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US-Geisel getötet: IS veröffentlicht neues Enthauptungsvideo

Kassig als Entwicklungshelfer in Syrien: Das Flehen der Eltern war umsonst Zur Großansicht
AP

Kassig als Entwicklungshelfer in Syrien: Das Flehen der Eltern war umsonst

Der "Islamische Staat" hat offenbar erneut eine westliche Geisel enthauptet. In einem Video zeigen die Dschihadisten den Kopf eines mutmaßlichen ehemaligen US-Soldaten, der zuletzt als Entwicklungshelfer gearbeitet hatte.

Tunis - Die Dschihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) hat nach eigenen Angaben den US-Bürger Peter Kassig enthauptet. In einem am Sonntag auf islamistischen Internetseiten veröffentlichten 16-minütigen Video ist ein maskierter Mann zu sehen, der behauptet, Kassig ermordet zu haben. Neben dem mutmaßlichen Täter ist ein abgeschlagener Kopf zu sehen. Ob es wirklich der Kopf der Geisel ist, war zunächst nicht zu verifizieren.

In dem Video sind noch weitere Enthauptungen syrischer Soldaten zu sehen. Den US-Truppen werde Ähnliches widerfahren, warnt der maskierte Mann, der Englisch mit britischem Akzent spricht.

Der 26-jährige Kassig hatte laut "Washington Post" 2007 Armeedienst im Irak geleistet. Nach seinem ehrenhaften Ausscheiden aus medizinischen Gründen habe Kassig begonnen, Politikwissenschaft zu studieren. Er beteiligte sich an Hilfsprojekten für die Opfer des syrischen Bürgerkriegs und gründete sogar eine eigene kleine Hilfsorganisation. Nach Angaben seiner Eltern war er Anfang Oktober 2013 in Dair as-Saur im Osten des Landes entführt worden. In Gefangenschaft trat er zum Islam über und nahm den Namen Abdul-Rahman an.

Kassig war zuletzt am Ende eines IS-Videos zu sehen, in dem die Enthauptung des Briten Alan Henning gezeigt wurde. Die in den vorangegangenen Hinrichtungsvideos jeweils zum Ende gezeigten westlichen Geiseln sind von IS-Milizionären getötet worden. Deshalb hatten Kassigs Eltern die Entführer selbst in einem Video um Gnade angefleht.

Cameron spricht von kaltblütigem Mord

In dem neuen Video, das Kassigs Enthauptung zeigen soll, wurde keine weitere westliche Geisel vorgeführt. Erstmals nennt der IS aber den angeblichen Ort der Tat: die Stadt Dabik bei Aleppo. Die anderen westlichen Geiseln - zwei britische Entwicklungshelfer und zwei US-Journalisten - waren bisher wahrscheinlich in Rakka getötet worden.

"Ich bin entsetzt vom kaltblütigen Mord an Abdul-Rahman Kassig", teilte der britische Regierungschef David Cameron auf Twitter mit. Der "Islamische Staat" habe ein weiteres Mal seine Verdorbenheit gezeigt.

Die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Bernadette Meehan, erklärte, die Geheimdienste arbeiteten auf Hochtouren, um die Echtheit des Videos zu ermitteln. "Falls sich die Angaben bestätigen sollten, sind wir erschüttert über die brutale Ermordung eines unschuldigen amerikanischen Entwicklungshelfers und drücken seiner Familie und seinen Freunden unser tiefstes Mitgefühl aus."

Deutsche Unternehmen schließen Entführungsversicherungen ab

Auch in Deutschland geht offenbar die Angst vor Entführungen und Enthauptungen durch den IS um. Wie die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" berichtet, schließen immer mehr Unternehmen sogenannte Kidnap-&-Ransom-Versicherungen für ihre Mitarbeiter ab. Die Policen sehen für den Entführungsfall Deckungssummen von 3 bis 50 Millionen Euro vor und decken die Kosten für Verhandlungsteams und Lösegeldzahlungen.

Seit im Internet Videos über die Enthauptung von IS-Geiseln kursieren, "ist das Interesse an diesen Versicherungen explosionsartig gestiegen", sagte Anne Deiter, Expertin für Entführung und Erpressung beim Versicherungsmakler AON, der Zeitung.

Nach Angaben aus Branchenkreisen wurden bisher in Deutschland mehr als tausend solcher Versicherungen abgeschlossen; sie kosten bis zu 250.000 Euro im Jahr.

stk/dpa/Reuters/AFP

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