Konflikt in Syrien "Dieser Plan wird die Niederlage des IS herbeiführen"

Bei einem Luftangriff gegen den "Islamischen Staat" in Syrien sind Dutzende Zivilisten ums Leben gekommen. Trotzdem gibt sich die Anti-Terror-Allianz bei einem Strategietreffen in den USA siegessicher.

Reste einer Ortschaft nahe Kobane (Archivbild): "Am Boden die Ausbreitung des IS gestoppt"
AP/dpa

Reste einer Ortschaft nahe Kobane (Archivbild): "Am Boden die Ausbreitung des IS gestoppt"


Rund neun Monate nach Beginn der Luftangriffe gibt sich das internationale Bündnis im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) siegessicher. "Dieser Plan wird die Niederlage des IS herbeiführen", sagte der britische Brigadegeneral Gary Deakin am Freitag nach einem mehrtägigen Strategietreffen von mehr als 300 Militärvertretern aus 39 Ländern in Tampa im US-Bundesstaat Florida. Dort hat das US-Zentralkommando seinen Sitz, das die Angriffe gegen die IS-Kämpfer koordiniert.

"Am Boden haben irakische Kräfte die Ausbreitung des IS gestoppt und drängen ihn zurück", sagte der französische Generalmajor Bernard Commins. Es ist die dritte Runde dieser Art binnen eines Jahres, das vom US-Zentralkommando ausgerichtet wurde.

Den kämpferischen Aussagen der Militärs stehen allerdings Meldungen gegenüber, wonach ein US-Luftangriff gegen Stellungen der IS-Terrormiliz nahe der nordsyrischen Stadt Kobane am Freitag Dutzende zivile Todesopfer gefordert hat. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kamen bei dem Einsatz mindestens 52 Zivilisten ums Leben.

Die Zahl der Opfer kann noch steigen

Zu dem Vorfall in Nordsyrien hatte das Pentagon am Freitag erklärt, dass bei sechs Luftangriffen sieben IS-Stellungen und ein Fahrzeug der Terrormiliz zerstört wurden. Über zivile Opfer machte das US-Verteidigungsministerium keine Angaben. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass der IS die Zivilisten als Schutzschilde missbraucht hat.

Die vom IS kontrollierte Nachrichtenagentur Amaaq bezifferte die Zahl der getöteten Zivilisten mit 80. Aktivisten außerhalb der IS-beherrschten Zone sprachen zunächst von zusammengerechnet 90 Toten und Verletzten.

Unter den Opfern des Bombardements im Dorf Bir Mahli seien auch sieben Kinder gewesen, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. 13 Menschen würden noch unter den Trümmern vermisst. Der Nachrichtenagentur AFP sagte Rahman, es habe zwar in der Nähe des Dorfes Kämpfe zwischen syrischen Rebellen und kurdischen Einheiten gegeben. Im Ort selbst hätten sich aber "ausschließlich Zivilisten" aufgehalten.

Der Konflikt weitet sich aus

Rebellen und Regierungskräfte lieferten sich indes unweit der Hafenstadt Latakia heftige Kämpfe um die strategisch wichtige Anhöhe Nabi Junis. Sollten die Regimegegner das Gebiet einnehmen, würde ihnen das den Weg in die syrische Küstenebene öffnen, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Dort hat die religiöse Minderheit der Alawiten ihre Hochburg, der auch Machthaber Baschar al-Assad angehört. Die Küstenebene um Latakia ist seit Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 weitgehend von Kämpfen verschont geblieben. Sollte der Konflikt das Gebiet erreichen, würde das den Druck auf die von Alawiten getragene Zentralregierung stark erhöhen.

Bislang mehr als 3600 Luftangriffe

Der Uno-Sondervermittler für Syrien, Staffan de Mistura, will von Dienstag an in Genf versuchen, wieder Friedensverhandlungen zwischen Regierung und Opposition in Gang zu bringen. Die Sondierungsgespräche mit einzelnen Konfliktparteien sollen mehrere Wochen andauern. Die letzten Friedensverhandlungen in Genf waren Anfang 2014 gescheitert.

Zu künftigen Angriffsplänen des Anti-IS-Bündnisses wurde auf dem Strategietreffen in Tampa nichts bekannt. Das US-Zentralkommando teilte mit, zwölf Länder der Koalition hätten bislang mehr als 3600 Luftangriffe im Irak und in Syrien geflogen.

Im Irak beteiligten sich Staaten wie Australien, Belgien, Dänemark, Jordanien und Frankreich an den Angriffen. In Syrien bombardierten neben den USA und Kanada auch mehrere arabische Länder IS-Ziele. Als Teil des Bündnisses hat Deutschland unter anderem kurdische Kämpfer im Nordirak ausgebildet.

mak/dpa



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freddygrant 23.03.2019
1. Die militärische ...
... Strategie gegen die IS scheint jetzt nach demselben Prinzip zu laufen wie im Vietnam-Krieg. Alles platt zu machen, was sich auf IS-kontrolliertem Gebiet noch bewegt. So wird das nichts werden! Das Schlimme ist, dass an diesem Bombardement nicht mehr nur die Amis beteiligt sind, sondern eine kaum noch überschaubare "Anti-Terror-Allianz" hinter der sich die US-Militärs feige verstecken können ...
marthaimschnee 02.05.2015
2.
Todsicherer Plan: einfach jeden töten!
SonOfAnnwn 02.05.2015
3. Natürlich gibt es ziviele Opfer
Ziviele Opfer wird es immer geben - besonders bei Luftschlägen und gegen solche Gegner. Aber wo gehobelt wird da fallen Späne. Es gibt keinen ssuberen Krieg!
Atheist_Crusader 02.05.2015
4.
"Bei einem Luftangriff gegen den "Islamischen Staat" in Syrien sind Dutzende Zivilisten ums Leben gekommen. Trotzdem gibt sich die Anti-Terror-Allianz bei einem Strategietreffen in den USA siegessicher." Was ist denn das für ein seltsamer Versuch, diese zwei Dinge miteinander in Verbindung zu bringen? Im Krieg sterben Menschen. Noch mehr, wenn mehr Beteiligte inkompetent sind oder sich schlicht nicht scheren. Auf die Siegeschancen hat das aber selten Einfluss.
Inselbewohner, 02.05.2015
5. Fragen bleiben offen
So wie ich es verstehe verfolgt die Allianz der "Guten" zwei Ziele. Erstens den IS besiegen, zweitens Assad zu entmachten. Beides wohl richtig aber gibt es einen Plan für danach? Was wird aus Syrien wenn beide Ziele erreicht sind, läßt man die Syrer dann in der Scheiße sitzen wie die Afghanen, Libyer und den Irak? Gibt es dann eine Allianz der Guten die das Land wieder aufbauen? Ich bin da mehr als skeptisch denn die Erfahrung lehrt etwas anderes. Die Menschen in Syrien werden sich darauf einstellen müssen, dass ihr Land von außen zerstört wurde und sie um Jahrzehnte in seiner Entwicklung zurück geworfen haben. Wieder ein Staat der keine Zukunft hat schon gar nicht die Menschen dort. Wer will es ihnen verdenken, dass sie dorthin wollen wo nach ihrem Verständnis noch Stabilität herrscht. Unglaublich was religiöser Wahn und politische Großmannsucht anrichten kann. HP
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