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Arabischer Spott über IS-Miliz: Fährt ein Salafist mit dem Taxi...

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YouTube/Watan a Watar

Der "Islamische Staat" verbreitet Angst und Schrecken. Doch im Nahen Osten wird den Radikalen neuerdings auch mit Häme begegnet. Arabische Fernsehsender zeigen gehässige Satirevideos.

Der libanesische Taxifahrer - Schnurrbart, Pilotenbrille - hat einen besonders anstrengenden Fahrgast mitgenommen, einen Salafisten. Ständig hat der irgendetwas auszusetzen. "Gab es das früher? Mach diese Ketzerei aus", meckert der Salafist über die Musik im Radio. Auch die Umgangssprache des Taxifahrers passt ihm nicht, die Klimaanlage stört ihn, das Handy nervt. Da platzt dem Fahrer der Kragen. "Gab es früher Taxis? Raus mit dir! Such dir ein Kamel in die Innenstadt!"

Die Satire des libanesischen Fernsehsenders LBC ist ein Beispiel für die Haltung, mit der einige im Nahen Osten die Miliz "Islamischer Staat" (IS) betrachten. Auf YouTube und auf arabischen Kanälen gibt es immer mehr Spottvideos über die Radikalen.

"Diese Leute repräsentieren nicht den wahren Islam. Indem wir uns über sie lustig machen, zeigen wir, dass wir gegen sie sind", sagt Nabil Assaf, einer der Produzenten und Gag-Schreiber der LBC-Satiresendung. "Es ist ein Weg, Extremismus abzulehnen auf eine Art, die keine Angst macht."

Die Häme kann sich allerdings nur leisten, wer sich in sicherem Abstand zu den Kämpfern der IS befindet und keiner Gefahr ausgesetzt ist. Allein im Irak mussten knapp eine Million Menschen zwischen Juni und August vor der Miliz flüchten.

Radikale als einfältig und scheinheilig verspottet

Der rasante Aufstieg von IS irritiert nicht nur im Westen. Auch im Nahen Osten prallen Welten aufeinander: Liberale Moslems treffen auf Radikalislamisten wie in dem Video mit dem Taxifahrer. Manchmal werden die Glaubensunterschiede zudem überlagert von der unterschiedlichen sozialen Herkunft: Die Mittelschicht und Eliten der Städte blicken mit einer Mischung aus Ungläubigkeit und Arroganz auf die extremistischen Emporkömmlinge. Viele der IS-Kämpfer und Selbstmordattentäter stammen aus eher einfachen Verhältnissen. Die ausländischen Dschihadisten haben zudem oft kaum Kenntnisse von den Ländern und Gesellschaften, in denen sie sich bewegen.

In den Spottvideos schwingen immer dieselben Untertöne mit: Den IS-Kämpfern wird Scheinheiligkeit, Besserwisserei und Einfältigkeit attestiert. So spottet ein libanesischer Satiretext über den IS, die Miliz habe eigentlich den Libanon erobern wollen, dann jedoch erst einmal davon abgesehen - weil sie nicht so genau durchblicke, wen sie eigentlich stürzen müsse. "Wir verstehen die Logik des Libanons noch nicht so ganz", verzweifelt der vermeintliche IS-Sprecher in der Satire an dem komplexen multikonfessionellen Staat.

Satire unter dem Hashtag #ISISMovies

Auf Twitter werden die Radikalen unter dem Hashtag #ISISMovies veralbert: wie Filme hießen, wenn sie von den Radikalen gedreht würden. Vorschläge sind nach Tarantino-Vorbild etwa "Kill Bill, Kill Everyone" und "Dschihad Unchained", oder auch "I Know What You Did Last Ramadan" und "My Best Friend's 11-Year Old Daughter's Wedding" in Anlehnung an bekannte US-Filme.

Auf Twitter werden die Radikalen mit sarkastischen Fragen unter #AskIslamicState verhöhnt. Vergleichsweise harmlos sind da noch Sätze wie: "Seid ihr euch absolut sicher, dass noch wirklich 72 Jungfrauen für jeden Märtyrer übrig sind?" Auch viele pauschale Attacken auf den Islam sind darunter.

Selbst im wahren Leben sorgt der Zusammenprall der zwei Welten manchmal für Szenen, die inmitten der Grausamkeit an Realsatire grenzen: Zwei irakische Nonnen beschrieben auf der auf Syrien spezialisierten Webseite "Syria Comment" ihre Begegnung mit einem tunesischen Dschihadisten, der kaum etwas über Christen wusste und sie ständig schikanierte. Für den irakischen IS-Chef des Tunesiers dagegen waren Christen nichts Fremdes - seit über tausend Jahren lebten sie mit Muslimen im Nordirak zusammen.

Der irakische IS-Kämpfer tröstete die Nonnen nach einer erneuten Ausfälligkeit des Tunesiers: "Macht euch keine Sorgen um diesen Typen, der ist eh bald weg. Das ist ein Selbstmordattentäter."

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Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 37,548 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Haidar al-Abadi

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