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Dokument des Fatwa-Komitees: IS-Miliz erlaubt offenbar Handel mit Organen ihrer Opfer

IS-Anführer Baghdadi: Fatwa erlaubt den Organhandel Zur Großansicht
AFP/ AL-FURQAN MEDIA

IS-Anführer Baghdadi: Fatwa erlaubt den Organhandel

Wenn das Leben eines Muslims gerettet werden kann, darf man Abtrünnigen die Organe entnehmen: Ein Dokument des eigenen Fatwa-Komitees legt nahe, dass der IS den Handel mit Organen erlaubt. US-Spezialkräfte haben das Papier sichergestellt.

Der "Islamische Staat" (IS) erlaubt seinen Gefolgsleuten offenbar den Organhandel: Wenn das Leben eines Muslims gerettet werden könne, dürften Körperteile von Abtrünnigen entnommen werden. Auch wenn dadurch das Leben der unfreiwilligen Spender gefährdet werde. Das geht aus einem Schreiben von Ende Januar hervor, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. (Eine Übersetzung durch die US-Regierung lesen Sie hier.)

Reuters konnte das Dokument nicht von unabhängiger Stelle aus verifizieren lassen. Offiziellen zufolge gehört das Papier jedoch zu weiteren Daten und Informationen, die US-Spezialkräfte im Mai bei einer Razzia im Osten Syriens an sich bringen konnten.

"Die Organe der Abtrünnigen dürfen straffrei entnommen werden", steht in dem Dokument des Fatwa-Komitees des IS. Ob die Dschihadisten diese Regelung tatsächlich anwenden, geht aus dem Schreiben jedoch nicht hervor. Auch wer unter dem Begriff Abtrünniger gefasst wird, wird nicht näher erläutert.

Der irakische Uno-Botschafter hatte der Miliz bereits im Februar vorgeworfen, mit Organen zu handeln. In flachen Massengräbern seien Leichen mit operativen Einschnitten entdeckt wurden, deren Nieren fehlten, hieß es damals. Zudem seien in Mossul Dutzende Ärzte umgebracht worden, weil sie die Entnahme von Organen verweigert hätten.

Bereits im Juni berichteten US-Medien unter Berufung auf Regierungskreise, der Datensatz, den ein US-Spezialkommando am 16. Mai erbeutet hatte, habe sich als wahre Fundgrube erwiesen. Den Soldaten war es gelungen, Laptops, Mobiltelefone und anderes Material zu erbeuten.

Insgesamt soll es sich um vier bis sieben Terabyte Daten handeln. Im Juni hieß es bereits, der Fund habe wertvolle Hinweise dazu geliefert, wie der selbst ernannte Kalif Abu Bakr al-Baghdadi den IS führe.


Mehr zu Entstehung und Aufbau des "Islamischen Staats" lesen Sie auch in dem Buch "Die schwarze Macht" von SPIEGEL-Reporter Christoph Reuter. Ihm war es bereits im vergangenen Jahr gelungen, Organigramme und Angriffspläne des IS aufzuspüren. Hier erfahren Sie mehr über seine Recherchen.

vek/Reuters

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