Rekruten für den "Islamischen Staat" Die Weltkarte des Terrors

Zehntausende Männer haben sich der Terrorgruppe "Islamischer Staat" angeschlossen. Woher kommen die Kämpfer? Warum ist der Zustrom aus einigen Ländern besonders hoch? Die Übersicht.

IS-Kämpfer in Mossul, Irak:  Wo rekrutiert die Miliz ihren Nachwuchs?
AP/dpa

IS-Kämpfer in Mossul, Irak: Wo rekrutiert die Miliz ihren Nachwuchs?


Auf zwischen 20.000 und 32.000 Kämpfer schätzt der US-Auslandsgeheimdienst CIA die radikale Gruppe "Islamischer Staat" (IS). Knapp die Hälfte davon sind Iraker oder Syrer, die andere Hälfte kommt aus Drittländern: Mehr als 15.000 Männer, die anderswo rekrutiert wurden, kämpfen für den IS, vermutet die Uno.

Die Experten der Vereinten Nationen gehen davon aus, dass die IS-Kämpfer aus insgesamt rund 80 Ländern stammen. Doch einige wenige Staaten stellen dabei den Großteil. Aus welchen Ländern kommen diese IS-Kämpfer? Welche Länder sind besonders betroffen? Die Karte des Dschihadismus zeigt klare Trends. Die wichtigsten Herkunftsländer sind demnach:

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  • Tunesien: Aus dem Geburtsland des Arabischen Frühlings sind besonders viele Staatsbürger nach Syrien und in den Irak gereist. Erst nach und nach kehren die Touristen nach Tunesien zurück, auch ausländische Investoren zieren sich noch. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, ebenso der Verdruss über die herrschenden Verhältnisse. Tausende junge Tunesier haben sich dem IS angeschlossen, aus ideologischer Überzeugung, aber vielfach wohl auch wegen der Aussicht auf ein regelmäßiges Gehalt. Der IS zahlt jedem Kämpfer einen Lohn, es gibt sogar eine Art von Sozialversicherung.

  • Saudi-Arabien: Der reiche Golfstaat hat schon lange ein Dschihadisten-Problem. Rund 1000 Saudis zogen in den Achtzigerjahren nach Afghanistan in den Krieg, darunter auch Osama bin Laden. Experten machen dafür die erzkonservative Islam-Auslegung verantwortlich, die in Saudi-Arabien herrscht und der IS-Ideologie teils ähnelt. Zudem hat das Königreich nach Jahren harscher Repression auf eine laxe Dschihadisten-Politik umgeschwenkt. Die Behörden schauen nun oft weg, wenn saudische Radikale nach Syrien ziehen.

  • Jordanien: Als unmittelbarer Nachbar Syriens und des Iraks ist das kleine Königreich besonders von der humanitären Katastrophe in der Region betroffen. Viele Jordanier leiden mit ihren Nachbarn. Manche schließen sich dem IS an in dem Glauben, auf der richtigen Seite zu kämpfen. Andere sehen im IS einen gut zahlenden Arbeitgeber. Die Verbindung zu den Dschihadisten im Nachbarland besteht schon länger: Der Vorläufer des "Islamischen Staats", die irakische Qaida, wurde von dem palästinensischstämmigen Jordanier Abu Musab al-Zarqawi gegründet.
  • Europa: Besonders erschreckend ist die hohe Zahl der Europäer in den Reihen des IS. Nach Syrien sind mehr Europäer ausgereist als in den vergangenen 20 Jahren in die Kriege nach Bosnien, Afghanistan und Irak zusammen. Die Europäer haben häufig einen muslimischen Migrationshintergrund, stammen aus nicht besonders gläubigen Familien - in ihrer neuen Heimat fühlen sie sich zumeist nicht akzeptiert. Die bevölkerungsreichsten europäischen Länder sind besonders stark vertreten: Frankreich, Deutschland und das Vereinigte Königreich. Pro Kopf betrachtet, liegen Belgien und Dänemark vorn.

Hohe Dunkelziffer der Syrien-Ausreisenden

Die Ausreisezahlen anderer Länder sagen oft viel aus über dortige interne politische oder politisch-religiöse Konflikte. Bei den Kämpfern finden sich immer wieder auch Angehörige von Minderheiten. Aus Russland sind vor allem Tschetschenen nach Syrien gereist, aus China Uiguren, aus Israel arabische Israelis.

Die Ausreisezahlen sind Schätzungen. Es gibt keine genauen Angaben. Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich sehr hoch, schließlich haben die nach Syrien Ausreisenden großes Interesse daran, ihre Pläne zu verheimlichen. Viele Regierungen in den Heimatländern tun sich schwer damit, die Islamisten rechtzeitig zu identifizieren und aufzuhalten.

SPIEGEL ONLINE hat neben den jüngsten Schätzungen der jeweiligen Regierungen auch die Berichte verwendet, die das Radikalismus-Forschungszentrum ICSR in London und die "Soufan Group", eine Risikoberatungsfirma, veröffentlichten. Eine vergleichbare Karte hatte auch die "Washington Post" veröffentlicht, allerdings sind diese Zahlen nicht mehr aktuell.

Der IS braucht Ausländer - als einfache Fußsoldaten. Viele von ihnen werden im Kampf um die Gebiete in Syrien und im Irak regelrecht verheizt. Bisher interessiert sich der IS wenig für Anschläge im Westen. Anders als die Zentralführung von al-Qaida bildet der IS nach bisherigen Erkenntnissen dafür keine Ausländer aus.

Allerdings ist die Gefahr groß, dass radikalisierte oder traumatisierte IS-Rückkehrer selbstständig nach ihrer Rückkehr in die Heimat Attentate verüben. Ein Franzose erschoss im Mai nach seiner Rückkehr aus Syrien vier Menschen vor dem jüdischen Museum in der belgischen Hauptstadt Brüssel.



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