleibenden Geiseln unverzüglich freizulassen.

Vor einer Woche hatte die Miliz eine erste japanische Geisel getötet. Für beide Gefangenen forderten die Dschihadisten zuerst Geld, dann die Freilassung einer in Jordanien inhaftierten Islamistin. Bei den Verhandlungen über das Schicksal der Islamistin ließ der IS vergangene Woche mehrere Ultimaten zum Tod der zweiten japanischen Geisel verstreichen.

Unerwähnt blieb im veröffentlichten Video das Schicksal einer weiteren jordanischen Geisel. Japans Regierung hatte sich gemeinsam mit Jordanien in der vergangenen Woche um die Freilassung beider bemüht.

otr/eth/Reuters/dpa



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