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Befreiung von IS-Gefangenen: Türkei soll Dschihadisten im Tausch gegen Geiseln freigelassen haben

Befreite Geiseln mit Premier Davutoglu: Gefangenenaustausch mit dem IS? Zur Großansicht
AFP

Befreite Geiseln mit Premier Davutoglu: Gefangenenaustausch mit dem IS?

Wieso hat die Terrormiliz IS 49 türkische und irakische Geiseln freigelassen? Offenbar gibt es dafür jetzt eine Erklärung. Berichten zufolge hat Ankara einen Deal mit den Terroristen geschlossen - und bis zu 180 europäische Dschihadisten gehen lassen.

Istanbul - Wochenlang schwieg die türkische Regierung über die Hintergründe der Befreiung von 49 Geiseln aus der Gewalt der IS-Terrormiliz - jetzt deutet vieles auf einen Gefangenentausch als Erklärung: Bis zu 180 in der Türkei inhaftierte Dschihadisten aus Europa habe Ankara im Tausch gegen die Geiseln freigelassen, berichtet die britische Zeitung "The Times" unter Berufung auf eine ihr vorliegende Liste.

Unter den freigelassenen Extremisten waren demnach drei Franzosen, zwei Briten, zwei Schweden, zwei Mazedonier, ein Schweizer und ein Belgier. Die britische Terrorabwehr gehe davon aus, dass der 18-jährige Schüler Shabazz Suleman und der acht Jahre ältere Hisham Folkard unter den im Tausch gegen die türkischen und irakischen Geiseln freigelassenen Dschihadisten waren. Aus britischen Regierungskreisen wurde die Liste als "glaubhaft" bezeichnet, wie die BBC berichtet. Ihre Korrektheit soll auch von Quellen aus dem IS bestätigt worden sein.

Angehörige von Top-Terrorist Iraki an den IS?

Die "Times" zitierte den Sprecher einer an dem Deal beteiligten Gruppe, demzufolge auch Angehörige von Abu Bakr al-Iraki freikamen. Der führende Terrorist der Terrormiliz "Islamischer Staat" war im Januar von syrischen Aufständischen getötet worden.

Nach mehr als drei Monaten in der Gewalt des IS waren die 46 türkischen und drei irakischen Geiseln vor rund zweieinhalb Wochen freigekommen. Die Islamisten hatten die Geiseln in ihre Gewalt gebracht, als sie am 11. Juni das Konsulat im nordirakischen Mossul stürmten. Unter den Gefangenen waren neben dem Generalkonsul auch andere Diplomaten, Soldaten und Kinder.

Die Regierung in Ankara hatte die Geiseln stets als Grund dafür angeführt, warum sie sich nicht stärker im internationalen Kampf gegen IS engagieren könne. Davutoglu sagte, die Befreiung sei das Ergebnis "tagelanger, wochenlanger harter Arbeit". Zu den näheren Umständen äußerte er sich damals nicht.

mxw/AFP

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