Namen von Isis-Kämpfern Iraker erbeuten offenbar massenhaft Dschihadisten-Daten

Irakische Soldaten haben offenbar 160 USB-Sticks von einem Kurier der Isis-Miliz abgefangen. Darauf finden sich laut "Guardian" die Namen aller ausländischen Kämpfer der Terrorgruppe - und ein Überblick über ihre Finanzen.

AFP/ Albaraka News

London - Den irakischen Truppen sind nach Informationen des "Guardian" mehr als 160 Speichersticks der Islamistenmiliz Isis mit hoch brisanten Informationen in die Hände gefallen. Darunter seien Namen und Kriegsnamen aller ausländischen Isis-Kämpfer und von Anführern, ebenso Codewörter, die Initialen von Informanten in Ministerien sowie die kompletten Finanzdaten der Organisation.

"Wir waren alle verblüfft, und die Amerikaner auch", sagte ein Geheimdienstoffizier der britischen Zeitung.

In den Besitz der Daten gelangten die irakischen Streitkräfte dem Bericht zufolge bereits vor dem Fall Mossuls. Zwei Tage vor der Isis-Offensive habe ein Kurier des Isis-Kommandeurs Abdulrahman al-Bilawi im Dauerverhör den Namen seines Chefs gestanden.

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Irak: Der Vormarsch der ISIS-Miliz

Wenige Stunden später sei Bilawi tot gewesen. In seinem Haus und bei seinem Kurier seien die Datenträger sichergestellt worden. Ihre Auswertung - unter anderem durch CIA-Agenten - sei noch im Gange.

Der Kurier namens Abu Hadschar habe in seiner Vernehmung unter anderem gesagt, Mossul werde in den kommenden Tagen zur Hölle werden. Zwei Tage später nahmen die Dschihadisten die Stadt ein. Von der zweitgrößten Stadt des Irak aus unternahmen die Isis-Leute einen Vorstoß Richtung Bagdad. Soldaten, Freiwillige und kurdische Peschmerga-Truppen schlugen sie inzwischen gebietsweise zurück.

Seit der Eroberung der Großstadt Mossul verfüge Isis über Milliardenwerte, heißt es im "Guardian". "Vor Mossul betrugen ihr gesamtes Bargeld und Anlagen 875 Millionen Dollar", sagte der Informant. "Danach, mit dem Geld, das sie in Banken geraubt haben und dem Wert der militärischen Versorgungsgüter, die sie geplündert haben, konnten sie weitere 1,5 Milliarden Dollar dazu addieren."

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Religiöse Gruppen und ethnische Minderheiten im Irak
Sunniten
Mit über 85 Prozent der Muslime weltweit bilden die Sunniten die größte Gruppe im Islam. Der Name der Glaubensrichtung leitet sich vom arabischen Wort "Sunna" ab, das im religiösen Zusammenhang die "Handlungsweisen des Propheten Mohammed" bedeutet. Zusätzlich zum Koran orientieren sich Sunniten anders als die Schiiten an der Sunna als einer zweiten Quelle des islamischen Rechts. Die Rebellen im Irak gehören der Glaubensrichtung der Sunniten an.
Schiiten
In den Augen der Schiiten haben nur Ali, der Vetter und Schwiegersohn des Propheten Mohammed, und dessen Nachkommen ein Anrecht auf die politische Führung aller Muslime. Zwar unterscheiden sich die Schiiten in der religiösen Praxis kaum von den Sunniten. Doch durch die historische Entwicklung beider Glaubensrichtungen trennen heute tiefe politische Gräben das sunnitische und das schiitische Lager. Im Irak sowie in Iran und dem Libanon stellen die Schiiten die größte Konfessionsgruppe. Auch der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki ist Schiit.
Alawiten
Alawiten sehen ihre Glaubensgemeinschaft als Abspaltung des schiitischen Islam. Auch sie verehren Ali, den Vetter des Propheten, und seine Nachfolger. Im Unterschied zu den Schiiten hat Ali bei Alawiten aber sogar einen gottähnlichen Status. Anhänger der alawitischen Glaubensrichtung leben vor allem in Syrien. Der syrische Diktator Assad ist Alawit. Es gibt auch Alawiten im Südosten der Türkei und im Libanon.
Kurden
Die Volksgruppe der Kurden stammt aus einem Siedlungsgebiet in Vorderasien, das sich auf die Gebiete der Türkei, des Irak, Irans und Syriens verteilt. Jahrhundertelang war die Region Teil des Osmanischen Reiches. Nicht alle Kurden gehören derselben Glaubensrichtung an. Viele sind Sunniten. Manche sind Aleviten, deren islamische Glaubensrichtung derjenigen der Alawiten ähnelt. Eine kurdische Einheitssprache gibt es nicht, dagegen viele unterschiedliche Dialekte. Im Nordirak hat sich seit dem letzten Golfkrieg ein Kurdenstaat gebildet, der seine Unabhängigkeit fordert.
Jesiden
Die Jesiden leben vor allem in der Gegend um die nordirakische Stadt Mossul. Schätzungsweise gibt es zwischen 300.000 und 1,2 Millionen Anhänger, von denen viele wegen Verfolgung und Diskriminierung ins Ausland geflohen sind. Ihre monotheistische Religion enthält Elemente des Christentums, des Islam und des Zoroastrismus. Neben Gott verehren sie sieben Engel. Der wichtigste heißt Malak Taus, der "Pfauenengel". Die Jesiden verneinen die Existenz des Teufels. Ihnen ist es verboten, außerhalb der Gemeinschaft zu heiraten oder einen anderen Glauben anzunehmen. Ihre wichtigste Pilgerstätte liegt in Lalisch, einem abgelegenen Tal im Norden des Irak. Dort befindet sich das Grab von Scheich Adi, der im 12. Jahrhundert starb und den die Jesiden als Heiligen verehren.

fab/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 199 Beiträge
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Seite 1
fludd 16.06.2014
1. Westliche Standards
... da nennt jemand in einem Verhör (man darf wohl von Folter ausgehen) einen Namen. Der Mensch mit diesem Namen wurde scheinbar unmittelbar und ohne Prozess von den Freunden der westlichen Demokratie ermordet? Oder wie ist der Satz "Wenige Stunden später sei Al-Bilawi tot gewesen." zu deuten?
cirkular 16.06.2014
2. Jetzt kann man ja die Konten in Amerika sperren
und ein Einreiseverbot für die USA verhängen, aber nur für die Kämpfer, die im Irak aktiv sind, in Syrien sind die Gleichen ja die Guten.
noahg 16.06.2014
3. unverständlich
Das sind ungeheure Informationen. Erstens da stirbt einer beim Dauerverhör. Das ist mir ein Rätsel wie es passieren konnte. Wahrscheinlich zu Tode gequetscht. Es wird wohl nicht sein dass er gequält wurde oder? zweitens wenn alle Idioten wussten dass Mosoul angegriffen werden sollte was haben sie mit diesen Informationen angefangen... Flucht vorbereitet? Und drittens wie kann es sein dass so eine Terrororganisation soviel Geld anhäufen könnte. Das macht mir Angst. Mit dem Geld kann man sehr viele kranke Seelen kaufen und für Unheil, auch bei uns, anstiften.
jalu-2008 16.06.2014
4. Quelle?
Zitat von noahgDas sind ungeheure Informationen. Erstens da stirbt einer beim Dauerverhör. Das ist mir ein Rätsel wie es passieren konnte. Wahrscheinlich zu Tode gequetscht. Es wird wohl nicht sein dass er gequält wurde oder? zweitens wenn alle Idioten wussten dass Mosoul angegriffen werden sollte was haben sie mit diesen Informationen angefangen... Flucht vorbereitet? Und drittens wie kann es sein dass so eine Terrororganisation soviel Geld anhäufen könnte. Das macht mir Angst. Mit dem Geld kann man sehr viele kranke Seelen kaufen und für Unheil, auch bei uns, anstiften.
Wo steht denn das bitte geschrieben? Ist die deutsche Sprache wirklich so schwer zu verstehen?
WFrosch1910 16.06.2014
5.
Nicht der Kurier, sondern sein Chef war kurz danach tot
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